Marion Brasch: Lieber woanders

Die echte erfundene Geschichte beginnt an einem außergewöhnlich warmen Freitag im Oktober. Zwei Menschen, die sich nicht kennen, sich aber schon einmal begegnet sind, bewegen sich für 24 Stunden aufeinander zu, bis ihre Wege sich kreuzen.

Die eine: Toni, eine unangepasste junge Frau, die auf dem Dorf in einem Wohnwagen lebt. Seit sechs Jahren schon. Der Kontakt zu ihren Eltern ist eingeschlafen. Toni hingegen schläft eher schlecht, seit die Sache damals passiert ist. Und die Träume können ihr gestohlen bleiben. Sie jobbt beim Schönen Ringo in der Kneipe und spart für eine Reise nach Neuseeland. Ihre Leidenschaft ist das Zeichnen. Erst vor Kurzem sind ein paar ihrer Bilder zu einem Verlag gelangt. „Morgen wird sie in die große Stadt fahren und die Verlagsfrau treffen, die ihre Bilder gut findet und ein Buch daraus machen will. Verrückte Sache.“ Toni weiß nicht, was man an ihrem Krickelkrakel finden kann, aber besonders das Winterkind mit der roten Pudelmütze und ihr Manteltaschengefährte Herr Jemineh haben es der Verlagsfrau angetan. Weiterlesen

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Nicola Karlsson: Licht über dem Wedding

Der Berliner Wedding – ein Stadtteil, in dem Kulturen und Lebensentwürfe aufeinanderprallen. Hier siedelt Nicola Karlsson ihren neuesten Roman an, doch er könnte in jeder Stadt spielen, denn überall gibt es Menschen wie Hannah, Wolf und Agnes. Hannah, gerade einundzwanzig geworden, verdient ihr Geld mit einem Modeblog. Immer mehr rückt sie dort die Bilder in den Vordergrund. Firmen schicken ihr Kleider, in denen sie sich fotografieren lässt – auf der Straße, in der Kneipe, zu Hause. „Wenig Worte, dafür eine Realität ohne hässliche Gedanken.“ Doch sie lächelt nie auf den Fotos. „Als sie dreizehn war, hatte eine Mitschülerin gesagt, dass sie dann wie ein Pferd aussähe. Das saß. Bis heute.“ Zum Lachen ist ihr sowieso meist nicht zumute: Ihre Beziehung zur Mutter ist mehr als angespannt, daran ändert auch deren Krebserkrankung nichts – ganz im Gegenteil – und das Verhältnis zu ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Fee kühlt immer weiter ab.

Agnes hingegen fehlt ihre Mutter nicht, die vor ein paar Jahren abgehauen ist und sich seither nie gemeldet hat. Sie lebt mit ihrem Vater Wolf im selben Haus wie Hannah und hat derzeit ganz andere Probleme: Sie vermutet, dass sie schwanger ist und ihr Freund Rico macht mit einer anderen rum. Weiterlesen

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Pierre Lemaitre: Die Farben des Feuers

„Damit die Götter sich richtig amüsieren, muss der Sturz des Helden gewaltig sein“, wird der Maler und Schriftsteller Jean Cocteau in diesem Buch zitiert. Und tatsächlich: Pierre Lemaitre stößt seinen Helden – oder vielmehr: seine Heldin – von ganz oben aus dem Olymp nach ganz unten in den Dreck.

Damit sie sich wieder wie die Phönix aus der Asche erheben kann, um alles und jeden zu verbrennen, der sich ihr in den Weg gestellt hat…

Madeleine Péricourt, Tochter einer wohlhabenden Bankiersfamilie, lebt ein sorgenfreies Leben im Pariser Stadtpalais ihrer Familie. Bis 1927 Familienoberhaupt Marcel Péricourt stirbt. Madeleine wird Alleinerbin, hat allerdings von den Geschäften ihres Vaters wenig Ahnung. Dazu ereilt sie ein fürchterlicher Schicksalsschlag. Ihr siebenjähriger Sohn Paul stürzt am Tag der Beerdigung aus dem Fenster und ist fortan an den Rollstuhl gefesselt. War es ein Unfall? Wurde er gestoßen? Ist er sogar freiwillig gesprungen? Falls ja, welches dunkle Geheimnis könnte ihn dazu veranlasst haben? Von Schuldgefühlen geplagt, nimmt Madeleine nicht wahr, wie sich um sie herum ein Komplett zusammenbraut. Eine Frau an der Spitze eines Bankenimperiums wirft viele Neider auf den Plan! Noch dazu, wo sich einige in Péricourts Umfeld um ihren Anteil geprellt sehen. Da ist Gustave Joubert, der jahrelang als Prokurist sein Leben der Bank gewidmet hat. Da ist ihr Onkel Charles, der sich als jüngerer Bruder von Marcel stets übergangen fühlte. Weiterlesen

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Joey Goebel: Irgendwann wird es gut

„Irgendwann wird es gut“ heißt die neue, sehr lesenswerte Geschichten-Sammlung des 1980 geborenen US-amerikanischen Autors Joey Goebel. Doch viele Figuren in diesem Buch, die alle in der fiktiven Kleinstadt Moberby leben, sind weit davon entfernt, ein Happy End zu erleben – wie Anthony in der allerersten Geschichte. Er ist verliebt in die Nachrichtensprecherin Olivia und hat jeden Abend Punkt 18 Uhr ein Rendezvous mit ihr, das er zelebriert: wenn sie auf der Mattscheibe erscheint und er auf dem heimischen Sofa sitzt.

Oder Paul, dessen Mutter derart dominant und besitzergreifend ist, dass sie dem Sohn das einzige Date mit einer Frau versaut, das er seit vielen Jahren hat.

Joey Goebel widmet sich in diesen Geschichten den Losern, den Underdogs der Gesellschaft: neben den hoffnungslos Verliebten und Muttersöhnen unter anderem einem zwölfjährigen Mädchen, das unter Gleichgesinnten keinen Anschluss findet, oder einem Messie, der seit Jahren seine Wohnung nicht verlassen hat. Weiterlesen

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AJ Pearce: Liebe Mrs. Bird

London, 1941: Die 22-jährige, junge Emmeline Lake hat einen großen Traum. Sie möchte Kriegsreporterin für eine große Zeitung werden. Dafür, das hat sie schon gelernt, muss man allerdings kleine Brötchen backen. Erstmal fängt sie bei einer Zeitung an, die immerhin zu einer großen Verlagsgruppe zu gehören scheint. Doch beim Vorstellungsgespräch vergisst Emmeline die wichtigsten Fragen und findet sich deshalb wenig später in einer Redaktion wieder, die Leserbriefe von Frauen beantwortet. Naja, zumindest ein paar. Denn die Redakteurin Mrs. Bird sortiert gnadenlos alles aus, in dem beispielsweise Affären, sexuelle Gedanken, Orientierungen und andere vermeintlich anstößige Dinge vorkommen. Übrig bleiben dann belanglose Briefe, die belanglose Antworten in einem belanglosen Magazin erhalten. Emmeline beschließt, heimlich auf die aussortierten Briefe zu antworten – und sie unterschreibt sogar mit Mrs. Birds Namen! Das kann ja nicht lange gutgehen … Weiterlesen

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Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter

Vielleicht kennen einige die sehr gute Stephen King Kurzgeschichte „Stand by me – Das Geheimnis eine Sommers“. Da geht es um die Verdichtung, bzw. Nacherzählung der Erlebnisse von vier Freunden die sich um den Fund einer Leiche im Wald dreht. Stephen King hat hier wunderbar die Atmosphäre des Heranwachsens, den Zwist mit Erwachsenen und der örtlichen Halbstarkenszene eingefangen. Vielleicht waren das damals in den USA die Fünfziger. Es geht um den Rückblick einer Erlebnisstrecke die Jahre her ist; in diesem Fall, im Roman von Ulrich Woelk, um das Jahr 1969. Die Apollomissionen waren da hochaktuell und eigentlich interessierte unseren Ich-Erzähler Tobi, damals 11 Jahre, nichts anderes.

Die Dinge liefen wie sie mussten, Vater, Mutter, Kind, Vorstadteigenheim. Gute Lage, guter Job – eben all die Bürgerlichkeit. All dies wird durch den Zuzug einer neuen Familie als Nachbarn gesprengt. Diese ist auch dreiköpfig und Rosa, die Tochter, zwei Jahre älter als unser Tobias. Weiterlesen

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Anuk Araudpragasam: Die Geschichte einer kurzen Ehe

Die Geschichte einer kurzen Ehe ist kurz. Dinesh, ein junger Mann, hilft in einer mobilen Klinik aus, die mitten im Dschungel in einem Flüchtlingslager den Verletzten erste Hilfe gibt. Jeden Tag wird das Lager mit Mörsergranaten beschossen. Es gibt für die Flüchtlinge keinen Ort mehr, wo sie Schutz finden können. Während Dinesh eine Grube für die Verstorbenen und Leichenteile aushebt, wird er von einem alten Mann angesprochen. Dieser verlor vor kurzen bei einer Bombardierung seine halbe Familie. Jetzt hat er nur noch seine Tochter Ganga, für die er Schutz und Halt sucht, wenn er nicht mehr leben sollte. Dinesh lässt sich darauf ein. Nach dem väterlichen Segen sind die beiden allein, zwei Fremde, die mitten im Krieg ein Leben zu zweit versuchen.

Anuk Arudpragasam, geboren 1988, hat mit seinem Debütroman viel Aufmerksamkeit erfahren, als er mit ihm den DSC Prize for South Asien Literature gewann. Übersetzt wurde der Roman von Hannes Meyer. Weiterlesen

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Martina Bergmann: Mein Leben mit Martha

Martha ist Heinrichs große Liebe. Fast 40 Jahre lebt das unkonventionelle Paar zusammen in einem kleinen Haus auf dem Dorf und ist nicht allen Nachbarn geheuer. Doch in den letzten Jahren ist Martha nicht mehr ganz die alte. Sie ist in einer „poetischen Verfassung“, sagt Heinrich. Andere Leute nennen es Demenz. Der Alltag läuft nicht mehr richtig rund. Heinrich – ganz der zerstreute Professor – achtet nicht sonderlich auf sein Äußeres, sondern befasst sich am liebsten mit Literatur, Philosophie und Mathematik. Martha ist im Haus und drumherum geschäftig, aber sie verzettelt sich und hat ihre ganz eigenen Methoden, in sich und um sich Ordnung zu halten. Leider verstehen das viele Menschen nicht.

Martina ist eigentlich „nur“ Heinrichs Buchhändlerin und einige Jahrzehnte jünger. Aber sie hat Heinrich und Martha ins Herz geschlossen und sorgt dafür, dass es die beiden weiterhin gut haben. Als Heinrich krank wird und stirbt, pflegt ihn Martina bis zum Schluss und erbt das Haus. Die beiden Frauen beschließen, eine WG zu gründen – das heißt, Martha ist einverstanden, Martina bei sich aufzunehmen. Weiterlesen

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Hansjörg Schertenleib: Die Fliegengöttin

Schon lange ist nichts mehr wie es war. Die Krankheit kam schleichend. Jeder Tag bringt eine andere Herausforderung für Willem de Witt mit sich, der seine an Alzheimer erkrankte Frau pflegt. Immer wieder aufs Neue muss er sich auf ihre Wesensveränderungen, Wortfindungsstörungen, ihren Gedächtnisverlust und die physischen Defizite einstellen.

Niemals in einem Pflegeheim enden – dieses gegenseitige Versprechen haben sich der Holländer Willem und seine irische Frau Eilis einst gegeben. Aber nun, seit Eilis keine Erinnerungen mehr hat und Willem oft nicht weiß, ob sie ihn überhaupt erkennt, hat dieses Versprechen eine ganz andere Gewichtung bekommen. Doch Willem hält sich daran. Die letztendliche Konsequenz die im Raum steht, schiebt er dennoch von sich, denn zwischen Zuständen von Verwirrung und Apathie hat Eilis auch lichte Momente. Dann sind die Rückblicke seiner Frau oft solche, die Willem verloren gegangen sind. Auch er verspürt mit seinen dreiundachtzig Jahren körperliche und geistige Defizite. Erinnerungen aus über fünfzig Ehejahren die sie gemeinsam in ihrem Haus in Irland verlebt haben, gibt es genügend. Immerhin haben die de Witts auch drei Kinder mit allen Höhen und Tiefen großgezogen sowie einige schöne Urlaube zusammen verbracht. Weiterlesen

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John Niven: Kill ‘em all

Der schottische Schriftsteller John Niven (Jahrgang 1966) kennt sich aus in der Musikbranche. War er doch selbst Musiker und A&R- (Artists and Repertoire) Manager in einer Plattenfirma. In dem Roman „Kill your friends“ (2008) ließ er schon kein gutes Haar an der Musikindustrie und ihrem Umfeld. Jetzt begegnen wir dem supercoolen Steven Stelfox in „Kill ‘em all“ wieder. Der Wilhelm Heyne Verlag hat John Nivens neuesten Roman in seiner Reihe Heyne Hardcore am 21. Januar 2019 in einer Übersetzung von Stephan Glietsch veröffentlicht.

Es ist das Jahr 2017, Steven Stelfox is back. Mit fast fünfzig genießt er seinen Reichtum und arbeitet hin und wieder als Berater für die Musikindustrie.

James Trellick, CEO der großen amerikanischen Plattenfirma Unigram und ein alter Freund von Stelfox bittet ihn um Hilfe. Der Star des Labels, Lucius du Pre, steht vor dem Ruin. Drogensüchtig und pädophil wird er zum unberechenbaren Risiko für Unigram. Die „cash cow“ liefert nicht mehr und wird außerdem von den Eltern eines Jungen erpresst, den er sexuell missbraucht hat. Dabei wird gerade alles für seine große Comeback-Tour vorbereitet. Eine Veröffentlichung des Erpresservideos wäre ein Desaster. Weiterlesen

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