David Gemmell: Die Drenai Saga 01: Die Legende

Seitdem er am Skeln-Pass eine scheinbar unbezwingbare, weit überlegene Übermacht fast im Alleingang aufgehalten hat, ist Druss, der unbezwingliche Druss, Meister der Axt eine Legende. Mittlerweile ist er alt geworden. Mit sechzig Jahren blickt er auf ein Leben zurück, das dem Kampf gewidmet war. Er hat alles verloren, was ihm lieb und teuer war – seine Frau, die er aus der Sklaverei befreien musste, seinen besten Freund, seine Gesundheit. Jetzt schmerzt das Knie, die Schulter auch, sein Bart und sein Haupthaar sind grau geworden. Snaga, der Schnitter, seine singende Axt hängt an der Wand seiner abschieden gelegenen Hütte, er weiß, dass er bald ruhen kann – für immer.

Dann erreicht ihn ein Schreiben eines alten Gefährten. Einst, vor vielen Sommern kämpften sie zusammen, dann zerbrach ihre Freundschaft und jetzt bittet sein alter Kamerad ihn um Hilfe. Die Feste Dros Delnoch wird von den vom General Ulric erstmals geeinten Nadir Stämmen bedroht. Fällt die Feste wird das Reich der Drenai von den Nadir überrannt und erobert – das ist keine Vermutung, sondern eine Tatsache. Dass die Festung unterbesetzt, dass die Ausbildung der wenigen dort stationierten Truppen mangelhaft und die Moral miserabel ist, davon zeugen Dutzende von Deserteuren. Nur einer kann und soll es richten Druss, die Legende – unterstützt von einem Kriegerorden, treuen Gefährten und einem verweichlichten Adeligen, der erstaunlicherweise sein Rückgrat findet …

Der viel zu früh verstorbene Brite David Gemmell zählte zu den besten Verfassern seiner Zunft. Wer sich für Heroic Fantasy interessiert, für den führt kein Weg an den Romanen aus der Feder Gemmells vorbei. Dabei zählt seine Drenai Saga zu den wichtigsten Werken des Erzählers. Vor Jahrzehnten bei Bastei-Lübbe erstveröffentlicht, später dann bei Weltbild erneut aufgelegt, waren und sind die Romane bis heute sehr gesucht und nur für sehr viel Geld zu bekommen.

Warum man bei Lübbe die Rechte nicht wahrgenommen und eine Neuauflage vorgelegt hat, ist angesichts des Zuspruchs, den der Autor auch bei uns genießt, nicht nachvollziehbar. Des einen Leid, des anderen Freud heißt es so schön und Knaur legt mit vorliegendem Titel eine lang erwartete Neuauflage vor.

Inhaltlich begegnen wir zwei Männern – der eine, ein alter Krieger, dem vor langer Zeit prophezeit wurde, auf den Wällen von Dros Delnoch zu sterben, und einem Mann, der lieber vor dem Krieg davonläuft, der sich dann aber, von der Liebe in Verantwortung gezwungen, auf dem Feld der Ehre als Berserker erweist. Der Rest ist genau das, was die Anhänger der Heroic Fantasy von ihrem Lesefutter erwarten. Es wird gekämpft, wir verfolgen Helden auf ihrem letzten Weg, ein wenig Magie und viele heroische Tode, Heldentaten fesseln uns an die Seiten. Das liest sich unheimlich intensiv, packt den Leser und lässt ihn bis zum dramatischen Finale nicht mehr aus seinem Bann. Hier bekommt man als Fantasy-Freund einmal keine weichgespülten Elfen, keine uniformen Orks und trinkfreudige Zwerge sondern Abenteuer pur, voller Gewalt – ohne dass dies verherrlicht würde -, voller Dramatik und einer Intensität und erzählerischer Wucht, die selten ist.

David Gemmell: Die Drenai Saga 01: Die Legende.
Knaur, September 2016.
464 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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