Ella Zeiss: Tage des Sturms 02: Von Hoffnung getragen

Russland, 1942: Mit 16 Jahren wird Harri in das Zwangsarbeitslager in Tscheljabinsk deportiert. Hier muss er in Kälte und Eis unter Aufwendung seiner ganzen Kraft tagtäglich schuften. Die Situation bessert sich auch nicht, als sein ehemaliger Nachbar Erich im Lager eintritt. Er muss sich ständig Sorgen machen um den schlechten Gesundheitszustand des jungen Mannes. Auch seine Familie vermisst Harri schmerzlich. Ein Lichtblick scheint Jahre später das Kriegsende zu sein. Doch wird jetzt wirklich alles besser?

Mit „Von Hoffnung getragen“ legt Ella Zeiss den zweiten und abschließenden Band ihrer kurzen Serie um die Familien Pfeiffer und Scholz vor, die sich bereits in den ersten Kriegsjahren, niedergeschrieben in „Wie Gräser im Wind“, durchbeißen mussten. Einst waren sie Nachbarn, wurden aber vom Krieg in alle Winde zerstreut. Im zweiten Band stehen vor allem Harri Pfeiffer und Yvonne Scholz, die jüngere Schwester von Erich, im Mittelpunkt. Die Erwachsenen aus dem ersten Teil nehmen nur noch eine Nebenrolle ein. Die Schwäche des ersten Bandes war eine sehr deprimierende Stimmung im ersten Drittel. Diese findet sich in meinen Augen haargenau im zweiten Band wieder. Es passiert ein Unglück nach dem nächsten und die Lage scheint ausweglos. Erst in den letzten beiden Dritteln bessert sich das etwas. In „Von Hoffnung getragen“ wird dies vor allem durch das Kriegsende markiert. Damit ist natürlich nicht alles toll und die Arbeitslage der Russen bestehen weiterhin. Aber Vieles verändert sich auch.

Wer den ersten Band mochte, wird auch am zweiten Gefallen finden. Die jungen, nun erwachsen gewordenen Figuren sind gut gezeichnet, haben ihre Ecken und Kanten. Man kann mit ihnen mitfühlen und sie auf ihren Wegen begleiten. Es entwickelt sich sogar eine Liebesgeschichte im weiteren Verlauf.  Der zweite Band stimmt versöhnlich und schließt viele unfertige Fäden aus dem ersten Teil ab. Man sollte ihn wirklich gelesen haben, wenn man den ersten Band beendet hat. Ella Zeiss kann gut schreiben, daran besteht kein Zweifel. Die negative Stimmung in vielen Kapiteln des Romans steht ihr dabei nur etwas im Weg. Ansonsten ist „Von Hoffnung getragen“ ein würdiger Nachfolger des ersten Titels und lässt sich angenehm und flott lesen.

Gelungene Fortsetzung, die ganz im Zeichen des ersten Bandes steht.

Ella Zeiss: Tage des Sturms 02: Von Hoffnung getragen.
Tinte & Feder, April 2019.
414 Seiten, Taschenbuch, 11,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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