Daniela Gerlach: Was das Meer nicht will

meerEine Frau, ihre Mutter und ihr Ehemann verbringen ihren Sommerurlaub für einige Wochen wie seit Jahren in Spanien am Mittelmeer in einem Appartement, das dem Ehepaar gehört. Die Frau beginnt ein Verhältnis mit dem Nachbarn. Als der Nachbar eines Abends ohne Einladung in dem Appartement auftaucht, bringt dieser unerwartete Besuch das mühsam aufrechterhaltene Beziehungsgeflecht der drei Personen zum Einsturz und endet in einem tödlichen Zwischenfall.

Dies umreißt, grob zusammengefasst, die Handlung des Romans „Was das Meer nicht will“ der in Dortmund geborenen und heute in Spanien lebenden Autorin Daniela Gerlach. Obwohl in diesem Roman nur wenig an äußerer Handlung passiert, entwickelt die Geschichte einen ungeheuren Sog. Wie mit einem Seziermesser zerlegt die Ich-Erzählerin in ihren präzisen Beobachtungen das komplizierte und störanfällige Beziehungskonstrukt zwischen ihr selbst, ihrem Mann und ihrer Mutter.

Das Ehepaar lebt seit zwanzig Jahren in beruhigender, aber eintöniger Harmonie. Einzig die Besuche der Mutter bringen die Monotonie des täglichen Lebens durcheinander. Nur die ständigen Vermittlungen der Ich-Erzählerin verhindern die Eskalation der Spannungen zwischen Mutter und Ehemann.

In diesem mühsam aufrechterhaltenen Gleichgewicht menschlicher Beziehungen bedarf es nur einer winzigen Abweichung wie das unerwartete Auftauchen des Nachbarn, um den Bodensatz an Eifersucht und Schuldgefühlen aufzuwirbeln. Wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird und immer größere Kreise erzeugt, führt diese Störung unweigerlich in die Katastrophe.

Fazit: Subtile und enorm spannungsreiches Beziehungsdrama in einer klaren und geradezu sezierenden Sprache. Unbedingt lesen.

Daniela Gerlach: Was das Meer nicht will.
Stories u. Friends Verlag, März 2015.
280 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Martina Sprenger.

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