Cécile Harel: Während wir warten, bis die schönen Zeiten wiederkehren

warten„… Manche Leute leisten außerordentliche Dinge oder grübeln über ihre Bestimmung, ich dagegen kann nur über meine Vergangenheit nachdenken. Als Kind habe ich geweint, weil mir meine Mutter fehlte, dabei war sie da, und als Erwachsene weine ich über ihren Tod.“ (Seite 237)
Marie, eine Frau in den besten Jahren, verliebt sich auf einer Party in einen Fremden, von dem sie sofort eines weiß: Der ist es. Bei ihm findet sie endlich ihren Heimathafen und die schon lange vermisste Geborgenheit. Rückblickend lässt sie ihre schwierige Familiengeschichte passieren; einen Vater, dem Fremdgehen zur zweiten Natur geworden ist; eine Mutter, die die Liebe ihres Lebens nicht loslassen kann; drei ältere Brüder, die trotz aller möglichen Talente ihren Platz im Leben finden und doch wieder verlieren. Nur für Marie, die Erzählerin, scheint die Lebensperspektive positiv zu werden.
Insgesamt erzählt die Autorin Cécile Harel, Verfasserin verschiedener Drehbücher, die Geschichte einer Familie, die trotz der unendlichen Geduld und Liebe der Eltern, wenig Glück und Ruhe findet. Dabei verzichtet die Autorin auf eine psychologische Aufarbeitung und lässt die Herausforderungen des Alltags für sich stehen. Bewertungen oder gar Verurteilungen sind im Kontext zu finden, so dass der Leser seine ganz persönlichen Deutungen bei der Lektüre mitnehmen kann.
Der Roman lebt von den skurrilen Details und ungewöhnlichen Personen. Im ersten Drittel wirkt der facettenreiche Sprachstil etwas sperrig und sprunghaft. Dies könnte auch am Aufbau des Romans liegen, der zum größten Teil aus Rückblenden besteht.
Maries Geschichte, die möglicherweise auch biographische Züge der Autorin trägt, dürfte vor allen Dingen die Leserinnen ansprechen, die um „alltägliche Geschichten“ und ähnlich konstruierte Personen einen weiten Bogen ziehen.

Cécile Harel: Während wir warten, bis die schönen Zeiten wiederkehren.
Piper, April 2014.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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