Duden: Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache

Wie heißt das im Jahr 2004 vom Deutschen Sprachrat gekürte schönste deutsche Wort und welche schönen Wörter gelten als vom Aussterben bedroht? Auf welche Arten kann man „Konifere“ falsch schreiben? Welche Wörter sind aus dem Deutschen in andere Sprachen eingewandert und welche haben hier einen „Migrationshintergrund“? Wissen Sie, dass es im Rechtschreibduden nur fünf einsilbige deutsche Wörter gibt, die auf -nf enden, oder welche Buchstaben im Deutschen, Italienischen, Französischen, Italienischen und Spanischen am häufigsten vorkommen?

Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich das kleine Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache. Denn es bleibt nicht bei der deutschen Sprache stehen, sondern macht auch Abstecher zu Nachbarn oder weiter entfernten Verwandten, zum Beispiel, wenn es darum geht, welche Sprachen von den meisten oder nur von sehr wenigen Menschen gesprochen werden.

Nebenbei wird (immer mit vielen witzigen Beispielen) erklärt, was ein Anagramm, ein Palindrom oder ein Eponym ist. Was haben der Rentner, das Regal und der Reliefpfeiler gemeinsam? Nicht nur das R am Anfang …

Ich habe erfahren, dass die Schnapsdrossel nicht die Schwester des Schluckspechts ist (Seite 17) und auch ein Pleitegeier nichts mit einem Vogel zu tun hat, dass die femininen Substantive im Deutschen die Nase vorn haben und dass schon im 17. Jahrhundert versucht wurde, Fremdwörter durch deutsche Wörter zu ersetzen. Ein paar haben sich durchgesetzt, andere liegen auf dem Friedhof der ausgestorbenen Wörter. Ich denke, Mumie hört sich auch deutlich freundlicher an als Dörrleiche (Seite 86).

Das Büchlein ist grafisch wunderschön und liebevoll gestaltet. Mal winden sich die Buchstaben und Wörter wie eine Schlange oder ein S, mal bilden sie einen „abgeknabberten Rest des Apfels“, für den auf Seite 45 insgesamt 49 Bezeichnungen aus vielerlei Dialekten zu finden sind. Der Ideenreichtum ist beeindruckend, die Themen sind unterhaltsam, eingängig erklärt, lustig, skurril, abenteuerlich und gleichzeitig lehrreich zusammengefügt.

Das vom Duden herausgegebene Kuriositätenkabinett hat keinen ausgewiesenen Verfasser, aber ich möchte trotzdem die Beteiligten nennen, die im Impressum aufgeführt sind: Iris Glahn (Redaktionelle Leitung), Dr. Jürgen C. Hess (Redaktion), Maike Häßler (Herstellung) und Carsten Aermes (Umschlaggestaltung, Layout und Satz). Dieses Team hat mit allen anderen Beteiligten eine wunderbare Sammlung geschaffen, die sich niemand entgehen lassen sollte, der die deutsche Sprache liebt, sie (neu) entdecken oder ein wenig mehr davon verstehen möchte. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

Duden: Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache.
Duden Verlag, September 2020.
128 Seiten, Gebundene Ausgabe, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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