Elisabetta Lugli: Der Buchladen der verlorenen Herzen

Annas Leben in Turin verläuft in ruhigen Bahnen. Sie arbeitet in der Buchhandlung „Stella Polaris“, die – wie auch ihre Besitzerin Signora Adele – eher altmodisch und gediegen, aber anspruchsvoll und mit Stil daherkommt. In der Beziehung zu ihrem Freund Edoardo ist sie eher zurückhaltend und scheut die Nähe, die er sich wünscht, denn insgeheim trauert sie noch ihrer großen Liebe Luca nach. Sie pflegt wenige, aber gute Freundschaften und ist auch ihrer Familie eng verbunden.

Zu einer unerwarteten Wendung kommt es, als Anna in der Zeitung vom Unfall ihrer früheren Freundin Claudia liest und sie im Krankenhaus besucht. Sie war es, die Anna damals von Lucas Untreue berichtet und so die Trennung ausgelöst hatte. Anna hatte Claudia so sehr vertraut, dass sie Luca nicht einmal die Möglichkeit gegeben hatte, seine Sicht der Dinge zu schildern. Doch auch die Freundschaft mit Claudia war daran zerbrochen. Was Claudia ihr erzählt, rückt die Vorkommnisse von damals in ein neues Licht. Kurz darauf schneit auch noch Luca zufällig in den Buchladen und die alten Gefühle flammen auf. Anna ist hin- und hergerissen zwischen den beiden Männern in ihrem Leben.

Auch in der Buchhandlung bahnen sich Veränderungen an. Signora Adele geht auf Weltreise und übergibt Anna für ein paar Wochen die Leitung des Ladens. Die entwickelt eine ungewohnte Initiative und plant gemeinsam mit ihrer Freundin Giulia in dieser Zeit Lesungen mit passendem Wein und Essen, die sich als voller Erfolg erweisen. Die beiden beginnen zu träumen: Kann es für sie in diese Richtung weitergehen?

„Der Buchladen der verlorenen Herzen“ ist der Debütroman der Turinerin Elisabetta Lugli. Er wurde zum Gewinner des Wettbewerbs „ilmioesordio“ gekürt, den die Schreibschule Scuola Holden gemeinsam mit dem Verlag Newton Compton ausrichtet und man kann ihm den italienischen Charme nicht absprechen.

Es geht um die Liebe zu gutem Essen, zu Büchern und um die Liebe zwischen Männern und Frauen, es geht um Freundschaft, um Lebensentwürfe und die Verwirklichung von Träumen. Obwohl er auch durchaus ernste Themen behandelt, kommt er leicht daher und lässt sich schnell weglesen.

Das Personal ist (überwiegend) liebenswert und äußerst menschlich: die unentschlossene Anna, die ihr Leben einfach laufen lässt, ohne sich wirklich für oder gegen etwas zu entscheiden, ihre exzentrische Mutter, die in ihren Abendgesellschaften die absonderlichsten Gestalten zu Tisch bittet oder die immer positiv denkende Giulia, die ein trauriges Geheimnis hütet, sie alle kann man schnell ins Herz schließen.

Ich denke, „Der Buchladen der verlorenen Herzen“ ist ein Roman, der vor allem jüngeren Frauen gefallen wird. Aber vom zunehmenden Selbstbewusstsein, das Anna entwickelt und ihrem Mut, sich zu verändern kann sich jede eine Scheibe abschneiden. Keine große Literatur, aber gefällig und unterhaltsam und mit einem durchaus überraschenden Ende.

Elisabetta Lugli: Der Buchladen der verlorenen Herzen.
Knaur, Oktober 2018.
272 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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