Dhonielle Clayton: Die Marveller 01: Magie aus Licht und Dunkelheit

Ella Durand aus New Orleans gehört zu der Fabulierer-Familie, die die Grenze zu den Dunkelreichen bewacht. An ihnen ist es, die Seelen ins Jenseits weiterzuleiten, dafür zu sorgen, dass der Frieden gewahrt wird. Dabei nutzen sie ihre eigene Magie des Fabulierens, werden aber vom Rest der magischen Welt verachtet, ja ausgegrenzt. Ella wird als erste aus den Reihen der Fabulierer ausgewählt, die in luftiger Höhe schwebende Schule der Marveller zu besuchen. Es geht um nichts weniger, als die Diskriminierung abzuschaffen, Vorurteile zu überwinden und die Gemeinschaft der magisch Begabten ein klein wenig gerechter zu machen.

Dass es unsere Ella nicht leicht haben würde an der Eliteschule der Marveller, war allen, auch ihr, von vorne herein klar. Dass sie aber auf derart fiese, neidische Mitschülerinnen treffen würde, verletzt sie. Auch wenn sie sich nach außen hin nicht anmerken lässt, gehen ihr die Bosheiten ganz schön an die Nieren. Dabei versucht sie es wirklich, ihr Temperament zu zügeln, offen und freundlich zu sein, allein, die Abkömmlinge der angesehenen Marveller-Clans dissen sie, wo es nur geht. Einzig in ihrer Zimmergenossin, einem Mädchen aus New York und einem Klassenkameraden, findet sie Unterstützung. Dass gleichzeitig eine Asse, eine in einem Kartenspiel eigentlich sicher und dauerhaft weggesperrten Verbrecherin, entkommt und ihre dunklen Pläne vorantreibt, hat auch auf unsere Drei seine Auswirkungen – kommen sie doch so einigen, sorgfältig unter den Teppich gekehrten Geheimnissen auf die Spur. Und die Elite hasst nichts mehr als Veränderung oder ihr Gesicht zu verlieren, was zu unschönen Ereignissen führt …

Ein magisches Internat mit verschiedenen Häusern – je nach Veranlagung -, in dem der entsprechend talentierte Nachwuchs auf seine späteren Karriere vorbereitet wird – das kennen wir natürlich von Hogwarts. Nun, weder Verlag noch Autorin verschweigen im Vorfeld, dass das Potter-Internat bei der Schöpfung ein klein wenig Pate gestanden ist. Nur, und dies ist ein großes NUR, das ist vorliegend gar nicht wichtig.

Zu sehr geht der Plot seinen eigenen, interessanten Gang, erfahren wir von Geheimnissen, Verrat und Kämpfen, mehr noch allerdings vom Mobbing unserer Erzählerin. Dabei nimmt uns die Figur der Ella mit ihrem Mut, aber auch ihrer inneren Verletzlichkeit schnell gefangen. Immer wieder lockern dabei besondere Gimmiks die Lektüre auf. Zeitungsartikel, der Briefverkehr oder Schilderungen von Wesen erschließen uns Hintergrundwissen. Der Unterricht bei den unterschiedlichen Lehrkräften erinnert natürlich ein wenig an Hogwarts, ist dann in Details aber doch wieder ganz anders aufgezogen. Dass unsere Schule zudem weit über den Wolken schwebt, kommt hinzu.

Stilistisch der Zielgruppe – Leserinnen und Leser ab 10 Jahren – angepasst wartet so ein spannendes Abenteuer auf uns, in dem es verklausuliert um Gleichberechtigung, Emanzipation und Inklusion geht – wichtige Themen, die in einer faszinierenden Erzählerin verpackt voller Gefühle vermittelt werden.

Dhonielle Clayton: Die Marveller 01: Magie aus Licht und Dunkelheit.
Aus dem Englischen übersetzt von Doris Attwood.
cbj, April 2022.
480 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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