Carrie Mac: 100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren

Maeve ist 16 und macht sich Sorgen. Ständig. Und genauso ständig bekommt sie von ihrer Umwelt zu hören: Hör auf damit!. Würde sie gerne, aber es geht einfach nicht. Sie leidet an einer Angststörung, die sie nur gerade so eben im Griff hat. Wenn man mich fragt, ist das die schlimmste Variante von allen. Man funktioniert noch für die Umwelt, wirkt vielleicht ein bißchen freaky, aber innerlich ist man die ganze Zeit angespannt. In Erwartungshaltung. Natürlich nützt das nichts, es kommt nie das, was man erwartet. Man hat nur schon unglaublich viel Kraft für das Sorgen machen verschwendet und die fehlt dann in den echten Katastrophen.

Diesen Sommer soll Maeve bei ihrem Vater und seiner neuen Familie verbringen, weil ihre Mutter für 6 Monate in Haiti Gutes tun will. Zwei sechsjährige Halbbrüder und ein neues Baby ist unterwegs. Maeve mag ihre Zweitfamilie, aber zuerst einmal muss sie hinkommen. Was kann alles passieren auf der Fahrt nach Kanada? Und was kann alles bei der Geburt des neuen Babys passieren? Maeve googelt und bereitet sich vor. Da trifft sie die Musikerin Salix, die vor Nichts Angst zu haben scheint. Und deren Unterstützung braucht sie auch ganz dringend, denn der Sommer beinhaltet noch viele Katastrophen, aber auch viele wunderschöne Momente.

Carrie Mac beherrscht das Show don’t Tell geradezu meisterhaft. Der Leser folgt Maeve in ihre Ängste ebenso tief hinein wie in ihre Glücksgefühle, als sie sich in Salix verliebt. Es ist ein leichter Roman über ein – oder auch mehrere – schwierige Themen. Es ist eine Komödie und doch oft zum Lachen. Für mich hebt sich dieser Roman von den anderen Romanen ähnlichen Themas ab, weil er das Thema und die Protagonistin ernst nimmt. Weil es eben keine Komödie ist. Maeve wird nicht vorgeführt in ihrer Angst, sondern der Leser erlebt es mit. Obwohl es einen großen Teil ihrer Persönlichkeit ausmacht, definiert Maeve sich nicht ausschließlich über ihre Angsterkrankung. Gerade und besonders als Protagonistin des Romans nicht. Das macht der Charme dieser – leider etwas kurzen – Erzählung aus.

Sehr schöner Roman über einen schwierigen Weg.

Carrie Mac: 100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren.
Rowohlt, November 2017.
352 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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