David Klass: Klima

Wenn auch im Moment von Corona überschattet, ist der Klimawandel doch nach wie vor hochaktuell und in aller Munde. Das zeigt sich auch im belletristischen Bereich, wo mehr und mehr Bücher sich mit diesem Thema beschäftigen. Ein Beispiel dafür ist Dirk Rossmanns ‚Der neunte Arm des Oktopus‘. Nun ist im Goldmann-Verlag ein weiterer Klima-Thriller erschienen. Er stammt aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers und Drehbuchautors David Klass.

Ein als ‚Green Man‘ bekannter Terrorist verübt Anschläge auf Ziele, die eine Umweltbedrohung darstellen. Er hat dies bereits in mehreren Fällen erfolgreich getan. Zuletzt sprengte er mit Hilfe einer selbstgebauten Drohne einen Staudamm am Snake River, gegen den Umweltschutzorganisationen lange vergeblich mit friedlichen Mitteln protestiert hatten.

Bei seinen Anschlägen nimmt er jedoch in Kauf, dass Menschen ums Leben kommen. Mit dieser Einstellung kann der junge FBI-Agent Tom Smith sich nicht anfreunden. Er war zwar selbst im Umweltschutz aktiv und sieht, dass es ‚Green Man‘ vor allem um den Schutz der Welt und der Menschheit geht. Doch die unschuldigen Opfer kann und will Tom nicht akzeptieren. Er setzt alles daran, ‚Green Man‘ zu fassen, um ihn an weiteren Anschlägen zu hindern.

Es macht Freude, dieses Buch zu lesen und es fällt schwer, es aus der Hand zu legen. Das liegt zum einen daran, dass David Klass mit kurzen und fast immer packenden Kapiteln sowohl Tempo als auch Spannung hochhält. Zum anderen fühlt man sich vom Thema direkt angesprochen. ‚Klima‘ ist keiner der fantasiereichen Romane, in dem etwa ein genialer Verrückter die Weltherrschaft an sich reißen will oder ein Anschlag auf ein Staatsoberhaupt vereitelt werden soll. Das Buch behandelt ein sehr aktuelles und uns alle berührendes Thema.

Dennoch ist ’Klima‘ ein klassischer und gut geschriebener Thriller. Typisch für das Genre weisen die Figuren freilich keine allzu große Tiefe und Komplexität aus. Kleine Unstimmigkeiten gibt es auch. So überrascht es, wenn der zunächst als Nerd beschriebene Stanford-Absolvent Tom Smith sich als hervorragender Schwimmer entpuppt und gut schießen kann. Dennoch weisen die Figuren gewisse Konturen auf. So fällt es schwer ‚Green Man‘ als ‚den Bösen‘ zu betrachten. Immerhin setzt er sich mit seinem Leben für das Wohlergehen der Menschheit ein und die Opfer seiner Anschläge verursachen bei ihm tiefstes Leid. Und FBI-Agent Smith wird immer wieder von Zweifeln geplagt, ob er mit seiner Jagd nicht vielleicht die letzte Chance der vom Klimawandel bedrohten Menschheit zerstören könnte.

Dieser Zwiespalt überträgt sich auch auf den Leser und macht einen guten Teil des Reizes aus, den ‚Klima‘ ausübt. Insofern ist es schließlich auch ein Buch, das nachdenklich macht. Man kommt nicht umhin, ein gewisses Verständnis für ‚Green Man‘ aufzubringen und sich, wie Agent Smith, die Frage zu stellen, ob sein Handeln nicht vielleicht doch eine gewisse Berechtigung haben könnte. Aber kann der Zweck wirklich die Mittel heiligen?

Das Buch ist eine klare Empfehlung für Liebhaber des klassischen Thrillers. Spannung und Action sind reichlich vorhanden. Und dass das Buch dabei auch noch zum Nachdenken anregt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt.

David Klass: Klima.
Goldmann, März 2021.
416 Seiten, Taschenbuch, 13,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Christian Rautmann.

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