Christian Linker: Dschihad Calling

callJakob ist 18 Jahre alt und die Welt liegt ihm zu Füßen. Seit ein paar Monaten studiert er in Bonn und lebt Tür an Tür mit seiner Freundin. Am Bahnhof setzt er sich für eine verschleierte junge Frau ein, als diese von zwei Typen angegangen wird. Danach kann er nur noch an ihre strahlend blauen Augen denken. Durch Zufall macht Jakob Samira ausfindig und findet heraus, dass sie zu den Salafisten gehört. Um Samira näher zu kommen, befasst sich Jakob mit dem islamischen Glauben und lernt so auch ihren Bruder Adil kennen. Samira kommt er dadurch kaum näher, Kontakte zwischen unverheirateten Männern und Frauen sind nicht erwünscht. Doch Jakob ist noch nicht am Ende seines Weges angekommen und findet sich in seinem neuen Umfeld immer besser ein.

„Dschihad Calling“ befasst sich authentisch mit der Radikalisierung deutscher Jugendlicher. Anfangs ist Jakob ein bodenständiger junger Mann mit Träumen, aber wenigen Zielen. Mit Glauben generell hat er wenig am Hut, er weiß sogar, dass er seine Freundin gar nicht richtig liebt. Er sucht noch nach dem Sinn seines Lebens und hat viele wichtige Kontakte durch den Umzug nicht mehr greifbar in seiner Nähe. Über Samira lernt er die Salafisten kennen und befasst sich mit ihren Ansichten. Er teilt sie anfangs beileibe nicht alle, denn natürlich würde er gerne mal mit Samira ins Kino gehen oder mit ihr schlafen. All das im Salafismus undenkbar, wenn man nicht verheiratet ist. Manchmal würde es ihm sogar reichen, Samiras Haar, das sie unter einem Schleier versteckt hält, zu sehen.

Die Geschichte beginnt eigentlich mit einem Rückblick. Jakob sitzt im Gefängnis, man erfährt vage, dass er nach Syrien habe ausreisen wollen. Dort erhält ein Notizbuch, das sein Freund Adil verfasst hat. Adil hat es wirklich nach Syrien verschlagen und in einem Tagebuch berichtet er von seinen Erlebnissen, Erfolgen und Enttäuschungen. Abwechselnd dazu wird Jakobs Geschichte in besagtem Rückblick erzählt. Diese Kombination gestaltet den Geschichtenverlauf interessant und sorgt für Abwechslung.

Ein Buch genau richtig für Jugendliche ab 16 Jahren, die sich für das Thema interessieren, und ja, es ist auch für den Schulunterricht durchaus geeignet.

Christian Linker: Dschihad Calling.
dtv, Dezember 2015.
320 Seiten, Taschenbuch, 14,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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