Cecilie Enger: Die Geschenke meiner Mutter

cefiEigentlich ist der neue Roman der Norwegerin Cecilie Enger eine Autobiografie ihrer Kindheit. Aber ein Buch, das viele Töchter und Söhne etwas angeht: Die 51-Jährige schreibt über die Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter.
Die inzwischen 75 Jahre alte Mutter lebt im Pflegeheim. Beim Ausräumen des Elternhauses findet Cecilie eine Liste der Mutter. Fein säuberlich hat sie über Jahrzehnte notiert, wer wem welche Geschenke zu Weihnachten gemacht hat. Die Liste wird für Cecilie zu einer Kartei der Menschen, die im Leben ihrer Eltern aufgetaucht und wieder daraus verschwunden sind. Mit der Liste erinnert sich die Tochter an ihre Kindheit, an die Großmutter (eine Malerin), an die Großtante, die unter Depressionen litt, an Freude. Die Eltern haben sich scheiden lassen, aber auch das hat die Mutter jetzt vergessen.
16 Monate besucht Cecilie mit ihren Kindern und manchmal auch mit dem Vater die Mutter in dem trostlosen Pflegeheim. Mit der Liste arbeitet sie auch über Jahrzehnte das Mutter-Tochter-Verhältnis auf.
Ein Happy-End hat das Buch selbstverständlich nicht – bei Alzheimer gibt es das nicht. Aber es endet auch nicht mit dem Tod der Mutter. Das Thema Alzheimer hat die mehrfach ausgezeichnete Autorin in diesem Roman wunderbar aufgearbeitet und in eine lesenswerte Geschichte verpackt, in der alle Figuren anders umgehen mit der Krankheit.
Das eigentliche Geschenk ist das Buch selbst, denn das gibt Menschen in ähnlichen Situationen Kraft und spendet auch Trost.

Cecilie Enger: Die Geschenke meiner Mutter.
DVA, September 2014.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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