Dana von Suffrin: Otto

Otto hat ein bewegtes Leben hinter sich. Seine Erlebnisse, und vermutlich auch sein unerbittlicher Charakter, haben ihn zu einen Familienpatriarchen gemacht, der seinen Töchtern das Leben nie wirklich leicht gemacht hat. Jetzt in hohem Alter ist er ein Pflegefall geworden und das macht ihn beinahe zu einem Tyrannen. Er kann nicht mehr, also müssen seine Töchter – immer und jederzeit. Tochter Timna nimmt das nicht ganz so gelassen, wie sie gerne würde.

Der Roman ist voller Humor, voller Rückblicke auf ein bewegtes Leben, wie Otto einzelne Erlebnisse seinen Töchtern erzählt hat, aber auch, wie sie ihre Kindheit empfunden haben. Der Schreibstil der Autorin ist toll und obwohl das Dritte Reich ein Teil von Ottos Leben war, wird es zwar thematisiert, aber nicht herausgehoben. Ein sehr emotionales Buch, über einen Abschied, bei dem das Bleiben schon nicht einfach war und der trotzdem schwerfällt.

Denn Otto hat auch seine guten Seiten und letztendlich bleibt er der Vater, auch wenn seine Kochkünste zu wünschen übriglassen und er so manche Marotte hat, die im Alter schlimmer wird. Bei Ihrer Schwester findet Timna nur wenig Unterstützung, bei ihrem neuen Lebensgefährten schon mal gar nicht und so muss sie sich mehr oder weniger alleine mit Ottos Launen herumschlagen – mit Hilfe zweier Haushälterinnen, die Otto auch mehr oder weniger zum Wahnsinn treibt. Dem Himmel sei Dank sind sie beide gut gewählt und Nervenstabil.

Der Roman spielt in und zwischen Ottos letzten Krankenhausaufenthalten, erzählt aber auch von seiner Vergangenheit, von der Verfolgung der Juden durch die Nazis, die ihn bis heute geprägt hat, von seinen Ehen und wie sie in die Brüche gingen und wie er sein ganzes Leben in sauber beschriftete Aktenordner einsortiert.

Emotionsgeladen und mitreißend geschrieben.

Dana von Suffrin: Otto.
Kiepenheuer&Witsch, August 2019.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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