Elizabeth Macneal: The Doll Factory

London, 1850: Die junge Iris arbeitet an der Seite ihrer durch Pockennarben entstellten Zwillingsschwester Rose in einer kleinen Puppenmanufaktur. Heimlich träumt Iris allerdings davon, malen zu können. Ihr kleines Taschengeld investiert sie deshalb in Farben und statt zu schlafen, malt sie nachts. Als sie den Maler Louis Frost kennenlernt, der sie als Modell für sich gewinnen will, scheinen Iris‘ Träume plötzlich ganz nah. Was wäre, wenn Louis sich bereiterklärt, sie im Malen zu unterrichten? Hals über Kopf will Iris ihr bisheriges Leben aufgeben. Doch das stößt auf Ablehnung seitens ihrer Eltern und der Schwester. Ist Iris bereits, alles für ihren Traum zu opfern?

Diese kurze Inhaltsangabe des Romans gibt beileibe nicht alles preis, was „The Doll Factory“ kann. Iris schwebt schon bald in einer großen Gefahr, während im Hyde Park die Weltausstellung zum allerersten Mal tagt. Elizabeth Mcneal ist eine toller Romanmischung gelungen. Historische Elemente, damit verbunden auch der Klassiker einer starken Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft, eine spannende Nebenhandlung, die sehr schnell starke Auswirkungen auf die Haupthandlung hat, interessante Figuren … was will man mehr? Der deutsche Titel bzw. gleichermaßen auch der englische Titel scheinen dabei allerdings eher schlecht gewählt. Denn die Puppenfabrik, wenn man das Drei-Mann-Unternehmen überhaupt so nennen mag, ist nur ein absoluter Nebenschauplatz, quasi der Beginn von Iris‘ Weg in London.

Vorgestellt wird dann eine starke junge Frau, die weiß, was sie will. Klischees sucht man, obwohl allein dieser Satz schon nach Klischee klingt, vergebens. Man bekommt Einblick in eine Künstlerszene rund um den fiktiven Mann Louis Frost, in das Leben der einfachen Leute und das Leben des Präparators Silas, der tote Tiere sammelt und ausstopft.

Eine kleine Schwachstelle hat der Roman in meinen Augen. Der historische Kontext der Geschichte wird in zwei Sätzen von der Autorin abgehandelt. Das ist doch sehr dürftig. Gerne hätte ich mir diesbezüglich mehr Informationen gewünscht.

Ansonsten ein gut zu lesender, abwechslungsreicher Roman!

Elizabeth Macneal: The Doll Factory.
Eicbborn, März 2020.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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