Carrie La Seur: Denn wir waren Schwestern

wirDer wichtige Anruf im Leben kommt meistens zu einem Zeitpunkt, wenn man ihn am wenigsten würdigen kann.
Für Alma ist dieser Anruf an einem Sonntagmorgen. Sie lebt als erfolgreiche Anwältin in Seattle und befindet sich gerade vor einem wichtigen Vertragsabschluss, von dem sich alle Beteiligten einen großen Profit versprechen. Als Belohnung wird Alma die Partnerschaft in der Kanzlei in Aussicht gestellt.
Almas wichtiger Anruf kommt aus dem Polizeipräsidium von Billings, Montana. Gerade sei die Leiche ihrer Schwester gefunden worden. Die Tochter Brittany befinde sich nun beim ermittelnden Beamten. Statt zu reden, habe sie Almas Visitenkarte vorgezeigt.
Hals über Kopf fliegt Alma in ihre Heimat, eine ländliche Gegend, in der jeden jeden kennt. Die Familie, Rassismus, Vorurteile, Drogen, Gewalt, Armut und die Schönheit der Weite und der Berge warten auf sie. Schnell verdichtet sich der Verdacht, ihre Schwester Vicky könnte ermordet worden sein. Aber ohne konkrete Beweise will man an einen Unfall glauben. Gleichzeitig treibt ein aufdringlicher Mann im Auftrag der Minengesellschaft sein Unwesen, um die Schürfrechte der Landbevölkerung abzupressen. Schneller als ihr lieb ist, steht Alma mitten in alten und neuen Konflikten.
Die Autorin Carrie La Seur hat in ihrem Debütroman vor einer interessanten Kulisse Almas Familiengeschichte und ihre ganz spezielle Heimat in den Mittelpunkt gestellt. Fesselnd und glaubhaft beschreibt sie Almas Suche nach der Wahrheit. Bereits in ihrer Jugend haben die beiden Schwestern ihre Eltern bei einem Autounfall verloren hat. Armut und Perspektivlosigkeit treiben Alma in die Fremde. Mit einem Stipendium darf sie andere Wege gehen, als die zurückbleibende kleine Schwester, die bei dem lieblosen Onkel und dessen Frau leben muss. Doch die Geschwister leiden unter ihrer Vergangenheit und sind unfähig, das eigene kleine Glück festzuhalten.
„… Was haben wir bloß getan, dass diese Leute hierhergekommen sind? Das war doch einmal die friedlichste Gegend der Welt.“
„Das war doch immer alles nur Fassade, oder etwa nicht?“ Alma lehnt sich zurück. „Kratz ein paar Schichten ab, und du findest um uns herum überall Gewalt, Blutfehden und Massaker.“ (S. 331)
Fazit: eine kurzweilige Unterhaltung auf hohem Niveau.

Carrie La Seur: Denn wir waren Schwestern.
Insel Verlag, Januar 2015.
344 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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