Armin Strohmeyr: Weltensammlerinnen

Am 24. Oktober 1901 – ihrem dreiundsechzigsten Geburtstag – überwindet die Amerikanerin Annie Taylor als erster Mensch die Niagarafälle: Mit ihrem speziell angefertigten Holzfass „Queen of the Mist“ stürzt sie in 3,3 Sekunden die 53 Meter im freien Fall hinab und taucht in den wilden Strudeln unter. Sie macht es aus Geldnot, möchte mit ihrer wagemutigen, halsbrecherischen Fahrt ein Stückchen Berühmtheit erlangen, um sich ein Auskommen zu sichern. Doch bald schon verschwindet sie wieder in der Versenkung, weil sie es nicht schafft, ihre kurze Reise auf und im Fluss gut zu vermarkten.

Das machen viele der nachfolgenden Weltensammlerinnen in Armin Strohmeyrs Buch besser. Sie schreiben Bücher und Zeitungsartikel, lassen sich auf ihren Reisen filmen und interviewen. Das führt nicht unbedingt zu Reichtum, aber die meisten können von ihrer Leidenschaft leben. Doch egal, wohin sie reisen und welche Abenteuer sie bestehen, eines haben alle gemeinsam: Es sind unabhängige Frauen, die ihre Ziele mit langem Atem verfolgen. Weiterlesen

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Hala Kodmani: »Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen«

„… 1. Juni 2015

Baghdadi hat für die Provinz Rakka die allgemeine Mobilmachung ausgerufen. Also, meine Herren Daeschler, ich werde für euch beten! Aber nur, wenn ihr auch brav als Märtyrer sterbt und kein Einziger von euch übrig bleibt!“ (S. 129)

Zwischen August und Oktober 2015 wurde Ruqia von der IS hingerichtet. Weil sie insbesondere über die Unterdrückung und den Terror in Rakka bzw. Syrien auf Facebook berichtet hatte, wurde sie „Journalistin“ genannt und als gefährlich eingestuft. Denn ihre Berichte standen im Widerspruch zu den offiziellen Bekanntmachungen.

Hala Kodmani ist eine syrische-französische Journalistin, die im Rahmen ihrer Recherchen 2016 auf „Nissan Ibrahim“ aufmerksam wurde. Nissans umfangreiche Chronik beeindruckte sie so sehr, dass sie sich auf eine Spurensuche begab. Wer verbarg sich hinter dem Pseudonym Nissan, wie lebte und starb sie? Weiterlesen

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D. Graf & K. Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn, gelesen von N. West

Das Alter zwischen fünf und zehn Jahren ist, so die Autorinnen, ein immens wichtiger Entwicklungsabschnitt, dem in der Fachliteratur aber häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese Lücke wollen Danielle Graf und Katja Seide – Betreiberinnen des beliebten Blogs www.gewuenschtestes-wunschkind.de – mit dem vorliegenden Hörbuch schließen. Durch die bedürfnis – und beziehungsorientierte Erziehung, für die sie stehen, soll es möglich werden, dass innerhalb der Familie gleichermaßen auf die Bedürfnisse aller geachtet wird. Es geht darum,  Kompromisse einzugehen, sodass niemand zurückstecken muss. Wie das funktionieren kann zeigen sie kenntnisreich und unter Einbeziehung von Fachliteratur. Sie liefern anschauliche, sehr konkrete  und nachvollziehbare Praxisbeispiele basierend auf den Leserbriefen zu ihrem Blog.

Die Bedürfnis- und Beziehungsorientierung hat häufig einen schlechten Ruf. Ihr wird nachgesagt, die Kinder würden dadurch zu Tyrannen, zu Arschloch-Kindern herangezogen. Weiterlesen

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Marissa Landrigan: Fleisch essen für Vegetarier

In diesem Buch beschreibt die junge US-Amerikanerin Marissa Landrigan ihren Werdegang zur Vegetarierin und wieder zurück zur bewusst essenden Fleischkonsumentin. Dies allerdings unter der Prämisse einer möglichst ethisch korrekten, nachhaltigen Ernährungsform.

Betrachtet man nur den sachlichen Inhalt, liest sich dieses Buch so widersprüchlich wie sein Titel. Deshalb gleich vorneweg: Dies ist nur bedingt eine Lektüre für überzeugte Vegetarier und Veganer. Aber die Wankelmütigen und die Flexitarier werden in diesem Buch vieles finden, was interessant und richtungsweisend sein kann. Dass sich Landrigans persönliche Erzählweise sehr unterhaltsam liest verwundert nicht angesichts der Tatsache, dass sie an der Universität Pittsburgh Kreatives Schreiben unterrichtet und unter anderem für den „Atlantic“ schreibt.

Essen hatte einen traditionellen Stellenwert in Marissa Landrigans italienisch geprägtem Elternhaus. Bei der Nudelherstellung, die in eine regelrechte Zeremonie ausuferte, hatten alle Familienmitglieder, von den Großeltern bis zu den Kindern, ihre Aufgabe. Fleisch zu essen war eine Selbstverständlichkeit, die niemand hinterfragte. Weiterlesen

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Meir Shalev: Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger

Die Geschichte ist wahr. Zumindest so wahr, wie sie in der Familie Meir Shalevs sein kann. Denn dort gibt es Familiengeschichten immer in verschiedenen Versionen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Ausschmückungen, je nachdem, wer sie erzählt. Und große Erzählerinnen und Erzähler sind – wenn man Meir Shalev glauben möchte – ein Merkmal seiner Familie. Erinnerung und Phantasie, schreibt er, sind in seiner Verwandtschaft ein und dasselbe.

„Die Sache war so…“ – Mit dieser Eingangsformel begann Großmutter Tonia ihre Geschichten und stellte damit klar: Was ich gleich erzähle, entspricht genau den Tatsachen. Und auch die anderen Familienmitglieder nahmen das mit dieser Einleitung für sich in Anspruch.

Die Sache war so: Großmutter Tonia wanderte Anfang der 1920er Jahre aus einem Dorf, das heute in der Ukraine liegt nach Israel aus. Dort heiratete sie ihren Schwager Aaron, der seine Frau – ihre Schwester – verloren hatte und mit zwei kleinen Kindern alleine dastand. Sie wohnten im ersten, in der Jesreelebene gegründeten Moschaw Nahalal, einer Art genossenschaftlich organisiertem Dorf, und betrieben Landwirtschaft. Weiterlesen

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Jesper Juul: Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie

Wieso Wölfe, werden Sie sich beim Lesen des Titels vermutlich fragen. Wölfe, das klingt zunächst nach Alphatier und Aggression. Doch Jesper Juul beantwortet die Frage direkt zu Beginn durchaus plausibel: „Es ist für sie eine Überlebensfrage, ihrer Gruppe gut funktionierende Anführer zu sein und sie zusammenzuhalten. Ich denke, der Schlüssel für erfolgreiche Familien heißt bei Menschen wie Wölfen: Beziehung und Vertrauen.“ (Seite 18) Eltern sollen ihre Kinder führen, sprich klar sagen was sie wollen und was nicht. Besonders Frauen tun sich, laut Jesper Juul, mit dieser Aufgabe als Leitwolf jedoch schwer – viel schwerer als die Männer. Er ermutigt sie, ihr „wahres Selbst“ (Seite 77) zu entdecken und dabei die Angst zu bewältigen, als egozentrisch abgestempelt zu werden. Nur wenn sie „ihre persönlichen Grenzen und Bedürfnisse definieren (…) werden sie in der Lage sein, gesunde Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen, die im Gegenzug ebenfalls wachsen und gedeihen können durch die zusätzliche Unabhängigkeit (die Jungen) und durch ein gutes, verlässliches Vorbild (die Mädchen).“ (Seite 83) Weiterlesen

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Stefano Mancuso: Pflanzenrevolution

„Pflanzenrevolution“ ist das jüngste Buch des Biologen und Pflanzenforschers Stefano Mancuso. Mancuso hat sich in den letzten Jahren unter anderem mit seinem Werk „Die Intelligenz der Pflanzen“ auch in Deutschland einen Namen gemacht. Er ist Professor an der Universität Florenz und leitet dort das Laboratorio Internazionale di Neurobiologia Vegetale.

Zum Buch: Ist uns Menschen eigentlich klar, welche Bedeutung Pflanzen für uns haben? Den Meisten ist das vermutlich gar nicht bewusst. Blumen, Bäume und Sträucher werden doch oft genug nur als leblose Gebilde in unserer Umwelt wahrgenommen. Dabei könnten wir ohne den Sauerstoff, den sie produzieren, nicht atmen. Unsere Autos könnten ohne das Öl nicht fahren, das vor Millionen von Jahren als Sonnenenergie von Pflanzen gespeichert wurde und uns nun als fossiler Brennstoff zur Verfügung steht. Mit Kohle und Gas verhält es sich ebenso. Die Aufzählung ließe sich mit Holz als einem der noch immer wichtigsten Baumaterialien oder den pflanzlichen Bestandteilen vieler Medikamente fast beliebig fortsetzen. Weiterlesen

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Bernhard Kegel: Ausgestorben, um zu bleiben

Sie leben! Obwohl vor 65 Millionen Jahren ausgestorben, sind sie omnipräsent auf Kinoleinwänden, in Kinderzimmern und in der Populärkultur anzutreffen. Das Kuriose: Es gibt kaum ein Buch für Erwachsene, welches fundiert über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berichtet. Die stellen unser bisheriges Bild der Dinosaurier komplett auf den Kopf! Bernhard Kegel schließt mit seinem hochinteressanten, gewitzten Buch diese fast schon skandalöse Lücke. Dinosaurier waren weitaus friedliebender, kleiner, intelligenter und gefiederter als bislang angenommen. Ja, sie leben wirklich noch… millionenfach mitten unter uns! Denn Vögel und Dinosaurier sind nicht weitläufig miteinander verwandt – unsere gefiederten Freunde SIND Dinosaurier.

Vorsicht Spoiler: Freunde handfester Dino-Action müssen nun ganz tapfer sein. „Dinos ähnelten eher Rotkehlchen als Krokodilen“, wird der Paläontologe James Horner im Buch zitiert. Diese Aussage untermauert Bernhard Kegel auf vielerlei Art. Ausschlaggebend waren die sensationellen Jehol-Funde in China ab Mitte der 1990er Jahre. Konservierte Federn, mit Flaum bedeckte Raubdinosaurier inklusive pneumatischer Skelette und weiterer „vogelexklusiver“ Merkmale. Folge: 2017 wurde eine neue Einteilung der Dinosaurier vorgeschlagen. Stammbäume sollen neu geschrieben werden. Weiterlesen

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Toni Morrison: Die Herkunft der anderen

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison (Jahrgang 1931) hat sich ihr Leben lang mit den Themen Rasse und Rassismus beschäftigt. In ihrem literarischen Werk beschreibt sie das Leben und Schicksal afroamerikanischer Menschen, insbesondere von Frauen in den Vereinigten Staaten von Amerika. In dem Roman „Gott, hilf dem Kind“, 2017 bei Rowohlt auf Deutsch erschienen, spielte die Hautfarbe der Hauptfigur eine große Rolle.

2016 hielt Toni Morrison eine Vortragsreihe an der Harvard University in Cambridge über „Die Literatur der Zugehörigkeit“. Im März 2018 veröffentlichte der Rowohlt Verlag sechs Texte aus diesen Vorlesungen unter dem Titel „Die Herkunft der anderen – Über Rasse, Rassismus und Literatur“ in einer Übersetzung von Thomas Piltz. Darin nähert sich Toni Morrison von verschiedenen Seiten den Themen Rasse und Rassismus und ihrer Rolle in der Literatur bzw. für die Literatur.

In „Romantisierte Sklaverei“ beschreibt sie den Nutzen einer Unterscheidung nach Hautfarbe für den Erhalt von Macht und die Legitimierung von Unterdrückung. Und wie Literatur einen Beitrag zur Romantisierung der Sklaverei leistet (Beispiel: „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe, 1852). „Amerikanisch zu sein“, bedeutet auch heute noch „weiß zu sein“. Weiterlesen

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Enrico Brissa: Auf dem Parkett: Kleines Handbuch des weltläufigen Benehmens

Das ist schon etwas Besonderes, wenn der ehemalige Protokollchef beim Deutschen Bundestag und Protokollchef der Bundespräsidenten Wulff und Gauck ein Handbuch über gutes Benehmen und angebrachte Manieren vorlegt.

Enrico Brissa hat dies nun getan. Mit seinem Handbuch geht er aber teilweise ganz andere Wege als die herkömmlichen Benimmratgeber und Verhaltens-Knigges, mit denen der Buchmarkt aus gutem Grund übersättigt ist. In einem Vorwort erinnert sich Brissa kurz seiner eigenen Erziehung und verweist darauf, dass Manieren und gute Sitten z. B. Bei Tisch nicht nur ein Selbstzweck sind, sondern demjenigen, der sie beherrscht, Halt geben.

Darüber hinaus seien sie auch ein Zeichen von Achtsamkeit und Respekt. Das sehe im Privaten nicht anders aus als auf dem öffentlichen Parkett. In diesem Zusammenhang erinnert er an anderer Stelle an den berühmt berüchtigten Fototermin der Staats- und Regierungschefs auf dem Nato-Treffen in Brüssel 2017, als US-Präsident Donald Trump dadurch unangenehm auffiel, dass er den Premierminister von Montenegro, Markovic, rüde beiseiteschob und sich vordrängelte. Weiterlesen

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