Erin Niimi Longhurst: Ikigai – Die Kunst, zufrieden zu sein

Ikigai stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie Lebenssinn. Diesen zu finden und ihm nachzugehen, kann zufrieden mache

n. Für diese Erkenntnis benötigt man kein Buch. Die Autorin will uns wohl auch deshalb mehr mit dem vorliegenden Band vermitteln.

Das Buch startet leidigerweise mit einer Einführung über elf Seiten. Diese Seiten beschäftigt sich vornehmlich mit der Autorin und ihren Weg zum ikigai. So sympathisch sie zu sein scheint, diese Passage gehört, wenn überhaupt, ans Ende des Buches. Ich möchte gleich auf Seite 1 damit starten, einen neuen Blick auf mein Leben zu werfen und es reicher und vollkommener zu machen. Denn dies, so verspricht die Einführung vor der Einführung ist das Ziel des Buches.

Auf knapp 280 Seiten erfahren wir sehr reichlich über die traditionelle japanische Lebensweise. Zum Beispiel, dass die Bewohner dieses Landes zu den Menschen gehören, die am längsten leben. Und dies, obgleich bekanntermaßen ihre Work-Life-Balance zu einer der schlechtesten weltweit gehört. Wo liegt das Geheimnis?

Nun, die Autorin meint, dies müsse ganzheitlich erfolgen und erläutert uns in drei Kapiteln anhand japanischer Begriffe und ihrer Bedeutung, wie das zu geschehen hat. Das titelgebende ikigai als Sinn seines Lebens, den Jedermann finden sollte, wolle er ein zufriedenes Leben führen. Oder Wabi-sabi, was mit der Schönheit von Unvollkommenheit bedeutet. Anders ausgedrückt: Die Abkehr vom Perfektionismus, von Fehlerfreiheit und dem Streben danach. Dies zusammengefasst im ersten Kapitel Kokoro (Herz und Geist). Kapitel 2 Karada (Körper) zeigt, wie wir diese Erkenntnisse in Ernährung und Tun umsetzen können. Wie wir Kraft aus der Schönheit der Natur, aus dem Spaziergehen, natürlicher Ernährung und künstlerischer Betätigung erhalten. Das letzte Kapitel Shukanka (eine Gewohnheit herausbilden) beschäftigt sich damit, wie wir diese Erkenntnisse in unser Leben integrieren, wie wir unser Leben nachhaltig nach diesen Prinzipien ändern können.

Longhurst gelingt es durch die Verflechtung ihrer eigenen Biografie Nähe zum Leser zu schaffen, die Prinzipien und Lebensweisheiten der traditionellen japanischen Lebensweise plastisch zu beschreiben und zu erläutern. Sie stellt den meisten Erläuterungen einen japanischen Begriff voraus, den sie durch eine Übersetzung in Begriffe der westlichen Welt, durch sinngebende praktische Beispiele erläutert. Aufgelockert wird das Buch durch verschieden farbige Seiten, zahlreiche Fotografien und unzählige japanische Weisheiten in Zitatform.

So wird die Lektüre unterhaltsam und nie langweilig. „Ikigai: Die Kunst, zufrieden zu sein“ entdeckt uns keine Geheimnisse, noch patentiert es eine neue Methode, das Glück des Lebens geschenkt zu bekommen. Es erläutert vielmehr auf unterhaltsame Weise eine Lebensphilosophie, die das Potenzial hat, auch unser Leben zufrieden oder wenigstens zufriedener zu machen.

Erin Niimi Longhurst: Ikigai – Die Kunst, zufrieden zu sein.
HarperCollins, Oktober 2020.
272 Seiten, Taschenbuch, 12,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Michael Pick.

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