Claire Adam: Goldkind

Peter und Paul sind 13 Jahre alt und Zwillinge. Mit ihren Eltern Clyde und Joy leben sie auf Trinidad und Tobago. Es ist nicht die allerbeste Wohngegend und vor kurzem wurde bei der Familie bereits eingebrochen. Seitdem herrscht zwischen Clyde und seinem Sohn Paul eine angespannte Stimmung. Denn Paul stellte sich vor den Angreifer und wollte sich zur Wehr setzen und somit alle in Lebensgefahr bringen. Wenige Tage später kommt Paul abends nicht nach Hause. Im Busch ist man zur Dunkelheit in den sicheren eigenen vier Wänden, doch auch um Mitternacht fehlt von dem Jungen jede Spur. Wütend geht Clyde auf die Suche nach seinem Sohn. Doch auch am Morgen ist Paul nicht wiederaufgetaucht.

„Goldkind“ ist die Geschichte einer Familie, die ganz besonderen Prüfungen ausgesetzt ist. Als Joy die Zwillinge zur Welt bringt, geht etwas schief. Peter kommt ohne Problem auf die Welt, bei Paul kommt es zu Komplikationen. Das Kind sei möglicherweise nun geistig behindert, so die Ärzte. Und es zeigt sich mit den Jahren tatsächlich, dass Paul besondere Aufmerksamkeit braucht. Er ist langsamer, schreit manchmal unvermittelt und kann nicht so einfach erzogen werden. Peter dagegen ist ein wahres Goldkind. Er bringt vom ersten Tag an die besten Noten mit nach Hause und scheint überdurchschnittlich klug. Die Welt steht ihm offen. Er könnte an jede Universität gehen. Wenn da nicht Paul wäre. Denn Paul braucht Peter, deswegen werden sie in dieselbe Klasse eingeschult, verbringen viel Zeit zusammen.

Als schließlich Paul verschwindet und sich bald das wahre Ausmaß der Katastrophe zeigt, steht Clyde vor der Frage, ob er bereit ist, das Leben des einen Kindes für das des anderen zu opfern. Und nicht nur an dieser Stelle zeigt Claire Adam, dass sie einen großartigen Roman geschrieben hat. Am besten ließe sich die Stimmung wohl mit den beliebten Worten „atmosphärisch dicht“ beschreiben. Man kann die Spannung und Beschwerlichkeit des Lebens in dem kleinen Inselstaat spüren. Innerhalb weniger Sätze ist man drin im Geschehen. Alles beginnt damit, dass Paul nicht nach Hause kommt. Dann folgt ein Blick in die Vergangenheit und die Beziehungen der einzelnen Figuren zueinander werden schnell klar. Die Autorin beweist ein Gespür für die leisen Zwischentöne und macht „Goldkind“ in meinen Augen zu einem der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Dass ich das im Grunde schon nach nur 5 Sätzen gleich zu Beginn der Geschichte wusste, macht die Sache umso besonderer.

Ein echter Geheimtipp!

Claire Adam: Goldkind.
Hoffmann & Campe, Januar 2020.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 23,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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