Dominique Fortier: Städte aus Papier: Vom Leben der Emily Dickinson

Als Austin zum Studieren nach Harvard zieht, schreibt Emily ihm täglich Briefe – sie sollen lebhaft, leicht, unwiderstehlich sein, in der Hoffnung, dass er zurückkommt. Doch er kommt nicht zurück. […] Wenn sie ihm doch nur Schmetterlinge schicken könnte.“ (S. 76)

Seitdem ich die US-amerikanische Dramedy-Fernsehserie über die junge Emily Dickinson gesehen habe, bin ich begeistert von ihren fein- und tiefsinnigen Gedichten und Ansichten rund um die Zwänge von Gesellschaft, Geschlecht und Familie im 19. Jahrhundert, in der sie sich als Frau oft fehl am Platz fühlte. Denn sie selbst rebellierte gegen die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit, war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Je mehr ich von und über sie lese, desto hingerissener bin ich. Wobei die Übersetzung ihrer Gedichte ins Deutsche im Allgemeinen einem Drahtseilakt gleicht.

Wie in ihrer Poesie, so spürt man auch in diesem Buch Emilys Naturverbundenheit, ihre Leidenschaft für Bücher und ihr spirituelles Sehnsuchtsgefühl, das weit entfernt war von christlicher Religiosität.

Zur Recherche für „Städte aus Papier“ hat sich die kanadische Schriftstellerin Dominique Fortier durch Gedichtbände, Briefe, all die Emily gewidmeten Werke gewälzt sowie durch das Internet geklickt. Rausgekommen ist ein wirklich unverwechselbar bezaubernder Einblick ins „Blütenherz“ einer faszinierenden Dichterin. Definitiv eine Leseempfehlung wert.

Dominique Fortier: Städte aus Papier: Vom Leben der Emily Dickinson.
Aus dem Englischen übersetzt von Bettina Bach.
Luchterhand Literaturverlag, Januar 2022.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Olivia Grove.

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