Dagmar Maria Toschka: Alte Anker rosten nicht

Es sollte eine romantische Flusskreuzfahrt auf dem Rhein werden, die Linda und ihr Mann Adi gebucht hatten. Was stattdessen daraus wurde, hätte sich Linda niemals träumen lassen.

Nachdem sie ihren Mann mit einer anderen erwischt hat, tritt Linda die Reise statt mit ihm  zusammen mit ihrer Cousine Maike an. Zu den beiden Frauen gesellt sich bereits am ersten Tag der Fahrt ihre Kabinennachbarin Enni. Alle drei und noch weitere weibliche Passagiere werden von dem alternden Gigolo Gunnar Behorn zu einem klandestinen Stelldichein geladen.

Am nächsten Morgen findet sich Linda nackt in seinem Bett wieder, geweckt von der Polizei, die den Tod von Behorn untersucht. Dieser ging in der Nacht über Bord und verstarb kurz nach seiner Rettung. Nicht nur Linda, sondern auch die anderen Frauen sind des Mordes verdächtig, ebenso wie einzelne Crewmitglieder oder sogar Lindas Ehemann Adi.

Während Linda – die gerade ihren letzten Geburtstag mit einer Vier vorne feierte – diversen Männern auf dem Schiff, darunter der Kapitän und der ermittelnde Kommissar, den Kopf verdreht und ihr Mann alles daran setzt, sie zurückzugewinnen, versucht sie gleichzeitig, selbst den Täter zu finden. Denn bevor der Fall nicht geklärt ist, dürfen sie und die anderen Verdächtigen das Schiff nicht verlassen.

Also hat Linda nun auch ausreichend Zeit, über ihre Ehe und deren Zukunft nachzudenken. Unterstützung erhält sie dabei von Maike, die ihr dazu rät, sich selbst mehr wertzuschätzen. Dazu gibt Maike viele unaufdringliche, aber zutreffende Lebensweisheiten von sich, die auch die Leserin durchaus zum Nachdenken anregen. Bei all dem gerät der Kriminalfall fast in den Hintergrund, denn die Szenen zwischen Linda und den diversen Verdächtigen, die Annährungsversuche von Kapitän und Kommissar, die drastischen Methoden Adis, sie zurückzugewinnen, all das ist so humorvoll und unterhaltsam, dass man darüber den Todesfall fast vergisst.

Die Dialoge sind witzig, die Vergleiche und Metaphern, die die Autorin verwendet, herrlich unkonventionell und abwechslungsreich, dabei immer ins Schwarze treffend. Die Figuren sind ironisch, aber liebevoll überzeichnet, ohne dass die Beschreibungen in den Klamauk abrutschen. Die immer wieder missglückenden Annährungsversuche mit heimlichen Küssen und mehrdeutig deutlichen Avancen wunderbar prickelnd, wie ein Weißbier im Bauchnabel…

Die Aufklärung des Todesfalls, wenngleich längst zur Nebensache geworden, ist schließlich überraschend. Für Linda jedoch führt die missglückte Flusskreuzfahrt in ein neues Leben.

Fazit: ein prickelnder, sehr unterhaltsamer, leichtfüßiger Roman, in dem weniger Krimi drin ist als draufsteht.

Dagmar Maria Toschka: Alte Anker rosten nicht.
Gmeiner Verlag, April 2021.
281 Seiten, Taschenbuch, 11,00 Euro.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.