Orhan Pamuk: Die rothaarige Frau

Viele Bücher hat Orhan Pamuk nicht geschrieben, seit er 2006 den Literatur-Nobelpreis bekommen hat. Und wenn, waren es Romane, in denen er sich mit seiner Geburtsstadt Istanbul auseinandergesetzt hat. Die ist auch im neuen Roman des 65-Jährigen Schauplatz, allerdings könnte diese Geschichte überall in der Türkei spielen.

Pamuk bleibt seiner literarischen Farbe Rot (aus dem Opus „Rot ist mein Name“) treu: In „Die rothaarige Frau“ erzählt er die Geschichte des Jungen Cem und begleitet ihn über mehr als 40 Jahre. Cems Vater, ein Apotheker in einem Vorort von Istanbul, hat die Familie verlassen. Ein Brunnenbauer, bei dem Cem als Jugendlicher arbeitet, wird zu seinem Ersatzvater.

In einem Theater lernt er als 16-Jähriger die rothaarige Frau kennen und verliebt sich in sie. Als ein Unglück im Brunnen geschieht, Weiterlesen

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Isabella Straub: Wer hier schlief

Was mit einem Mann passieren kann, der komplett den Boden unter den Füßen verliert – dieser Frage geht die österreichische Autorin Isabella Straub in ihrem Roman „Wer hier schlief“ nach.

Philipp Kuhn verlässt seine Frau, die zugleich seine Chefin in einer Firma für Sicherheitstüren ist (welche Symbolik!), um künftig mit seiner Geliebten Myriam zusammenzuleben. Problem: Als Philipp nach der Trennung besagte Myriam treffen will, ist sie plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Sämtliche Versuche, mit ihr Kontakt aufzunehmen, scheitern. Folglich ist Philipp von jetzt auf gleich nicht nur arbeits-, sondern auch obdachlos. Weiterlesen

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Heather Young: Das verlorene Mädchen

Minnesota, 1935: Die Familie Evans verbringt ihren Sommerurlaub wie jedes Jahr in ihrem Sommerhaus am See. Auch ihre drei Töchter, die 13-jährige Lilith, die 11-jährige Lucy und die 6-jährige Emily, sind mit dabei. Die älteren Mädchen genießen ihre Freiheit in den Wäldern. Doch in diesem Jahr merkt Lucy eine Veränderung an ihrer größeren Schwester. Lilith beginnt sich zu schminken und für Jungs zu interessieren. Niemand ahnt jedoch, dass der Sommer kein gutes Ende nehmen wird: Am letzten Tag der Ferien verschwindet ausgerechnet die kleine Emily spurlos.

Mehr als 60 Jahre später lebt nur noch Lucy. In hohem Alter schreibt sie auf, was in jenem Sommer 1935 passiert ist, um es Liliths Enkelin, der einzig verbliebenen Erbin, zu hinterlassen. Weiterlesen

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Marco Missiroli: Obszönes Verhalten an privaten Orten

Gleich die erste Szene gereicht dem Buchtitel zur Ehre: Libero Marsell ertappt seine Mutter im Nebenzimmer beim Fellatio mit Papas bestem Freund. Dieses Trauma lässt ihn nicht mehr los. Der Roman begleitet den zwölfjährigen Jungen, der 1975 mit seiner Familie von Mailand nach Paris zieht, bis ins Erwachsenenalter hinein. Durch erlesene Szenen verfolgen wir Liberos Mannwerdung, von der Entdeckung der Selbstbefriedigung zur Auslebung geheimer Fantasien. Elegant und intelligent erzählt, gelingt dem Autor eine literarische Reifeprüfung der besonderen Art.

Nach Liberos „erotischer Taufe“ steht fest: Mittels eines Orgasmus‘ will er sich künftig von allem Kummer befreien! Der Kummer hält dennoch Einzug in seinen Alltag: Er muss seine Freunde in Italien zurücklassen und leidet unter seiner „Unsichtbarkeit“: Mädchen sehen in ihm nur einen platonischen Kumpel. Weiterlesen

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Ingrid Kaltenegger: Das Glück ist ein Vogerl

Was für ein schönes Buch: Der Österreicherin Ingrid Kaltenegger gelingt mit „Das Glück ist ein Vogerl“ ein herrlich leichter und amüsanter Roman, der niemals in Klamauk umschlägt.

Wichtige Erfolgszutat ist die Sprache, denn die Autorin bedient sich einer milden Form des österreichischen Dialekts: Ein Vogel ist eben ein Vogerl, ein Tisch ein Tischerl und ein T-Shirt ein Leiberl. Außerdem haben alle Namen einen Artikel – der Franz trifft den Egon. Für deutsche Leser entsteht dadurch eine eigenartige, verzaubernde Sprachmelodie, die fast so etwas wie Poesie erzeugt.

Inhaltlich geht‘s um den Franz, der mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat. Weiterlesen

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Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Hospiz- oder zu Hause sterben? Ein großes Thema. Überall gibt es mittlerweile Möglichkeiten, um sich bei karikativen- oder kirchlichen Organisationen zum Sterbebegleiter ausbilden zu lassen. Das ist nicht leicht, denn man kommt, noch vor der Begegnung mit einem oder einer Sterbenden, auf jeden Fall an seine Grenzen. Susann Pásztor hat uns mit diesem Roman den Einstieg leicht gemacht. Karla hat ihr Leben so gelebt, wie sie auch sterben möchte, eben unter ihren Bedingungen.  Karla ist eigensinnig, sogar zickig, aber im Kern auch milde und warmherzig. Und sie hat vielleicht noch ein halbes Jahr.

Fred wird ihr, ehrenamtlich Sinn im Leben suchend, zugeteilt. Karla ist Freds Erste. Er ist entsprechend nervös. Weiterlesen

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Sebastian Faulks: Der große Wahn

Der englische Autor Sebastian Faulks bezieht den Titel seines Romans „Der große Wahn“, dessen Handlung weitgehend im Jahr 1980 spielt, gleich auf dreierlei: den Wahn der beiden Weltkriege, den Wahn im Sinne psychischer Krankheiten und den Wahn der Liebe. Und es bedarf schon eines gewissen Spagats, das alles unter einen Hut zu bekommen: Der Ich-Erzähler, ein Psychiater, sehnt sich zeitlebens nach seiner großen Liebe Luisa zurück, die er 1944 im Krieg kennengelernt – und wieder verloren hat. Auch hat er Fragen zu seinem Vater, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Durch die Verbindung zu einem Kriegsveteranen scheinen Antworten plötzlich möglich. Weiterlesen

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Henning Mankell: Der Sandmaler

Knapp zwei Jahre nach dem Tod von Henning Mankell ist nun der erste Afrika-Roman des schwedischen Bestseller-Autors erschienen. Es ist der zweite Roman überhaupt, den Mankell geschrieben hat. – Eine Entdeckung.

26 Jahre jung war Mankell als er 1974, lange vor den Wallander-Romanen, „Der Sandmaler“ geschrieben hat. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal nach Afrika gereist. Der Kontinent hat den Autor auch als Schriftsteller nie mehr losgelassen und immer fasziniert.

Man spürt in diesem frühen Werk schon Mankells große Erzählkraft, die später die Wallander-Krimis zu Bestsellern gemacht hat. Weiterlesen

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Tristan Garcia: Faber. Der Zerstörer

Faber ist anders als alle anderen. Schon als Kind fällt er durch seine Überlegenheit an Intelligenz und Mut auf. Als er mit acht Jahren neu an die Schule kommt, beschützt und hilft er den beiden Außenseitern Basile und Madeleine, die auf dem Pausenhof ausgegrenzt und gequält werden. Dies ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft des Dreiergespanns, die über die Jahre während ihrer Grundschulzeit und später im Collège der fiktiven Stadt Mornay anhält.

Faber, dessen algerische Eltern ihn verlassen haben, wächst nachdem seine ersten Pflegeeltern tödlich verunglücken, bei einem älteren französischen Ehepaar auf. Obwohl seine Adoptiveltern sich liebevoll alle Mühe mit ihm geben, entwickelt er ein stark persönlichkeitsgestörtes, unbezwingbares Eigenleben. Häufig zieht er sich in seine Kammer zurück und befasst sich, seinem Alter weit voraus, unter anderem mit anspruchsvoller Literatur. Immer wieder fügt er sich selbst mit einem Cutter Verletzungen zu, um das Leben aushalten zu können. Weiterlesen

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Ulrich Woelk: Nacht ohne Engel

In „Nacht ohne Engel“ von Ulrich Woelk trifft der Berliner Taxifahrer Vincent nach 25 Jahren seine Jugendliebe Jule wieder. Sie sitzt plötzlich in seinem Taxi. Doch die beiden ehemals linken Demonstranten haben sich auseinanderentwickelt. Sie ist eine erfolgreiche Wirtschafts-Fachfrau geworden, während er zumindest beruflich auf der Strecke geblieben ist.

Und so sind in diesem kurzen Roman, der mit vielen Rückblenden arbeitet, auch die unterschiedlichen Lebensentwürfe Thema: einerseits angepasst und wirtschaftlich erfolgreich, andererseits der ewige Taxifahrer mit Hang zum Schreiben. Weiterlesen

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