Viola Shipman: Weil es dir Glück bringt

Sam ist Mitte 20 und hat den großen Schritt von Michigan nach New York gewagt. Hier arbeitet sie in einer hippen Patisserie für einen furchtbar unsympathischen Chef. Dann beschließt sie, den Job hinzuschmeißen und muss erstmal nach Hause, nach Michigan, auf den Obsthof, den ihre Familie seit fast 100 Jahren führt. Doch Sam ist sehr zwiegespalten, denn sie weiß, dass ihre Mutter und ihre Großmutter nichts lieber wollen, als dass Sam den Hof weiterführt. Doch Sam ist das zu wenig, sie will erfolgreich sein, das Großstadtleben um sich haben. Und an dem Lieferanten Angelo, der ebenfalls in New York lebt, liegt ihr auch mehr, als sie zugeben möchte.

Viola Shipmans neuer Roman hat eine ganze Familie im Mittelpunkt, in ihr besonders, aber nicht ausschließlich die Frauen. Jede von ihnen hat eine Geschichte zu erzählen, die mit dem Obsthof eng verbunden ist. Weiterlesen

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Juli Zeh: Neujahr

Die Geschichte spielt auf Lanzarote. Hier hat der junge Familienvater Henning für sich und die Familie über Weihnachten und den Jahreswechsel ein Ferienhaus gemietet. Aber dieser Urlaub ist trügerisch.

Hennings Frau Theresa steht mit beiden Beinen im Leben, genauer gesagt erfolgreich im Arbeits- wie auch im Familienleben – im Gegensatz zu Henning.

Die Aufgaben des Familienlebens teilen Henning und Theresa sich untereinander auf. Theoretisch zumindest, denn Henning wird immer wieder von Panikattacken heimgesucht, unter denen er beruflich wie auch privat leidet.

Während Henning sich am Neujahrsmorgen von der Familie abkoppelt und kurzentschlossen mit dem Fahrrad unter Qualen eine Bergstrecke bezwingt, erfahren wir von all seinen Konflikten. Dabei leidet er körperlich mindestens ebenso wie seelisch, denn die Streckenführung zum Atalaya-Vulkan verlangt alles von ihm und seinen Muskeln ab. Weiterlesen

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Ada Dorian: Die Zähmung der Tiere

Desillusioniert und mit einem Kater wacht Thomas auf der Dachterrasse eines Istanbuler Hotels auf. Seine Verhandlungen um den Militärstützpunkt Incirlik und das Besuchsrecht deutscher Abgeordneter waren ohne greifbares Ergebnis geblieben. Hat er tatsächlich den richtigen Beruf gewählt? Auch privat ist er unzufrieden: Mit der Wissenschaftlerin Simone führt er eine Fernbeziehung, wäre ihr aber auch räumlich gerne näher.

Der französische Journalist Clément wird von seinem Kollegen Jules auf eine Story angesetzt, die sein Leben verändern wird. Drei junge Türken suchen nach der Schriftstellerin Nilay, die seit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 spurlos verschwunden ist und setzen dafür alle Hebel in Bewegung. Nilays Märchen, die oft von Tieren handeln, enthalten beim genaueren Hinsehen politischen Sprengstoff. Nicht weniger gefährlich sind die Zeichnungen, die der Kuratorin Christiane angeboten werden.

Die italienischen Mode-Designerin Francesca ist sich mit ihrem Mann uneins darüber, ob sie die Produktion ihrer Stoffe aufgrund der instabilen Situation im Land von der Türkei nach Vietnam verlagern sollen. Weiterlesen

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David Sedaris: Calypso

Der 1956 geborene US-amerikanische Schriftsteller David Sedaris ist in Deutschland mit Werken wie „Nackt“ (1999) oder „Ich ein Tag sprechen hübsch“ (2001) bekannt geworden. Sein Markenzeichen sind heitere und amüsante autobiografische Texte. Er schreibt über seine große Familie mit sechs Geschwistern, das Leben als Homosexueller mit seinem Freund Hugh oder seine Erlebnisse als Autor – beispielsweise auf Lesungen. Auch sein neuestes Buch, „Calypso“, mit vielen kleineren Erzählungen bildet da keine Ausnahme. Das alles liest sich leicht und locker, ohne dass allerdings so etwas wie Spannung aufkommen würde.

Die stärksten Stellen hat das Buch, wenn es etwa um den Selbstmord von Sedaris‘ Schwester Tiffany geht und wie die Familie damit umgeht oder auch um die Kommentare des Autors zur Trump-Wahl. Weiterlesen

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Linn Ullmann: Die Unruhigen

Hammars auf der Insel Farö ist der Ort, an dem Linn Ullmanns berühmter Vater Ingmar Bergman seinen Lebensabend bis zu seinem Tod 2007 verbrachte.  Die Autorin selbst verlebt in Hammars alljährlich ihre Ferien beim Vater, manchmal zusammen mit einigen ihrer neun Halbgeschwister. Linn ist das jüngste der Kinder. Mit vier Frauen war ihr Vater, der Regisseur Ingmar Bergman verheiratet gewesen, seine neun Kinder teilte er mit sechs Frauen.

Linn Ullmann wächst bei ihrer Mutter, der Schauspielerin Liv Ullmann auf. Es ist ein unstetes Leben, das der Beruf ihr abverlangt. Linn zieht mit mit der Mutter nach New York, Paris, Oslo. Hammars ist wie ein Ruhepol dagegen, obwohl es dort strenge Regeln, die der Vater aufstellt, zu beachten gilt.

Die Erinnerungen an ihre Kindheit bei der Mutter und hauptsächlich an die beim Vater in Hammars, zeigen unterschiedlichste Facetten der Künstlereltern auf. Im Schreibstil der Autorin spiegeln sich in der Vielschichtigkeit Nuancen ihres eigenen und des Lebens ihrer Eltern. Weiterlesen

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Barbara Toner: Vier ehrbare Damen suchen Teilzeit-Ehemann

Prospect, Südaustralien, 1919: Männer sind Mangelware! Viele sind nicht mehr aus dem Krieg heimgekehrt, der Rest wurde von der spanischen Grippe dahingerafft. Den Alltag ohne Mann zu bestreiten, ist für Frauen nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Sie werden von Händlern übers Ohr gehauen, die Bank will ihnen keinen Kredit geben, sie werden Opfer von Erpressung und Gier, während Haus und Hühnerstall dringend einer Renovierung bedürfen. Kurz: Niemand schenkt ihnen Gehör – einfach, weil sie Frauen sind. Diese bittere Erfahrung müssen auch vier Damen aus der Stadt Prospect machen, deren Männer gefallen, verschollen oder als nervliches Wrack aus dem Krieg heimgekehrt sind. Allein auf sich gestellt, beschließen sie einen Mann zu engagieren, der all das tun soll, was ihnen ihre Geschlechterrolle versagt: Er soll Gläubiger einschüchtern, faire Konditionen aushandeln, Bilanzen überprüfen, sich um Pferde kümmern und Farmarbeit erledigen. Daher geben die Damen eine Kontaktannonce auf. Hört sich bereits auf dem Papier schräg an und wird in der Umsetzung noch besser. Ein herrlicher Spaß! Weiterlesen

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Jennifer Kitses: Ein Tag, eine Nacht

Tom ist ein Mann, der einen guten Job in einer Nachrichtenagentur hat und seine Frau Helen und seine beiden dreijährigen Zwillingstöchter über alles liebt. Doch er hat ein gut gehütetes Geheimnis: Mit seiner ehemaligen Chefin Donna hat er eine weitere Tochter, an der er ebenfalls sehr hängt. Nun droht Donna, von der amerikanischen Ostküste nach London zu ziehen, was für Tom die Beziehung zu seinem unehelichen Kind beenden würde. Schwierige Entscheidungen stehen an.

Die US-amerikanischen Autorin Jennifer Kitses zieht in ihrem ersten Roman die Schlinge um ihre beiden Hauptpersonen Tom und Helen immer enger, was beim Leser eine atemlose Spannung fast wie in einem Thriller erzeugt.

Wegen der psychischen Anspannung macht Tom immer mehr Fehler in seinem Job und droht ihn sogar zu verlieren. Er trinkt zu viel und verbringt schließlich den Abend mit einer dritten Frau: Vanessa … Weiterlesen

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Andreas Merkel: Mein Leben als Tennisroman

Der 1970 geborene deutsche Autor Andreas Merkel wagt in seinem neuen Roman „Mein Leben als Tennisroman“ ein literarisches Experiment. Er verquickt zwei Erzählebenen miteinander. Vordergründig geht es um den Ich-Erzähler Arthur Wilkow, der mit seiner Idee hadert, einen Roman über Tennis zu schreiben. Er kommt nicht voran, hat Schreiblockaden, Auseinandersetzungen mit seiner Lektorin und ist meist im Unreinen mit seinem Vorhaben. Weil es bei diesem schreibenden Wilkow einige Parallelen zu Andreas Merkel gibt, darf man wohl davon ausgehen, dass es sich um eine Art Alter Ego handelt.

In dem Roman im Roman ist ein Jugendlicher namens Lenz die Hauptfigur. Er freundet sich mit einem älteren Mann an, der ebenfalls Arthur Wilkow heißt. Im weiteren Verlauf vermischen sich die beiden Ebenen immer mehr miteinander. Eine Dame, die im Roman nur E. heißt und Wilkows Partnerin ist, wirft ihm einmal vor, mit einer Romanfigur zu reden, die es nicht gibt.

Was sich hier möglicherweise wie eine lustige Idee anhört, wird über die 360 Seiten, die der Roman dick ist, irgendwann ermüdend und auch verwirrend. Weiterlesen

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Barney Norris: Hier treffen sich fünf Flüsse

Ein sehr trauriges Buch. Aber verdammt gut. Salisbury ist der Ort in England in dem sich nicht nur die besagten Flüsse treffen, sondern es ist auch der Ort eines Mopedunfalls. Dieses Geschehen wird von unterschiedlichsten Menschen gesehen, erlebt, bewertet oder sogar herbeigeführt. Fünf Schicksale kollidieren, und alle gehen einen eigentümlich nah.

Es ist letztendlich die Eindringlichkeit mit der Barney Norris seine Figuren zeichnet. Ein Roman über Einsamkeit, Alkoholmissbrauch, Projektionen, Träumen aber vor allem kleine und mittlere menschliche Katastrophen, in die man selbst bitte nicht hineintappen will. Aber wir leben alle nicht in Sicherheit und müssen zusehen, wie wir klarkommen. Das Leben ist immer auch Drama!

Barney Norris: Hier treffen sich fünf Flüsse.
DuMont Buchverlag, April 2018.
320 Seiten, Taschenbuch, 11,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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Paolo Giordano: Den Himmel stürmen

Der italienische Physiker und Schriftsteller Paolo Giordano (Jahrgang 1982) wurde mit seinem literarischen Debüt „Die Einsamkeit der Primzahlen“ (Erstveröffentlichung 2008), das auch verfilmt wurde, bekannt. Am 9. Oktober 2018 ist im Rowohlt Verlag der neue Roman „Den Himmel stürmen“ in einer Übersetzung von Barbara Kleiner erschienen. Darin erzählt Paolo Giordano die Geschichte von Teresa, Bern, Nicola und Tommaso. Teresa verbringt jedes Jahr ihre Sommerferien mit ihrem Vater bei der Großmutter im Süden Italiens, in Apulien. Eines Nachts schleichen die drei Jungen auf das Grundstück von Teresas Großmutter und wollen ein Bad im Swimmingpool nehmen. Damit beginnt die Freundschaft zwischen den vier Kindern, die Giordano über Jahrzehnte hinweg beschreibt.

Die Jungen leben auf dem Hof von Nicolas Eltern, Cesare und Floriana. Diese sind sehr gläubig. Teresa ist fasziniert und verbringt fortan ihre Ferienzeit auf dem Hof. Irgendwann verlieben sich Teresa und Bern, der Teresa anzieht und wieder abstößt. Er leiht ihr sein Lieblingsbuch, Calvinos „Der Baron auf den Bäumen“. Bern ist ein Idealist. Teresa beginnt, in ihrer Heimatstadt Turin zu studieren. Die Großmutter stirbt und vererbt Teresa das Haus. Weiterlesen

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