Clemens J. Setz: Bot: Gespräch ohne Autor

Der Österreicher Clemens J. Setz (Jahrgang 1982) ist freier Schriftsteller und wurde 2011 für seine Erzählungen „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2015 erhielt er den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“. Dieser über 1000seitige „Liebes“-Roman provozierte Lesende und Rezensierende. Und nun „Bot – Gespräch ohne Autor“, das neueste Werk von Clemens J. Setz, das am 12. Februar 2018 im Suhrkamp Verlag erschienen ist.

Clemens J.  Setzs Werke zeichnen sich nicht nur durch ihre sperrigen Titel, sondern auch durch ihre anspruchsvollen Inhalte aus, die nicht jedermanns bzw. jederfraus Geschmack treffen. In „Bot – Gespräch ohne Autor“ bleibt Setz dieser Linie treu.

Darin geht es um folgende Versuchsanordnung: Clemens J. Setzs Lektorin Angelika Klammer führt ein Interview mit einem Clemens-Setz-Bot. Die Fragen, die Angelika Klammer stellt, werden nicht von dem Schriftsteller Setz persönlich beantwortet, sondern von der Lektorin per Stichwortsuche aus seinem elektronischen Tagebuch gefischt.

Heraus kommen unpassend, passende Antworten, die jedoch keine Antworten auf die gestellten Fragen sind, sondern vielmehr Notizen zu des Schriftstellers Gedanken aus den Jahren 2013 bis 2017.

Das liest sich dann so:

Polemisch könnte man jetzt entgegnen, dass so das x-Beliebige zum Gipfel des Werts wird. Etwas snobistisch, nicht?

„Stiefmütterchen sehen aus wie Günter Grass. (Oktober 2016)“ (S. 26).

Es reiht sich Frage an Notiz, Frage an Notiz, Frage an Notiz, hier und da garniert mit Schwarzweiß-Fotos des Autoren (wie z.B. die Stiefmütterchen). Dabei bleibt dem Lesenden überlassen, welchen (wenn, es denn einen geben sollte) Erkenntniswert er aus dem Gelesenen zieht. Die Fragen von Angelika Klammer wecken Interesse an der Person Clemens J. Setz und an seinem Erzählwerk. Sie lassen einen roten Faden vermissen, denn die Fragen beziehen sich nicht auf die automatisch generierten Antworten, genauso wenig wie die Antworten auf die Fragen. Die Setz-Notizen-Antworten geben Einblick in das, was der Schriftsteller Setz für aufschreibenswert gehalten hat. Als Interview oder gar als Gespräch, wie im Titel angegeben, geht das in den meisten Fällen nicht auf. Das Lesen strengt an. Mich berühren die Texte exakt zwei Mal, einmal als Setz über einen Krankenhausbesuch bei der sterbenden Großmutter seiner Freundin schreibt (S. 128ff) und das „Gedicht über eine alte Katze“ (letzte Seite).

„Bot“ ist ein Schreib-Experiment, das in die Zeit passt, sind wir doch von „Siris“ oder „Alexas“ umgeben. Spracherkennungssoftware und Sprachcomputer ersetzen die persönliche, zwischenmenschliche Kommunikation, Sex-Bots das Liebesleben, wie es Margaret Atwood in ihrem 2017 auf Deutsch erschienenen Roman „Das Herz kommt zuletzt“ so treffend beschrieben hat. Insofern befindet sich dieses „Gespräch ohne Autor“ in guter, literarischer Gesellschaft, deutlich lieber wäre mir als Lesende allerdings ein Gespräch mit Autor Clemens J. Setz gewesen, der so verstörende Literatur zustande bringt wie „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“. Aber das wäre dann wohl zu normal.

Clemens J. Setz: Bot: Gespräch ohne Autor.
Suhrkamp Verlag, Februar 2018.
166 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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