David Nicholls: Sweet Sorrow: Weil die erste Liebe unvergesslich ist

Sommer, 1997: Der 16-jährige Charlie hat die Schule beendet und vor ihm liegt ein Sommer voller Nichtstun. Er hat einen kleinen Job, um sich etwas Geld zu verdienen, aber auch massig Zeit, mit der er etwas anfangen muss. Beim Lesen auf einer Wiese lernt er Frances, genannt Fran, kennen. Sie macht in der Nähe bei einem Theaterkurs mit und Charlie wagt das Abenteuer, ebenfalls Theater zu spielen. Denn Frances gefällt ihm und er hätte gerne ihre Nummer. Eigentlich denkt er, dass dies nach nur einem halben Vormittag erledigt sei, doch Fran zwingt ihn, jeden Tag wieder zu den Proben zu erscheinen.

An den Schreibstil von David Nicholls musste ich mich erst ein wenig gewöhnen. Seit „Zwei an einem Tag“ hatte ich nichts mehr von ihm gelesen. Er schreibt nicht schlecht, nein, das ist es nicht. Eher umständlich, lange verschachtelte Sätze, mit denen Simone Jakob, die Übersetzerin dieses englischen Werkes, sicher so ihre liebe Mühe hatte. Aber mit der Zeit wird es besser und man findet Zugang zur Geschichte. Beschrieben wird die Lebenswelt eines 16-jährigen Jungens, der es wirklich nicht einfach hat: Sein Vater und seine Mutter leben in Trennung, die Mutter hat einen neuen Partner und seine 12-jährige Schwester Billie hat sie gleich dorthin mitgenommen. Zurück blieben Charlie und sein Dad, die sich fortan von Bestell-Services ernähren und sich tunlichst aus dem Weg gehen. Charlies Freunde haben im Sommer alle größere Jobs und jeder von ihnen scheint schon zu wissen, wie es im Herbst weitergeht. Nur Charlie nicht. Er hat sich auf Colleges beworben, glaubt aber nicht, dass seine Noten gut genug sind. Und so lebt er im Ungewissen, als Fran auf der Bildfläche erscheint.

Erzählt wird die Geschichte eigentlich im Rückblick vom bereits erwachsenen Charlie, dadurch kommt es zu der ein oder anderen Vorwegnahme, die natürlich neugierig auf die Geschichte macht. Insgesamt muss ich aber sagen, dass der Roman in meinen Augen einige Längen hatte, die man nicht schönreden kann. Immer wieder gibt es verdammt witzige Szenen und tolle Hintergrundinformationen zu Charlies Leben. Dann aber auch wieder Kapitel, in denen man nicht schlauer als vorher wird und die eher überflüssig wirken.

„Sweet Sorrow“ hat definitiv Längen, aber auch einige lesenswerte Kapitel und immer wieder einen unverkennbaren Witz, alles in allem gut! Der junge Protagonist, der in vielen Facetten gezeichnet wird, wertet den Roman ungemein auf.

David Nicholls: Sweet Sorrow: Weil die erste Liebe unvergesslich ist.
Ullstein, Dezember 2019.
512 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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