Erin A. Craig: Haus aus Salz und Tränen

Sie leben auf den rauen Inseln von Salann – die Töchter des 19. Herzogs von Highmoor. Einst waren sie eine glückliche Familie – ein treu sorgender Vater, eine liebevolle Mutter und ein Dutzend Töchter bevölkerten das Anwesen und verbreiteten gute Laune.

Doch dann schlug das zu, was die Anwohner der Inseln inzwischen als Fluch bezeichnen. Erst traf es die Mutter, die das Volk des Salzes der See zurückgeben musste, dann starben nicht wenige als fünf der Schwestern nach und nach teilweise unter tragischen Umständen. Dass der Herzog auf dem Festland eine neue Liebe, eine junge Frau fand, die nun mit seinem ersten Sohn schwanger ist, sorgt dafür, dass die einjährige Trauerzeit abrupt abgekürzt, die Schwestern mit neuen Roben und sündhaft teuren Feenschuhen ausgerüstet werden und ein Ball ausgerichtet wird. Dass die Schwestern von den anwesenden Galanen nicht zum Tanz aufgefordert werden trübt die Stimmung nicht unwesentlich. Alle Bewohner der Inseln munkeln vom Fluch, gehen auf Distanz zur Familie. Da kommt es gut, dass die Töchter anderweitig ihre Nächte durchtanzen – doch wo finden die Bälle statt und wer nur sind ihre Partner?

Der Festa Verlag ist bekannt für sein Horror-Programm. Nicht von ungefähr lautet das Motto des Verlagshauses „Wenn Lesen zur Mutprobe wird …“. Doch neben harten Horror Titeln, Action Bänden und Extrem-Horror bietet der Verlag auch eine leisere Art der dunklen Literatur an. Bücher, die ein wenig märchenhaft daherkommen, in denen das Grauen zwar spürbar ist, aber eher im Hintergrund lauert.

Vorliegender Titel, Band 5 der All Age Reihe, ist ein solcher Roman. Die amerikanische Autorin hat das Thema der durchtanzten Schuhe aus dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm aufgegriffen, in eine raues Ambiente versetzt und mit einem dunklen Geheimnis verbunden. Das Ergebnis ist ein Roman, der aus Sicht einer der Schwestern, die die Vorkommnisse zu ergründen sucht, von dem Leiden der Familie berichtet. Dabei wird viel Wert auf die Beschreibung der Kleidung der jungen Damen gelegt, die Gefühlswelt der Schwestern, ihre Trauer aber auch der Versuch ihr Glück zu finden werden thematisiert. Alles wird atmosphärisch dicht aufbereitet, so dass der Leser oder die Leserin die fehlenden große Actionszenen nicht vermisst.

Es ist ein leiser Roman, der viel aus dem Flair einer vergangenen Zeit zieht, der mit einer fremden Kultur – der des Salzes – überrascht und uns ein Märchen in neuem Gewand vorstellt, das einen Hauch Gothic ausstrahlt. Erwähnen darf ich noch das wunderbar stimmige Cover des Bandes.

Erin A. Craig: Haus aus Salz und Tränen.
Festa Verlag, April 2021.
480 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.