Deb Spera: Alligatoren

1924 in South Carolina: Hier treffen drei Frauen aufeinander, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Annie ist Plantagenbesitzerin und als sie ein wohl gehütetes Geheimnis herausfindet, gerät ihre Welt aus den Fugen. Oretta ist ihre schwarze Haushälterin, die mit beiden Beinen im Leben steht, aber immer auch mit dem Rassismus der Mitmenschen zu kämpfen hat. Die dritte im Bunde ist Gertrude, eine junge Frau mit gewalttätigem Ehemann und vier Töchtern. Sie alle durchzubringen ist schwer und bringt sie an ihre Grenzen. Als das jüngste Mädchen krank wird, weiß Gertrude endgültig nicht mehr weiter. Sie bittet Annie um Arbeit in ihrer Nähfabrik und Oretta darum, sich um das Kind zu kümmern. Das Schicksal schweißt die drei Frauen zusammen und als ein Schuss im Sumpf fällt, ist nichts mehr wie bisher.

Deb Spera hat eine ganz besondere Geschichte geschrieben, die abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen erzählt wird. Jede von ihnen steht für einen Teil der vorhandenen Gesellschaftsschichten. Oretta ist schwarz, muss für die Weißen arbeiten und hat nichts zu sagen in der Gesellschaft. Aber sie ist gläubig, glaubt an das Gute im Menschen und gibt nie auf. Gertrude steht für die andere Seite der Gesellschaft. Obwohl sie weiß ist, hat sie fast genauso wenig zu sagen wie Oretta und lebt definitiv ärmer. Annie wiederum bildet die Spitze der Gesellschaft, lebt im Überfluss, aber auch sie plagen Sorgen. Kürzlich ist die Familie in den Tabakhandel eingestiegen und nicht alles läuft so, wie sie es sich vorgestellt haben. Hinzukommen als wichtige Randfiguren noch Gertrudes vier Mädchen, die zum Teil bei Gertrudes Bruder unterkommen, als es ihr gar nicht mehr gelingt, sie zu versorgen.

Die Autorin beweist ein besonderes erzählerisches Geschick, beschwört lebendige Bilder vor dem inneren Auge auf. Durch die Perspektivwechsel ist man zudem immer da, wo es gerade spannend wird. Als Annie das Geheimnis aufdeckt, nimmt der Roman sogar noch zusätzlich an Fahrt auf. „Alligatoren“ ist eine Lektüre, die wie im Flug vergeht, aber auch ein Buch, das sich schwer aus der Hand legen lässt. Die Geschichte hallt nach und wirkt über die letzte Seite hinaus. Wahrscheinlich auch, weil die Figuren so lebhaft beschrieben werden und man glaubt, sie persönlich zu kennen.

Es bleibt zu hoffen, dass Deb Spera, die eigentlich Fernsehserien produziert, mittlerweile aber auch Finalistin mehrerer Literaturpreise war, noch weitere Romane schreiben wird! Denn dass sie sehr gut schreiben kann, hat sie mit diesem Erstling bereits bewiesen. Bitte mehr davon!

Deb Spera: Alligatoren.
HarperCollins, September 2018.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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