Alma M. Karlin: Einsame Weltreise

Als Alma M. Karlin im November 1919 mit wenig Geld zu ihrer langen Reise aufbricht, liegt die Welt noch in den Nachwehen des vergangenen Krieges. Doch ein unbändiger Wissensdurst und Forscherinnendrang macht es ihr unmöglich, in der Heimat zu bleiben.

Ein heimtückisches Übel hat sie ereilt, nachdem sie ihren ersten Roman verkauft hatte: „[Ich] entwickelte Anzeichen von Größenwahn, sah mich schon als modernen Columbus eine neue Welt entdecken und traf ernstliche Vorbereitungen zur Eroberungsfahrt.“

Ihr erstes Ziel ist Japan, das sie allerdings – der widrigen Umstände wegen – erst nach einem rund zweijährigen Umweg über den amerikanischen Kontinent erreicht. Auf diesem ersten Abschnitt ihrer Reise findet sie zwar Bekannte, mit denen sie sich gut versteht, und vor allem mit dem Botaniker Herrn G. unternimmt sie zahlreiche Landausflüge, bei denen sie Land, Leute, Tiere und Pflanzen entdeckt, aber letztendlich trennen sich die Wege und Alma landet einsam – nur begleitet von ihrer treuen Schreibmaschine Erika – und abgebrannt in Peru. Doch auch nach Schmutz, Armut, Verzweiflung, Krankheit und der gefühlt fortwährenden Bedrängung und sexuellen Belästigung durch Männer, kommt es ihr nicht ernsthaft in den Sinn, ihre Entdeckungsreise abzubrechen. Weiterlesen

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Achim Gruber: Das Kuscheltierdrama

Ich gebe zu, ich hatte Angst vor diesem Buch. Ich wollte es aber unbedingt lesen, weil ich wissen  wollte, was so häufig vorkommt, dass der Fehler es in das Buch schafft und wie ich ihn vermeiden kann. Es war dann auch nicht so schlimm, wie befürchtet. Prof. Dr. Achim Gruber ist Tierpatologe und -forensiker, erst in Hannover und heute in Berlin. Er bekommt die rätselhaften Fälle auf den Tisch, er sieht die Enden der vermeidbaren Dramen.

Qualzucht ist ein ganz großes Thema im „Kuscheltierdrama“. Merlegefärbte Hunde, die blind und taub sind und das Schwimmen mühsam lernen müssen. Die kurznasigen Rassen, die kaum noch atmen können und bei Hitze und Überlastung einfach tot umfallen. Das Thema liegt dem Autor am Herzen und das merkt man. Interessant fand ich auch das Kapitel über das tollwütige Urlaubsmitbringsel, was übrigens auch die sogenannten Wühltischwelpen betreffen kann. Wer es nicht weiß: Zu hunderten werden an dubiosen Orten unter grauenhaften Bedingungen „Rassehunde“ gezüchtet, die dann hier aus dem Kofferraum heraus oder übers Internet billig (für einen Rassehund) verkauft werden. Weiterlesen

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Ian Kershaw: Achterbahn. Europa 1950 bis heute

Wenn große Historiker am Ende eines erfolgreichen Forscherlebens an der Universität emeritiert werden, dann haben nicht wenige von ihnen etwas, das sie verbindet: Sie legen – quasi als Vermächtnis – mindestens eine große Überblicksdarstellung vor und ziehen damit auch Bilanz ihres Forscherlebens. Ian Kershaw, der große britische Historiker und Hitler-Biograf, 2002 von der Königin zum Ritter geschlagen, Träger des Bundesverdienstkreuzes, der Karlsmedaille der europäischen Medien und Empfänger zahlreicher weiterer Ehrungen, hat dies nun mit seinem zweiten, abschließenden Band zur europäischen Zeitgeschichte getan: „Achterbahn. Europa 1950 bis heute.“

1989 wurde ich zum ersten Mal auf diesen Autor aufmerksam. Mit „Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick“ war ein Jahr zuvor ein stattliches Paperback erschienen (im englischen Original bereits 1985), in dem Kershaw sachlich und doch klar pointiert einen Forschungsbericht vorlegte, der für Studenten der Geschichtswissenschaften Pflichtlektüre war, aber auch für den Laien verstehend konsumierbar erschien. Schon hier zeigte sich eine stilistische Souveränität, die man bei britischen Historikern immer wieder, bei deutschen dagegen eher selten vorfindet.

Kershaw hatte es zu einiger Bekanntheit gebracht durch eine Monografie, die – anders als die meisten Werke, die sich mit historischen Personen befassen – durch einen interessanten Perspektivwechsel auffiel. In „Der Hitler-Mythos“ (1980) legte er eben nicht die x-te Biografie über den Diktator vor, sondern er stellte eine viel spannendere Frage, nämlich die, weshalb so viele Menschen ihm vom Anfang bis zum Ende die Treue hielten. Anhand bislang weitgehend unbeachteter Quellen warf er einen Blick auf die deutsche Bevölkerung und untersuchte das, was den „Führer“ mythisch so auflud. Kershaw verfasst seine Texte zwar in Englisch, beherrscht aber die deutsche Sprache souverän, so dass er auf keine Probleme bei der Quellenarbeit stieß. Weiterlesen

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Armin Strohmeyr: „Sie war die wunderbarste Frau“

Als Maria Sophia Gutermann im Dezember 1730 in Kaufbeuren geboren wird, ist ihr Vater, der „Stadtphysikus“ Georg Friedrich Gutermann, enttäuscht: Sein erstes Kind ist kein Junge, sondern ein Mädchen, das sich jedoch bald als eine Art „Wunderkind“ erweist. Schon mit drei Jahren kann sie – nach eigenen Angaben – lesen. Gefördert wird sie dabei vom Vater, der ihr – zu dieser Zeit in Ermangelung eines männlichen Nachkommens, der sich erst als 13. Kind einstellen wird – eine „für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Erziehung und Bildung zukommen“ lässt. Dennoch zielt diese Bildung immer darauf, „später eine folgsame Gattin und pflichtbewusste Hausfrau zu sein.“ Sophie wird dies verinnerlichen und sich bis ins hohe Alter danach richten.

Bald beherrscht sie das Französische perfekt, lernt aber ebenso Klavier zu spielen, zu tanzen, zu zeichnen, zu sticken und die Führung von Küche und Haushalt – eben alles, was in gehobenen Kreisen von einer Frau erwartet wird. Dass sie diese Kenntnisse perfekt anwenden kann, beweist sie nach ihrer Heirat mit Georg Michael Frank La Roche – dem Verwalter, Sekretär und wahrscheinlich auch unehelichen Sohn des Grafen von Stadion – im eigenen Haushalt. Doch immer wieder hat sie ihren eigenen Kopf und ihre Wünsche, die sie manchmal durchsetzt, manchmal aber auch nur in ihrem Inneren bewegt oder ausführlich in gefühlvollen Briefen beschreibt. Weiterlesen

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Meredith May: Der Honigbus

Meredith ist noch keine fünf Jahre alt, als ihre Mutter Sally 1975 den Vater verlässt und mit den beiden Kindern von der Ostküste der USA ins ländliche Carmel Valley nach Kalifornien zieht. Dort leben die Großeltern in einem winzigen Haus, in dem sich die zerrissene kleine Familie in den nächsten Jahren ein Zimmer teilen wird.

Schon auf dem Flug spürt Meredith, dass ihr die Mutter abhandenkommt. „Irgendwo zehntausend Meter über der Mitte Amerikas hatte sie es aufgegeben, eine Mutter zu sein.“

In Kalifornien angekommen, verfällt Sally sofort in eine tiefe, jahrelange Depression und verkriecht sich im Bett. Die Großmutter Ruth nimmt sich Merediths und ihres kleinen Bruders Matthew an. Doch sie ist streng und obwohl sie Lehrerin ist, findet sie keinen wirklichen Zugang zu den Kindern. Ihre Loyalität und Zuneigung gehört vor allem ihrer Tochter, die sie in ihrem schwer angeschlagenen Zustand beschützen möchte. Warum ihr das so wichtig ist, wird im Laufe des Buches deutlich.

Sally gibt die Schuld an der Trennung ihrem Mann und lässt kein gutes Haar an ihm. Doch Meredith vermisst ihren Vater, zu dem zunächst jeglicher Kontakt eingestellt wird und fragt sich „Wenn alle so tun, als würde dein Vater nicht existieren, gibt es ihn dann noch?“ Weiterlesen

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Manfred Spitzer: Die Smartphone-Epidemie

In den letzten Jahren haben zunächst das Handy und noch viel mehr seine Weiterentwicklung, das Smartphone, unsere Welt verändert. Für Milliarden Menschen ist der Umgang damit gar nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Noch nie hatte eine technische Neuerung vergleichbare Auswirkungen. Ohne Smartphone geht heute sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Bereich gar nichts mehr.

Aber welche Folgen hat das auf unser Zusammenleben? Auf unsere Gesundheit? Dass es Zweifel und Bedenken gibt, belegen etwa die Aussagen des Apple-Chefs dazu, Smartphones nicht in Unterricht zu nutzen oder das völlige Verbot des französischen Staatspräsidenten für die Verwendung an Schulen. Immer mehr Menschen wird bewusst, dass zwischen der Nutzung des Smartphones und der Sucht danach nur ein schmaler Grat liegt.

Ein Thema, das wie geschaffen für den renommierten Wissenschaftler und bekannten Autor Manfred Spitzer ist. Bereits mit seinem Bestseller ‚Digitale Demenz‘ hat er eine kritische Analyse des Umgangs mit unserer immer digitaler werdenden Umwelt vorgelegt. In seinem neuen Buch geht er nun auf das Thema Smartphone ein und betrachtet es aus verschiedenen Blickwinkeln. Weiterlesen

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G. Franck & B. Boss-Burkhardt: Gesunder Garten durch Mischkultur

Der dümmste Bauer erntet angeblich die dicksten Kartoffeln. Ob hinter der guten Ernte tatsächlich Dummheit stecken mag, darf bezweifelt werden. Letztendlich stellt sich die Frage, ob der »Dumme« möglicherweise populäre und kostenintensive Wege des Anbaus verlassen hat.

Die Klassiker des Gartenbaus könnte man wie folgt beschreiben: Umgraben, beetweise Bepflanzung, feste Wege in den Beeten, Düngen, chemische Unkrautbekämpfung und trotzdem Läuse, Raupen und Schnecken und stets sauber gefegte Beete mit freiem Blick auf nackte Erde.

Die von Gertrud Franck über Jahrzehnte erfolgreich praktizierte Mischkultur funktioniert anders. Ihre Gemüsebeete sind aufgelockert durch Reihenbepflanzung. Als Reihenbegrenzung wählt sie für das Frühjahr Spinat. In festen Abständen wechseln sich stark- und schwachzehrende Gemüsepflanzen ab, wobei jede von anderen Pflanzen aus der Gruppe der »positiven Nachbarschaft« begleitet wird.

In dieser Anbaumethode wird der Garten ganzheitlich betrachtet. Weil in der gesunden, freien Natur nackte Böden nicht vorkommen, übernimmt Gertrud Franck dieses Prinzip. Es folgt dem natürlichen Kreislauf von Keimen, Wachsen und Zersetzung, bei dem niedrige Pflanzen der Keimung nachfolgender höher wachsender Gemüsepflanzen den Weg bereiten. Weiterlesen

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Heike Leitschuh: Ich zuerst!: Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip.

Heike Leitschuh hat Politikwissenschaften studiert und ist selbständige Journalistin, Autorin, Moderatorin und Beraterin. Sie ist Autorin und Mitherausgeberin mehrerer Bücher und beschäftigt sich nun in ihrem neuesten Werk mit einer sehr interessanten Frage: Welche Rolle spielt das Ego in unserer Gesellschaft?

Die Autorin findet darauf eine sehr klare Antwort, die sich bereits im Titel des Buches ‚Ich zuerst!‘ widerspiegelt. Sie zeigt anhand vieler eigener Erlebnisse und zahlreicher weiterer Beispiele, wie sehr das ‚Ich‘ in unserer Gesellschaft das ‚Wir‘ verdrängt hat.

Da wäre beispielsweise das Problem, dass bei Unfällen die Bildung einer Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge für viele Menschen ein Problem zu sein scheint. Leitschuh schildert einen Unfall im Mai 2017, bei dem die Rettungskräfte sich schließlich zu Fuß zur Unfallstelle durcharbeiten mussten.

Oder das Filmen mit dem Handy: immer wieder ist es Menschen wichtiger, an einer Unfallstelle zu filmen, statt zu helfen. Oft genug behindern sie dabei noch die Rettungsarbeiten. In diesem Zusammenhang ist auch die Gewalt gegen Rettungskräfte erwähnenswert, die ebenfalls um sich greift und zu einem Problem geworden ist. Weiterlesen

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Nelly Kostadinova: Ein Koffer voller Wollen

Als Nelly Kostadinova 1990 aus Bulgarien nach Deutschland kam, war sie 33 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und in ihrem Heimatland eine gestandene, preisgekrönte Journalistin. Mit wenig Geld und einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung begann sie Deutsch zu lernen und schrieb zunächst weiterhin Artikel für verschiedene Zeitungen. Bis sie eines Tages an der Uni eine Anzeige las: „Studenten aus Osteuropa als Dolmetscher für ausländische Flüchtlinge gegen geringe Bezahlung gesucht …“

Mit diesem Aushang begann ihr Leben als Dolmetscherin, Übersetzerin und nur wenige Jahre später als Firmengründerin. In der Zwischenzeit hat ihr Unternehmen Lingua-World zahlreiche Filialen im In- und Ausland. Nelly Kostadinova ist zum „Global Player“ geworden. Wie es ihr gelungen ist, ausgehend von ihrem ersten Büro im Ausstellungsraum eines Lampenladens in Köln ein dichtes Netz an Niederlassungen in Deutschland zu gründen und auch nach Johannesburg und Kigali zu expandieren, erzählt sie in diesem Buch eindrucksvoll, unterhaltsam und mit viel Schwung.

Sie berichtet von einfallsreichen Werbekampagnen beim Kölner Karneval und viralem Marketing wider Willen, von einem Dämpfer bei der IHK und Ausflügen in die Tagungsorganisation, von ihrem Büro auf Zuwachs und der Suche nach Fachkräften in Südafrika. Weiterlesen

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Clemantine Wamariya: Das Mädchen, das Perlen lächelte

Die Geschichte vom Mädchen, das Perlen lächelte, liebte Clemantine am meisten. Unzählige Male ließ sie sich die Geschichte von ihrem Kindermädchen Mukamana erzählen. Das Schönste daran war, dass Mukamana ihr immer nur die Figuren und die Grundvoraussetzungen vorstellte und Clemantine selbst weitererzählen ließ: „Was glaubst du, was dann passiert?“

Clemantine führt ein behütetes Leben im Wohlstand in Kigali, Ruanda. 1994 ändert sich alles. Ihre Welt schrumpft, erst darf sie nicht mehr in den Kindergarten, dann nicht mehr draußen spielen, später bleiben selbst die Vorhänge geschlossen. Immer öfter donnern Explosionen, Leute verschwinden. Sie wird zur Großmutter nach Butare geschickt, zusammen mit Claire, der neun Jahre älteren Schwester. Doch auch bei der Großmutter ist es nicht lange sicher, die Mädchen müssen weglaufen. Auf der Flucht vor dem Völkermord, der Hunderttausende das Leben kostet, können sie niemandem trauen. „Seltsam, wie man von einem Menschen, der von zu Hause weg ist, zu einem Menschen wird, der kein Zuhause mehr hat. […] Du bist überall und von allen Menschen unerwünscht. Du bist ein Flüchtling.“ (Zitat S. 42)

Clemantines Kindheit ist mit sechs Jahren zu Ende. Sie lebt mit Claire in Flüchtlingslagern unter katastrophalen Bedingungen, steht stundenlang nach Maisrationen an, tut alles, um sich sauber zu halten und ihre wenigen Besitztümer zu schützen. Weiterlesen

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