Eric Berg: Totendamm

Dieses Buch ist bereits 2018 unter dem Titel „So bitter die Rache“ im Limes Verlag erschienen.

Die Diplomatengattin Ellen hat sich von ihrem in Asien tätigen Ehemann getrennt und kehrt mit ihrem vierzehnjährigen Sohn Tristan nach Deutschland zurück. Sie erwirbt ein Haus in Heiligendamm an der Ostsee, ein Haus in einer abgeschlossenen Siedlung namens Vineta. Erst nach dem Einzug erfährt sie, dass in diesem Haus vor sechs Jahren ein Dreifachmord geschah. Ellen versucht, sich von der Vergangenheit ihres Hauses nicht einschüchtern zu lassen; als jedoch Gegenstände verschwinden und sie mehr über die früheren und derzeitigen Nachbarn erfährt, wandelt sich ihre Distanz nach und nach erst in Neugier und schließlich in Besorgnis.

Der Roman erzählt die Vorkommnisse auf zwei Zeitebenen: einmal erleben wir die Gegenwart, als Ellen nach Vineta kommt und zum anderen die Ereignisse sechs Jahre vorher. Die Geschehnisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven berichtet und so lernt die Leserin Zug um Zug alle Protagonisten kennen. Von den Nachbarn, die zur Zeit des Verbrechens schon in der Siedlung lebten, lernt Ellen zuerst Ruben kennen, den geistig behinderten Nachbarn, mit dem sich ihr Sohn Tristan anfreundet. Ellen kämpft mit ihren Vorbehalten gegen Ruben und hat deswegen ein schlechtes Gewissen. Das führt wiederum dazu, dass sie Ruben weiter in ihr Leben hineinlässt, als sie eigentlich will. So lernt sie auch Sven, seinen amtlichen Betreuer vom Jugendamt, kennen.

In der parallel geschilderten Vergangenheit kämpft Paul, der pensionierte krebskranke Richter mit seiner Abneigung gegen die Nachbarn in der Siedlung. Er und seine sehr viel jüngere, schwangere Ehefrau Julia leben in dem Haus, welches Ellen später erwerben wird. Es geschehen merkwürdige Dinge, so verschwinden Gegenstände, seine geliebten Rosenbüsche werden vernichtet, Reifen zerstochen. Paul verdächtigt Tom, den pubertierenden Sohn des „Erbauers“ der Siedlung, Gernot Kessel. Dieser wiederum beobachtet alle Bewohner mit akribischer Besessenheit.

Und dann gibt es da noch den Albaner Malush und seine Schwester Majlinda, über deren entbehrungsreiches Leben in der Heimat die Leserin durch einen weiteren Erzählstrang ausführlich informiert wird. Beide kommen nach einem Besuch bei ihrer Familie in Albanien nach Heiligendamm zurück.

Nach und nach brechen alle Zwistigkeiten, Antipathien und Zerwürfnisse auf und Ellen erhält durch ihre Nachforschungen mehr und mehr Einblick in die vergangenen Ereignisse.

Der Roman baut seine Spannung sehr subtil auf. Durch die sowohl in der Gegenwart wie in der Vergangenheit chronologisch erzählten Geschehnisse, durch die geschickt und sehr versteckt gegebenen Hinweise wird man durch das Buch gezogen, immer in der Hoffnung, auf der nächsten Seite endlich mehr zu erfahren. Allerdings wird die Spannung an mancher Stelle durch, in meinen Augen, ein bisschen zu viel Psychologie, zu viel Selbstanalyse der Protagonisten auf eine harte Probe gestellt. Manches hätte ein wenig Kürzung gut vertragen, alles in allem aber ein typischer Eric Berg: subtile, langsam wachsende Spannung mit einem gut ausgearbeiteten und dargestellten Personal.

Eric Berg: Totendamm.
Blanvalet, Februar 2020.
448 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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