Carsten Steenbergen: Florance Bell und die Melodie der Maschinen

Seit einigen Jahren schon regiert Kaiser Napoleon nicht nur über das französische Reich, sondern ist auch Regent und Herrscher über das ehemalige Britische Reich, das sich seinen Truppen bedingungslos ergeben musste. George IV genießt die Gastfreundschaft einer nett eingerichteten Zelle in Paris, der Conseil du Roi und seine Totenkopf-Kompanie schauen danach, dass die Rebellen in England keinen Fuß auf den Boden bekommen. Dass es Engländern verboten ist, an der Akademie Technologie d´avenir in London zu studieren verhindert so mache Fortentwicklung modernster, dampfbetriebener Errungenschaften.

Florance Bell wuchs, von ihren Eltern verlassen, in einem Londoner Waisenhaus auf. Dass sie eine begnadete Hand für jedwede Maschinen hat, fiel nicht nur den Schwestern im Waisenhaus auf, sondern auch dem französischen Forscher und Erfinder Meistermechaniker Monsieur Pignon, der das Mädchen kurzerhand adoptiert und unter seine Fittiche nimmt.

Mittlerweile ist sie auf Birch Manor eine unerlässliche Hilfskraft des Mechanikers und soll während eines Symposiums einigen der Honoratioren vorgestellt werden. Dass die Rebellen die Gunst der Stunde nutzen, das Anwesen überfallen, Gäste und Gastgeber ausrauben und zudem noch eine aufsehenerregende Erfindung stehlen, war nicht vorgesehen. Noch viel weniger vorgesehen war, dass die naseweise Forance sich inmitten der entwendeten Maschine befindet, als diese mit einem altersschwachen Luftschiff entwendet wird. So findet sich unsere junge Mechanikerin unverhofft inmitten eines bewaffneten Aufstand, eines verräterischen Komplotts und Explosionen wieder – fast schon zu viel Aufregung zumal die französischen  Ordnungskräfte sie nun als Rebellin jagen …

Carsten Steenbergen ist uns als Autor wahrlich nicht unbekannt. Neben Krimis, Thriller und Fantasy-Romanen hat er mit „Steamtown – Die Fabrik“ zusammen mit den Orgels bereits einen Roman vorgelegt, der dem Steampunk zugeordnet werden kann.

Um dies vorwegzunehmen – Florance Bell ist, wenn überhaupt, Steampunk Light. Der Verfasser erzählt uns in erster Linie die Geschichte eines jungen Mädchens in einer alternativen Vergangenheit, in der Napoleon über die Briten triumphiert hat. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die von der Besetzungsmacht ausgebremst, ihr Potential kaum heben kann. Hier lässt der Autor unauffällig aber wirkungsvoll Themen wie Gleichberechtigung, Ausgrenzung oder überkommene Rollenbilder in seine Text einfliessen.

Dabei merkt man diesem an, dass er sich an ein jüngeres Publikum wendet. Die Kapitel sind recht kurz gehalten, es geht hauptsächlich um die dramatischen Geschehnisse, die Figuren bleiben recht oberflächlich. Im Zentrum steht das rasant und abwechslungsreich aufbereitete Abenteuergarn das packend unterhält. Nicht das Schlechteste um ein junges Publikum ans Medium Buch zu ziehen.

Carsten Steenbergen: Florance Bell und die Melodie der Maschinen.
Ueberreuter, August 2021.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 17,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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