Brigid Kemmerer: Ein Fluch so ewig und kalt, gelesen von Funda Vanroy

Mit diesem Hörbuch ist mir etwas passiert, was mir schon sehr lange nicht mehr passiert ist: Erst hatte ich schlaflose Nächte, weil ich nicht aufhören konnte zuzuhören. Dann habe ich mir die Folgebände als englisches E-Book geholt. Dann habe ich sie tatsächlich gelesen, beide. Dann habe ich mit dem E-Book des ersten Teils weitergemacht. Und jetzt kann ich es kaum erwarten, dass die deutschen Hörbücher von Teil 2 und 3 endlich rauskommen. Kürzer gesagt: ich bin völlig fasziniert von dieser Story um die (nicht sooo) Schöne und das (wirklich schreckliche) Biest.

Worum geht es? Prinz Rhen durchläuft mit seinem Wachkommandanten Grey zum inzwischen 328. Mal die exakt gleiche Szenerie: Grey besorgt ein Mädchen aus einer Parallelwelt (unserer), nach 3 Monaten verwandelt sich Rhen in ein Monster und tötet was ihm unter die Pfoten kommt. Alle Protagonisten und der Leser erwarten, dass die Liebe des Mädchens zu Rhen den Fluch brechen muss und dass das halt noch nicht passiert ist. Beim 328. Mal läuft von Anfang an alles schief. Statt des Nutte, die er eigentlich im Auge hatte kehrt Grey mit Harper zurück, weil diese ihn während der Entführung angegriffen hat, um dem Mädchen zu helfen. Und Harper verhält sich so gar nicht wie die 327 anderen Mädchen vorher. Sie ist nicht interessiert an den schönen Kleidern, dem Schloß oder daran, Prinzessin zu sein. Sie setzt sich zur Wehr und zwingt Rhen dazu, sich endlich mal nicht mit sich selbst, sondern mit seinem Königreich auseinanderzusetzen. Soweit so wenig neu, es gibt einige neue Aspekte der Geschichte, wie den Schwertkämpfer Grey oder die Tatsache, dass Rhen nicht von Anfang des Zyklus an ein Monster ist, aber die Story an sich ist bekannt.

Was also macht die Faszination dieser „Cursebreaker“-Serie aus? Vom schreibtheoretischen Standpunkt her ist sie nicht mal besonders gut. Es gibt Plotlöcher so tief wie der Grant Canyon (Wieso hat Grey nicht mal versucht, Feuerwaffen aus unserer Welt mitzubringen? Hat niemand, niemand aus der Umgebung je gemerkt, dass der Herbst um das Schloß nie zu Ende geht? Wie können über 300 Mädchen in Washington in 5 Jahren verschwinden (und zum Teil wiederauftauchen), ohne dass das mal auffällt?). Aber gerade das scheint dieses Buch nur umso besser zu machen. Vielleicht weil es dem Leser Platz für Fantasie und Weiterträumen lässt. Dazu kommen drei absolut begeisternde Protagonisten, die alle auf ihre eigene Weise von Anfang an gebrochen sind und sich während des Romans stetig entwickeln. Die Art und Weise, auf die  sie sich einander vorsichtig annähern, versuchen die Welt des Anderen nach und nach zu begreifen oder zumindest zu akzeptieren, enthält viel Potential für wirklich wichtige Erkenntnisse und das weiß Brigid Kemmerer zu nutzen: „Scheitern ist nicht absolut. Nicht jeden retten zu können, heißt nicht, nicht wenige retten zu können“; „The choices we face may not be the choices we want, but they are choices nonetheless”.

Keiner der Protagonisten ist eindimensional. Brigid Kemmerer spielt auf der Klaviatur der Charakternuancen und sie macht das richtig, richtig gut. So überraschen die drei nicht nur einander immer wieder, sondern auch den Leser. Trotzdem sind ihre Handlungen nie unglaubwürdig, sondern durchaus logisch, wenn auch oft völlig unerwartet. Dadurch bleibt die gesamte Handlung spannend, und läuft nicht nur auf die Frage hinaus, wie es wohl ausgeht, sondern auch auf die Frage: wie es wohl passiert, dass es so ausgeht.

Fazit: Überaus empfehlenswert

Brigid Kemmerer: Ein Fluch so ewig und kalt, gelesen von Funda Vanroy.
Sound Neverrest UG, April 2021.
Download, Ungekürzte Fassung, 14 Stunden und 37 Minuten.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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