Emma Healey: Elisabeth wird vermisst

maudMaud ist um die 80 Jahre alt und lebt noch in ihrer alten Wohnung allein. Regelmäßig schauen ihre Tochter Helen und eine Pflegekraft bei ihr nach dem Rechten. Mit kleinen Zettelbotschaften versucht sie, ihr Gedächtnis auf Trab zu halten. Doch das klappt auch nicht immer so gut. Manchmal findet sie sich irgendwo wieder und weiß gar nicht, wie sie dorthin gekommen ist, ein anderes Mal fällt ihr gar nicht mehr ein, was sie in der letzten Minute noch gedacht hat. Aber eins ist für Maud sicher: Ihre Freundin Elisabeth, etwa im gleichen Alter, wird vermisst! Und das kümmert keinen etwas! Obwohl Maud sicher seit Wochen nicht mehr mit ihr telefoniert oder sie gesehen hat, interessiert die Polizei sich nicht im Geringsten für den Fall. Maud beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln.

„Elisabeth wird vermisst“ ist ein anrührender Roman, komplett aus Mauds Perspektive geschrieben. Und das macht ihn so besonders. Alzheimer-Romane aus Sicht der pflegenden Angehörigen gibt es viele, aus Sicht der Betroffenen allerdings nur wenige. Das Debüt der erst 28-jährigen Emma Healey wirkt einfühlsam, aber direkt. Es gibt zahlreiche Szenen, die ans Herz gehen, aber auch was zu lachen. Denn Maud verliert ihren eigenen Humor nur selten. Und weicht er einmal der Verzweiflung, lässt sich selbst diese gut nachempfinden.

Elisabeths Verschwinden sorgt für kleinere spannende Szenen im Roman. Oft tappt man mit Maud gemeinsam im Dunkeln über ihren Verbleib, häufig ist man allerdings auch schlauer und kann sich ein Schmunzeln über ihre Gedankengänge nicht verkneifen. Parallel läuft die eigentlich spannende Handlung um das Verschwinden von Mauds eigener Schwester in der Nachkriegszeit. Sukey ist über Nacht mit einem Koffer verschwunden und nie mehr aufgetaucht. Auch damals, mit 15 Jahren, ermittelte Maud auf eigene Faust. Hier kommt man weitreichenden Geheimnissen auf die Spur und lernt die andere Maud kennen. Eine Maud, die sich klar erinnert und Details der Vergangenheit so unverfälscht wiedergeben kann, als wäre es gestern gewesen.

Ein ganz großer, zugleich anrührender und amüsanter Roman über Alter und Alzheimer. Diese tolle Autorin wird sicher noch von sich hören lassen!

Emma Healey: Elisabeth wird vermisst.
Bastei Lübbe, März 2014.
352 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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