Dave Eggers: Die Mitternachtstür

Als seine Familie mit ihm in das kleine verschlafene Städtchen Carousel zieht, ist der 12-jährige Gran alles andere als begeistert. Er muss seine Freunde und Hobbys hinter sich lassen und in dem seltsamen Ort von Neuem beginnen. Niemand scheint ihn wahrzunehmen, kein Lehrer oder Mitschüler Notiz von ihm zu nehmen. Nur die etwas seltsame Catalina schenkt ihm zumindest ein bisschen Beachtung. Aber auch sie tut seltsame Dinge und verschwindet wie weggezaubert. Als es dann noch zu Erdbeben und Rissen mitten im Ort kommt, weiß Gran gar nicht mehr, was er glauben soll. Hat das kleine Städtchen Carousel ein düsteres Geheimnis?

Mit „Die Mitternachtstür“ legt Dave Eggers seinen ersten Kinderroman vor. Die Geschichte eignet sich etwa für Kinder ab 10 Jahren. Sie ist sehr geheimnisvoll und abenteuerlich, aber die Herleitungen und Erklärungen sind nur bedingt zufriedenstellend. Es kommt einem so vor, als ginge es um ganz viel, am Ende aber fällt alles in sich zusammen wie ein Luftballon, aus dem man die Luft gelassen hat. Ich hätte einfach mehr erwartet von der Sache. Die Zutaten dafür wären dagewesen. Zum Beispiel wurden in Carousel früher große Karussells hergestellt und die Figuren, die sich auf ihnen drehten. Das ist aber nur Randnotiz, rettet zwar den Ort letztlich, aber wirklich wichtig scheint diese Tatsache erstmal nicht.

Immerhin haben die Figuren für die angepeilte Zielgruppe überraschend viel Tiefgang. Sowohl Gran als auch Catalina bringen eine persönliche Geschichte mit, die sich auf den Seiten nach und nach entfaltet. Das sorgt zumindest dafür, dass es einige gute Momente in dem Roman gibt.

Eggers mag tolle Romane für Erwachsene schreiben, dieses Kinderbuch hätte man besser hinbekommen können. Man wartet auf den großen Knall und nichts passiert. Eine Geschichte, die ihr Potenzial deutlich verschenkt hat.

Dave Eggers: Die Mitternachtstür.
Fischer Sauerländer, September 2018.
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 17,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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