Catherine Raven: Fuchs & ich – Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft

In diesem Buch geht es um eine introvertierte Biologin, die ihr Leben einzig und allein der Natur verschrieben hat und um die außergewöhnliche Verbindung, die sie zu einem Fuchs aufbaut.

Bevor Catherine Raven in Biologie promovierte, hatte sie als Park Rangerin im Mount-Rainier-Nationalpark/Washington gearbeitet. Danach baut sie sich, abgeschottet von der restlichen Welt, in der Wildnis von Montana inmitten von Wüstenbeifuß, Kakteen und Gräsern eine kleine Hütte. Hier in der Einsamkeit heilt sie ihre Ängste und ihre Langeweile, indem sie sich gänzlich der Natur widmet. Pflanzen bestimmen, mit Wühlmäusen und Spinnen leben und wilde Tiere beobachten ist ihr Lebensinhalt. Wenn sie die Jalousien hochzieht, kommt es vor, dass sie direkt in die Augen eines Maultierhirschs blickt. Sie beginnt den Bewuchs um das kleine Cottage herum zu roden. Zwischendurch hält sie Wildbiologiekurse oder führt Exkursionen mit Studenten durch. Doch eigentlich reicht der menschenscheuen Wissenschaftlerin der Kontakt mit einer Schnecke aus.

Dann taucht ein Fuchs auf, der ihr Leben verändern wird. Bald bestimmt das Tier ihren Tagesrhythmus. Der Fuchs kommt jeden Tag zur gleichen Zeit und Catherine Raven beginnt ihm aus Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ vorzulesen. Mit der Zeit weiß sie, dass Augenkontakt und Pausen während der Vorlesezeiten wichtig sind, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Später stellt sie in Eierschalen Eigelbe mit Knoblauch für ihn bereit, womit sie die Räude an seinen kahlen Hinterflanken heilen will. Die wachsende „Beziehung“ zu dem Wildtier hilft Catherine Raven Menschen „aushalten“ zu können und Selbstbewusstsein aufzubauen. Sie beobachtet den Fuchs beim Mäusejagen und seinen Streifzügen. Manchmal begleitet sie ihn dabei – oder begleitet der Fuchs sie? Die Beziehung zu dem Fuchs beruht auf gemeinsamen Aktivitäten. Raven bekennt, dass sie mit dem Fuchs entspannter „kommuniziert“ als mit Menschen.

Natürlich kann sich ein über 400 Seiten starkes Buch nicht nur um Episoden mit einem Fuchs drehen. Vielmehr besteht es aus einem Sammelsurium an Gedankensprüngen, die irgendwann immer wieder zum Fuchs zurückkehren. So erfahren wir unter anderem Verschiedenes von Catherine Ravens Studium, dem Verfassen ihrer Dissertation, dem Schreiben von Naturkundebüchern für Schulkinder und natürlich finden sich immer wieder sehr detaillierte  Beschreibungen verschiedener Pflanzen, Gräser und Samen.

Fuchs und ich handelt von einem sehr außergewöhnlichen Bezug zwischen Mensch und Wildtier und ist gleichzeitig eine sehr spezielle Exkursion in Flora und Fauna, zu der die Autorin uns mitnimmt.

Catherine Raven: Fuchs & ich – Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.
Aus dem Englischen übersetzt von Eva Regul.
S. Fischer, September 2021.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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