Don DeLillo: Null K

nullEinen schwerverdaulichen Brocken serviert uns der mittlerweile fast 80-jährige amerikanische Autor Don DeLillo mit seinem neuen Roman „Null K“.

Ein Mann namens Jeffrey – im Roman der Ich-Erzähler – reist zu einem Ort irgendwo in der Wüste, wo die neue, schwerkranke Frau des Vaters eingefroren werden soll, um sie später, wenn die Medizin es erlaubt, aufzutauen und zu heilen. Kryonik heißt dieses Verfahren in der Fachsprache, dem sich in den 1960er-Jahren erstmals ein Mensch unterzog.

Klingt interessant, ist es aber in der Umsetzung Don DeLillos nicht. Der Autor verliert sich in nebulösen Kapiteln, die zum Teil philosophische Reflexionen über den Tod, zum Teil Erinnerungen aus dem Vorleben des Ich-Erzählers beinhalten, zu selten aber mit dem unmittelbar bevorstehenden Prozess zu tun haben. Auffällig ist eine weitgehende Distanz, Kälte und Teilnahmslosigkeit aller Figuren, deren Handeln für den Leser nicht immer nachvollziehbar bleibt.

Im zweiten Teil des Buches springt die Handlung urplötzlich zu einem gänzlich anderen Schauplatz: Jeffrey lebt mit einer Frau namens Emma zusammen, deren Sohn Stak auffällige Verhaltenweisen an den Tag legt. Was das mit dem Thema Kryonik zu tun hat, bleibt unklar.

Erst am Ende kehrt der Roman zum Schauplatz in der Wüste zurück, weil Jeffreys Vater eine Entscheidung gefällt hat.

Insgesamt ein wenig gelungenes, intellektuell überfrachtetes Werk, in dem das Gefühl auf der Strecke bleibt.

Don DeLillo: Null K.
Kiepenheuer&Witsch, Oktober 2016.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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