Christian Jaschinski: Der Tag, an dem ich feststellte, dass Fische nicht klettern können

fischEigenlob stinkt. Eigentlich. Doch in diesem Fall ist der Untertitel „Ganz komischer Roman“ nicht zu hoch gegriffen. Mittvierziger Max Schröder kommt vieles komisch vor, um nicht zu sagen: Er versteht die Welt nicht mehr. Seine erfolgreiche Anwaltsgattin verlässt ihn für einen jungen Tatoo-Künstler, seine sechszehnjährige Tochter findet ihn peinlich, bei der Beförderung wird er wegen eines jungen Blenders übergangen. Als ihn sein Freund Bolle dazu überredet, gemeinsam für ein Wochenende nach Berlin zu fahren, gerät Max in urkomische Verwicklungen. Zwischen Luitpoldstraße, Reichstag und Spree-Strandbar lauern allerlei Fettnäpfchen: von missverständlichen Geschlechterrollen bis zu rabiaten Handtaschen-Schlägerinnen. Dass Max seinen Porsche auf der „Polen-Russland-Sportwagen-Importroute“ geparkt hat, stellt sich ebenfalls als böser Fehler heraus.

Zu allem Überfluss verliebt er sich in dieselbe Frau wie sein bester Freund. Doch das Herz der unkonventionellen Charly scheint ohnehin an Gerold Nital alias Genital verloren zu sein. Vom turbulenten Wochenende in der Hauptstadt wird Max einige körperliche und emotionale Blessuren davontragen, doch Erkenntnisse gewinnen, die endlich einen Paradigmenwechsel einleiten könnten. Motto: agieren statt reagieren.

Der Roman von Christian Jaschinski ist Comedy, Love Story und männliche Emanzipationsgeschichte in einem, gespickt mit witzigen Situationen und spritzigen Dialogen. Dafür sorgt vor allem Kumpel Klaus, alias Bolle von Boldur, Schulbuchillustrator mit Romanambitionen. Wer allerdings nicht mal Herr der Lage ist, kann schlecht den nächsten Herr der Ringe schreiben. Mit Ratschlägen, die „so zielführend sind wie zwei Tage Kreisverkehr“ verbessert er die Situation zwar nicht wesentlich, wohl aber die Laune der Leser. Philosophische Alltagsbetrachtungen wie „intersubjektiv wahrgenommene Sachverhalte“ werden gekonnt klugscheißerisch in Szene gesetzt. Sprachlich gelingt dem Autor mühelos das Spektrum vom Blondinenwitz zur doppelbödigen Wortakrobatik. Max‘ Midllife-Crisis zeigt letztendlich: Männer brauchen keine Schokolade zum Frühstück, wohl aber einen roten Porsche unterm Hintern. Mit der richtigen Frau an der Seite tut’s sogar ein Fahrrad.

Christian Jaschinski: Der Tag, an dem ich feststellte, dass Fische nicht klettern können.
Schwarzkopf & Schwarzkopf, Februar 2016.
240 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.

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