Doris Dörrie: Die Welt auf dem Teller: Inspirationen aus der Küche

Doris Dörries vorangegangenes, ebenso bei uns besprochenes Buch Leben Schreiben Atmen ist ein Text über das Schreiben, das mit vielen Erinnerungen und Anregungen verknüpft ist. Ähnlich inspirierend liest sich ihr neues Buch Die Welt auf dem Teller, das ein Text über das Essen ist. Mit ihren Gedanken, Assoziationen und Erinnerungen gibt Dörrie auch hier wieder viele private Einblicke in ihr Leben. Nahrungsmittel stehen im Focus, was sie in vielfältiger Weise beleuchtet und außer auf ihren Genuss unter anderem auch auf ihre Wertigkeit ihre Verarbeitungsweise etc. eingeht.

Der Titel eines Kapitels, in dem Dörrie über Brot schreibt, lautet Knust und Scherzl. Darin erfährt man, dass die Autorin seit jeher eine Schwäche für das Endstück, genannt „Кnust“ hat. Diesen Knust zu ergattern, machte sie schon zu Kindertagen glücklich. Außerdem liest man, dass sie bei lang dauernden Veranstaltungen gern ein Stück trockenes Brot, vornehmlich den Knust in ihrer Handtasche mit sich führt.

Ein weiterer Text handelt davon, wie die Autorin einst bei einem Kubaaufenthalt einen Brief an Fidel Castro schrieb, den ihr der berühmte Anarchist Augustin Souchy diktierte und in dem es um die Reduzierung des Orangenpreises ging.

Ganz andere Einblicke wiederum erhält man bei Dörries Ausführungen über die strengen Regeln in einem japanischen Zen-Kloster.

Die Sprünge zwischen den Kapiteln sind groß und so geht es beispielsweise nach einer Episode um die Kartoffelsorte Linda, die plötzlich in Deutschland verschwunden war und in Bhutan in Form eines unerwartet perfekt schmeckenden Kartoffelsalats einer Bäuerin auf Doris Dörries Teller landete, zurück zu schnaubenden, schnaufenden und malmenden deutschen Milchkühen auf der Wiese. In diesem Zusammenhang geht es weiter um Milch trinkende Chinesen, Milchüberproduktion oder die enorme Milchleistung der Kühe und die Auswirkungen davon.

Oder man liest von Laktoseintoleranz, Glutenempfindlichkeit und unterschiedliche Trends, denen manche Lebensmittel unterworfen sind wie der Low-Carb-Diät, der Steinzeitdiät, etc.

Weiter erwähnt Dörrie unter anderem ihre neuerliche Abstinenz gegenüber den einst heiß geliebten Tintenfischen in allen Variationen, das Mikroplastikvorkommen speziell in Schalentieren,  Kaffee, der in jedem Land anders serviert wird, den Genuss von bayerischen Brezn mit Butter, mit denen in Süddeutschland kleine Kinder beglückt werden, und und.

Schön lesen sich Vergleiche wie: „Mit einer Himbeere über die Wange zu streichen fühlt sich an wie ein samtenes Pferdemaul“ (eBook S. 60).

Ob einfaches Brot oder exotische Speise, ob erzählend oder kritisch hinterfragt – Doris Dörries Texte lesen sich interessant und amüsant. Dabei verdeutlicht sie, dass Essen weitaus mehr ist als nur ein elementares Grundbedürfnis des Menschen.

Doris Dörrie: Die Welt auf dem Teller: Inspirationen aus der Küche.
Diogenes, August 2020.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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