Oliver Pötzsch: Faustus 01: Der Spielmann

Knittlingen, 1486: Der 8-jährige Johann wird von seiner Mutter liebevoll Faustus, der Glückliche, genannt. Dabei ist sein Leben alles andere als glücklich, ist er doch regelmäßig den Schikanen der anderen Kinder des Ortes und seines eigenen Vaters ausgesetzt. Doch ein Magier namens Tonio del Moravia prophezeit dem Jungen eine große Zukunft und nimmt ihn schließlich acht Jahre später bei sich auf. Doch Johann merkt schnell, dass mit Tonio etwas nicht stimmt und seine Absichten alles andere als redlich sind. Er kann fliehen und ab diesem Moment selbst entscheiden, was er mit seiner Zukunft anfangen will. Oder hat er längst einen Pakt mit dem Teufel geschlossen …?

Oliver Pötzsch wirft einen spannenden Blick auf die historische Figur des Johann Georg Faust, der etwa 1480 in Knittlingen geboren wurde und als Wunderheiler, Alchemist und Magier bekannt wurde. Er ist auch die Grundlage der beiden berühmten Tragödien Faust I und Faust II von Johann Wolfgang von Goethe. Ähnlich wie der große Dichter hat Pötzsch seinen Roman in zwei Teilen angelegt. Weiterlesen

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Vera Buck: Das Buch der vergessenen Artisten

Berlin, 1935: Die Mittvierziger Mathis und Meta leben mit Metas Bruder Ernsti gemeinsam in einer Wohnwagensiedlung einiger Artisten. Hitler ist an der Macht und seine Rassengesetze erschweren den Artisten die Arbeit. Die wenigsten von ihnen dürfen überhaupt noch einer Tätigkeit nachgehen und viele sind bereits einfach verschwunden. Manche sind geflohen, andere wurden von der Polizei abgeholt und nie wiedergesehen. Als dieses Schicksal auch Metas geistig behindertem Bruder zustößt, will diese nicht einfach tatenlos zusehen. Und Mathis wäre nicht Mathis, wenn er seiner Freundin nicht helfen würde. Dabei würde er viel lieber an seinem geheimen Buch über die vergessenen Artisten, jene an deren Namen sich niemand mehr erinnert, weiterschreiben …

Vera Buck ist ein besonderer Roman gelungen. Auf gut 750 Seiten lässt sie in zwei zeitlich abgegrenzten Abschnitten die Welt der Artisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts und zur Zeit Hitlers lebendig werden. Der erste Handlungsstrang findet 1902 statt und begleitet den 15-jährigen Mathis auf seinem Weg von einem langweiligen Dörfchen und seinem Dasein als Bohnenbauerssohn hin zu einer Karriere auf der Straße. Weiterlesen

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Anthony McCarten: Licht

Es ist eine spannende Zeit: Ende des 19. Jahrhunderts legt der technische Fortschritt mit Glühbirne, Elektrizität, Phonograf, Telefon, Kühlschrank und Kautschuk-Kondom ein rasantes Tempo vor. Erfindergenie Thomas Alva Edison, „der ein Orchester in eine Kiste packte“ (so wurde der erste Schallplattenspieler tituliert) nimmt hierbei eine wichtige Schlüsselrolle ein. Der Roman widmet sich den wichtigsten Stationen seines Lebens, von 1878 bis zum Jahr 1929. Der greise Erfinder blickt auf sein Leben zurück und auf eine Kooperation, die seine Arbeit verändern sollte. Die mit dem Finanzmagnaten J. P. Morgan. Neben dem technischen Fortschritt prägt noch eine wesentliche Veränderung den gesellschaftlichen Wandel: das Aufkommen der internationalen, monopolisierten Geldwirtschaft. Mit Multi-Milliardär Morgan, dessen Vermächtnis heute als Symbol der Finanzkrise von 2008 assoziiert wird, steht ein Geldhai an der Spitze, der neue Regeln aufstellt. Eine Idee allein ist nichts wert. Die Wirtschaftlichkeit allein bestimmt, ob eine Erfindung der Welt zugänglich gemacht wird oder nicht. Weiterlesen

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Ulf Schiewe: Land im Sturm

Bayern, 995 n. Chr.: Arnulf ist ein junger Schmied, der mit beiden Beinen im Leben steht. Er wird die Schmiede von seinem Vater erben und es wird zudem Zeit, dass er dazu eine passende Frau findet. Als die Tochter des Vogtes ihm schöne Augen macht, ist Arnulf wie von Sinnen. Er lässt sich auf das gefährliche Spiel ein – denn entdeckt werden dürfen die beiden auf keinen Fall. Doch dann läuft alles aus dem Ruder und Arnulf muss die Flucht ergreifen. Auf seinem Weg nach Augsburg lernt er Hedi kennen, die bei einem Überfall durch die Ungarn ebenfalls von ihrer Familie getrennt wurde. Gemeinsam begeben sie sich in das Abenteuer der großen Stadt und suchen nach ihrem Glück.

Ulf Schiewe hat mit „Land im Sturm“ einen Roman geschrieben, dessen Handlung auf knapp über 900 Seiten auch fast 900 Jahre deutsche Geschichte umspannt. Die Hauptfiguren der einzelnen Epochen sind dabei meist miteinander verwandt, könnten also sagen, dass der Schmied Arnulf ihr Ur-(…)-Ur-Ur-Großvater war. Weiterlesen

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Frank Goldammer: Vergessene Seelen

Dresden 1948. Ein extrem heißer Sommer. Drei Jahre nach Kriegsende ist Dresden noch immer eine riesige Baustelle und die Versorgung lässt zu wünschen übrig. Für Kriminalkommissar Max Heller hat sich hauptsächlich eins geändert: Es sind nicht mehr die Russen, die sich ständig in seine Arbeit einmischen, sondern es ist inzwischen die SED. Die ihn darüber hinaus auch noch dauernd in ihre Reihen aufnehmen will und in die sein zurückgekehrter Sohn bereits eingetreten ist. Max sieht sich einem Gegner gegenüberstehen, den er nicht bekämpfen will.

In einer Baugrube wird ein 14jähriger Junge gefunden. Die Todesursache ist unklar. Ist er gestürzt, hat er sich wegen seines gewalttätigen Vaters umgebracht oder wurde er von Schmugglern getötet. Max tauch tief in die Welt der einfachen Leute und ihrer Sorgen und Schwierigkeiten ein und mit ihm der Leser. Es wird oft vergessen, dass mit Kriegsende eben nicht plötzlich alles wieder gut war (im Westen übrigens auch nicht). Männer kehren traumatisiert aus dem Krieg zurück und wissen sich nicht anders zu helfen, als Gewalt gegen ihre Familien auszuüben. Weiterlesen

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Antonin Varenne: Äquator

Nebraska 1871. Pete Ferguson ist seit Jahren auf der Flucht. Er und sein jüngerer Bruder werden als Deserteure des Bürgerkriegs gesucht; die Bowman-Ranch, ihren Zufluchtsort, musste er verlassen, nachdem er einen Mann getötet hatte. Jähzorn, Beschützerinstinkt und unbedingter Gerechtigkeitssinn lassen ihn immer wieder gewalttätig werden. Er ist unter falschem Namen unterwegs, allein mit seinem Pferd Reunion. In den Plains schließt er sich einem Trupp von Bisonjägern an; die Bisons sind beinahe ausgerottet, die Jäger sind den letzten Tieren auf der Spur. Einer von ihnen erzählt Pete vom Äquator, dieser Linie, die man überschreiten muss, um auf die andere Seite der Erde zu gelangen, wo die Menschen auf dem Kopf gehen und das Wasser die Flüsse hinauf fließt. In Petes Vorstellung könnte das Überschreiten des Äquators seine Erlösung bedeuten, das Ende der Gewalt, den Anfang von Gefühlen.

Er macht sich auf die Reise nach diesem Sehnsuchtsort, geht immer weiter nach Süden, schließt sich Komantscheros an, begeht einen Auftragsmord in Mexiko, lässt sich für eine Verschwörung in Guatemala anwerben, die er zum Scheitern bringt, um das Leben einer Indiofrau zu retten. Nun sind sie zusammen auf der Flucht, zwei Heimatlose, die nur noch einander haben. Maria macht die Reise zum Äquator zu ihrer eigenen. Sie schlagen sich nach Brasilien durch, schaffen es bis zum Delta des Amazonas und endlich an den Äquator. Weiterlesen

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Christian Hardinghaus: Ein Held dunkler Zeit

Als ich von diesem Buch hörte, hatte ich nicht allzu viele Erwartungen. Ein Historiker, der einen Roman geschrieben hat. OK, das geht meistens schief, aber die Geschichte an sich hat mich interessiert. Und Christian Hardinghaus kann schreiben. So richtig. Belletristik. Also spannend. Und flüssig. Und so, dass man weiterlesen möchte. Und vor allem so, dass etwas im Leser von dem Buch hängen bleibt.

Im Winter 1941/42 ist Friedrich der Sanitätsoffizier des Arztes Wilhelm Möckel und in der Südukraine stationiert. Und Möckel tut sich durch Tapferkeit bis hin zur Waghalsigkeit hervor. Dahinter stecken nicht etwa Selbstmordabsichten, sondern eine tragische Geschichte. Eine echte Liebesgeschichte. 1932 lernt der aufstrebende Augenarzt die Medizinstudentin Annemarie kennen. Amor trifft sie beide mit voller Wucht und sie denken schon an das Heiraten. Dann kommt 1933 und die Nazis an die Macht. Wilhelm findet das zunächst alles nicht so furchtbar bedrohlich, muss sich denn nicht etwas ändern in diesem Land? Wilhelms Einstellung ist eher neutral, solange er nicht selbst betroffen ist und das ist für mich einer der Punkte, der den Roman so wichtig macht. Denn ja, es ist eine Liebesgeschichte und ja, es ist eine Heldengeschichte und ja, es ist nach einer wahren Geschichte – und trotzdem ist diese Geschichte ganz anders, ganz eigen und ganz besonders. Weiterlesen

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Richard Dübell: Das Jahrhundertversprechen

„Das Jahrhundertversprechen“ ist der letzte Teil der Trilogie um die drei großen Errungenschaften der Industriellen Revolution, die die Massen begeistert haben: Zuerst die Eisenbahn, dann das Flugzeug und jetzt im letzten Band das Automobil (und auch der Film). Berlin zu Beginn der 20ger Jahre des 20. Jahrhunderts ist ein gefährliches Pflaster. Das bekommen auch die Briests zu spüren, die gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Luisa in die Wirren der Inflation geraten. Der junge Max Brandow rettet Luisa das Leben und riskiert dabei sein eigenes. So wird der ehemalige Berliner Straßenjunge von den Briests erst quasi und dann auch wirklich adoptiert.

Jahre später hat Max seine Leidenschaft für Autos, insbesondere Autorennen entdeckt. Mit seinem Mechaniker Gehalt versucht er den finanziell schwächelnden Gutshof der von Briests zu unterstützen. Noch ist er „nur“ Mechaniker bei einem der großen Rennställe, aber seine Chance wird kommen.

Luisa dagegen interessiert sich außer für Max für den Film und als sie Fritz Lang kennenlernt, scheint einer Karriere als Schauspielerin nichts mehr im Wege zu stehen. Ihr verdanken wir unterhaltsame Einblicke in die Entstehung und Finanzierung von Metropolis. Weiterlesen

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Ray Celestin: City Blues Quartett 01: Höllenjazz in New Orleans

New Orleans, 1919: Eine Serie von Morden hält die Stadt in Atem. Immer wieder werden italienische Ladenbesitzer mit einer Axt gemeuchelt. Schnell glaubt die Polizei, den Täter in den Reihen der italienisch stämmigen Bevölkerung des multikulturellen Städtchens suchen zu müssen, als auch ein Deutscher sich in die Reihen der Opfer einreiht. Angst und Schrecken gehen um, Michael Talbot übernimmt die Ermittlungen bei der Polizei. Aber auch andere Personen in der Stadt haben ein Interesse an der Aufklärung, etwa die forsche junge Frau Ida Davis, die für ein Detektivbüro arbeitet, hier aber in eigener Sache und Neugier unterwegs ist. Luca d’Andrea war selbst einmal Polizist, gehörte aber auch der italienischen Mafia an und arbeitete im Hintergrund für sie, bis das mal schief ging. Dann war er jahrelang im Gefängnis. Nun ist er in der Stadt zurück und interessiert sich ebenfalls für die Mordserie.

„Höllenjazz in New Orleans“ ist ein klasse Buch, so viel nur vorweg. Ray Celestin fängt auf den Seiten perfekt die Stimmung in der Stadt ein, die von Jazzmusik geprägt ist und in der sehr viele Einwanderer aus den unterschiedlichsten, vor allem europäischen Ländern wohnen. Weiterlesen

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Sarah Schmidt: Seht, was ich getan habe

Massachusetts, 1892: „Vater ist tot!“ Mit diesen Worten rüttelt die Junggesellin Lizzie eine ganze Gemeinde wach. Ihr Vater liegt tot im Wohnzimmer, die Stiefmutter gleichfalls im Obergeschoss. Beide mit einer Axt umgebracht. Lizzie selbst hat nur diffuse Erinnerungen an den Morgen. Das ist natürlich nicht das beste Alibi. Doch auch ihr Onkel kann nicht nachweisen, wo er zum Tatzeitpunkt war. Und die Tür zum Haus, sonst immer abgeschlossen, war an diesem Morgen offen. Fragen über Fragen.

Gemeinsam mit vier wichtigen Figuren wird das Geschehen rund um den Fall der Familie Borden aufgearbeitet. Die Morde der Bordens zählen mit den zu den bekanntesten Morden Amerikas. Sarah Schmidt arbeitet das Geschehen unterhaltsam auf und hält sich dabei im Wesentlichen an die Fakten. Die Ereignisse sind sehr spannend zu lesen. Erzählt werden sie aus der Sicht der Schwestern Lizzie und Emma, beide in ihren Dreißigern, aber im Wesentlichen noch zu Hause lebend. Weiterlesen

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