David Safier: Traumprinz

Man kann sich den perfekten Mann nicht nur backen, man kann ihn sich auch malen. Wenn man eine tibetanische Lederkladde klaut, die verzaubert ist und bei Missbrauch die ganze Welt zerstören kann. Und dann noch reinmalt. Diese Erfahrung macht jedenfalls die Comiczeichnerin Nellie, als sie am höchsten Punkt des Liebeskummers ihren Traumprinzen in die Kladde malt. Der steht am nächsten Morgen mitsamt Schwert vor ihrer Tür. Und versucht sich im modernen Berlin zurechtzufinden.

Jetzt ist ja weder der Versuch mittelalterliche Helden in die Jetztzeit zu transferieren noch das entkommen derselben aus Büchern in die Realität ein ganz neuer Gedanke. Aber der Traumprinz in Safiers Buch ist anders. Er ist eben nicht aus einer Geschichte entstanden, sondern einfach nur aus einem Bild. Er ist ein Held und muss heldisch handeln. Das gibt dem Buch noch einen zusätzlichen Spannungsbogen zu dem Punkt hin, an dem Retro merkt, dass er nicht nur in der falschen Welt lebt, sondern, dass auch keine richtige Welt für ihn existiert.

Das Buch ist ein herrlicher Ausflug in die Welt der Fantasie, gespickt mit wunderschönen Zeichnungen von Oliver Kurth.  Natürlich geht alles drunter und drüber, Nellie war ja auch schon nicht ganz in der Realität, bevor sie ihren Traumprinzen am Hals hatte. Ein bisschen handelt das Buch auch davon, worauf es im Leben ankommt. Aber in der Hauptsache ist es ein witziges Buch, dass einem einen trüben Novemberabend verschönert und das man ungern aus der Hand legt, um den nächsten Kakao aufzusetzen. „Realität ist, was Deine Fantasie aus ihr macht“, wie wahr, wie wahr. Auf dieses Buch muss man sich einlassen, darf nicht anfangen, Realitäten und Logik zu genau zu hinterfragen oder gar Vergleiche anzustellen. Dann wird man mit ein bis zwei sehr amüsanten Abenden belohnt, die einen Ausflug ins Skurrile beinhalten.

David Safier: Traumprinz.
Kindler, Oktober 2016.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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