Brigitte Hellmann (Hrsg.): Mit Kant am Strand

kantSommer, Sonne, seichte Kost? Warum nicht einmal die schönsten Wochen des Jahres damit verbringen, den Geist zu inspirieren und der Seele neue Nahrung zu geben? Für all jene, die sich auch am Meer ein Mehr an literarischem Input versprechen, ist „Mit Kant am Strand – ein Lesebuch für Nachdenkliche“ der ideale Urlaubsbegleiter.

In abwechslungsreich zusammengestellten Beiträgen, von philosophischen Texten über Gedichte und Parabeln zu wissenschaftlichen Abhandlungen, versuchen kluge Geister wie Platon, Buddha, Kant, Schiller, Goethe, Marc Aurel, der Psychologe Karl Jaspers und der Physiker Stefan Klein Antworten auf die großen Fragen zu finden: Was ist der Sinn des Lebens? Woher stammt das Universum? Welche Staatsform ist die beste? Wie finde ich mein Glück?

Moderne Texte ergänzen klassische Schriftstücke und führen deren Gedankengänge fort.  So  schrieb der chinesische Philosoph Liezi bereits 450 v. Chr. darüber, dass sowohl Himmel und Erde den Samen enthalten, aus dem alle Dinge durch Wandlung erzeugt werden. Heute belegt Stefan Klein dies physikalisch: Unser All war ursprünglich noch kleiner als ein Atomkern (!),  bis es sich in einer Milliardstel Sekunde zu astronomischem Maße aufblähte. In seinem Text nimmt der Physiker gleichzeitig die Angst vor dem Weltuntergang, der durch fortwährende Ausdehnung des Universums unmöglich ist. Die Zeit begann mit der Welt, doch sie endet nicht mit dieser.

Eine gewagte Theorie stellt der Text „Abschied vom Ich“ auf: Selbiges gibt es laut Hirnforschung gar nicht. Unser Gehirn schafft im 2. Lebensjahr die Illusion eines Ichs als soziales Konstrukt, während Schizophrene ihr Gehirn in seiner ursprünglichen Konstruktion wahrnehmen.  Zeitlose Tugenden und der Begriff der Schönheit werden literarisch ebenfalls auf den Prüfstand gelegt.
Hierbei kommt der Humor nicht zu kurz. Der Jurist Herbert Rosendorfer nimmt in „Die Demokratie und das Schwimmbad“ den Hallenbad-Fetischismus von profilierungssüchtigen Lokalpolitikern auf die Schippe. In Christian Morgensterns Gedicht „Der Droschkengaul“ setzt dieser den Wissenshunger der Menschen mit seinem Freßsack gleich. Zu den dicksten Brocken, die ganz unten verborgen liegen, dringen Pferd und Mensch kaum vor.

Aha-Erlebnnisse und Schritte zur weiteren Selbsterkenntnis sind in diesem Buch reichlich vorhanden. Es eignet sich natürlich zum ganzjährigen Lesegenuss. Denn „Mit Kant am Strand“ schicken Sie vor allem Ihren Kopf auf Reisen – und Ihre Gehirnzellen werden Purzelbäume schlagen.

Brigitte Hellmann (Hrsg.): Mit Kant am Strand.
dtv, Mai 2016.
192 Seiten, Taschenbuch, 9,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.

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