Donna Leon: Stille Wasser

Nach 26 Kriminalfällen in 25 Jahren gönnt Bestsellerautorin Donna Leon Guido Brunetti eine Auszeit. Im 26. Krimi, „Stille Wasser“ will der venezianische Kommissar auf der Laguneninsel Sant‘ Erasmo entspannen – allein unter Fischern und in der Natur. Nur das Sterben von Bienen beschäftigt den Ermittler.

Keine Sorge: Brunetti ist nicht krank oder altersschwach. Den Herzanfall täuscht er zu Beginn der Geschichte nur vor, um zu verhindern, dass sein Kollege einem Verdächtigen beim Verhör an die Gurgel springt. Aber dann findet der Kommissar Gefallen daran, sich von den Ärzten im Hospital ein Schonprogramm verordnen zu lassen und zieht auf das verlassene Landgut eines Verwandten seiner Ehefrau Paola.

Auch für die Leser ist die erste Hälfte des Buchs der 75-jährigen Amerikanerin Donna Leon ein Entschleunigungsprogramm: Ruhig erzählt, trotzdem spannend und sehr stimmungsvoll. Auf die Verfilmung darf man sich freuen, denn Brunettis Kurzurlaub wird neue Seiten vom Leben in den Lagunen und den schönen Inseln rund um Venedig zeigen.

Aber das Buch wäre kein Krimi, kein Brunetti und kein Donna Leon, wenn es nicht doch einen Toten gäbe. Und der ist Guido Brunetti ans Herz gewachsen. Nach einer Sturmnacht (filmreif beschrieben von Donna Leon) zieht der Kommissar den Freund aus dem Wasser und gerät dabei selbst in Lebensgefahr. Zum Entschleunigungsprogramm des Romans passt, dass der Kommissar am Schluss kriminalistischen Spürsinn vernachlässigt und den Fall als Selbstmord zu Protokoll gibt.

Mit dem Bienensterben hat der Fall zu tun, der den Kommissar in der Vergangenheit der Fischerinsel stochern lässt und einen Giftskandal im „Stillen Wasser“ an die Oberfläche spült. Alles verjährt, und Brunetti ist wieder tiefenentspannt und bereit für viele weitere Kriminalfälle. Unbedingt lesen!

Donna Leon: Stille Wasser.
Diogenes, Mai 2017.
352  Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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