Brian McClellan: Die Götter von Blut und Pulver: Sünden des Imperiums

Brian McClellan hat mit seinen Powder-Mage Büchern (eine Trilogie sowie zwei Bände mit Erzählungen und Novellen) für Furore gesorgt. Eine Welt, die an das Napoleanische Reich erinnert mit Begabten, die mittels Pulver ihre Kräfte steigern und im scheinbar ewig währenden Krieg Schlachten entscheiden und Reiche retten können, hat auch deutschsprachige Leser begeistert. Nun legt der Autor den ersten Band einer weiteren Trilogie vor, die er in derselben Welt angesiedelt hat. Allerdings wechselt er geschickt den Handlungsort – sprich, McClellan entführt uns auf einen anderen Kontinent.

Schon einmal begleiteten wir Taniel Zweischuss auf den südlich gelegenen Kontinent und erfuhren, wie er den einheimischen Palo bei ihrem Befreiungskampf gegen die das Land besetzenden Kaz entscheidend half. Inzwischen wurden diese ins Meer zurückgetrieben, die Besatzer aber sind die indigenen Völker nicht losgeworden. Die junge Nation Fatrasta hat sich mit einer Kanzlerin und einem Geheimdienstchef an der Spitze in Landfall breitgemacht, die Palo unterjocht und den Reichtum des Landes für sich in Besitz genommen.

Als eine alte Frau der Palo die verfeindeten Stämme eint, und die Einheimischen drohen, die Besatzer aus ihrem Land zu werfen, ist die fragile Machtbalance erheblich gestört. Die Kanzlerin ruft ein Söldnerheer nach Landfall, um die drohende Rebellion aus den Greenfire-Tiefen aufzuhalten. Währenddessen machen sich Forscher aller Richtungen gen Landfall auf. Bei einer Grabung stieß man auf eine Stele auf der Schriftzeichen angebracht sind, die auf göttlichen Einfluss zurückzuführen sein könnten. Ist es wahr, kommen die Götter zurück?

Und warum schwimmt plötzlich und höchst unerwartet eine ganze Flotte des verschollenen Dynize-Reiches vor Landfall? Als die ursprünglichen Herrscher des Kontinents angreifen, müssten Feindschaften und Ressentiments zurückstehen – es geht um das Überleben der jungen Nation. Doch, wie kann es anders sein, auch in diesen Zeiten kochen viele ihr eigenes Süppchen …

Was war das für eine tolle, innovative Trilogie, die uns Brian McClellan mit seinen Powder-Mage-Chroniken anbot. Schießpulver, Magie, Verrat, deduktische Ermittler und Götter, die sich aktiv, unter anderem als Koch kulinarischer Köstlichkeiten für die schlachtmüden Soldaten einbrachten – die Trilogie, sowie die beiden an diese anschließenden Sammelbände mit Erzählungen lasen sich in einem Rutsch durch.

Würde es dem Verfasser gelingen, die selbst gelegte hohe Hürde erneut zu erreichen, fragte ich mich zu Beginn der Lektüre? Nun, McClellan macht vieles richtig. Er präsentiert uns mit dem südlich gelegenen Kontinent ein anderes Setting, neue Figuren und eine zunächst zwar unterhaltsame, aber nicht wirklich mitreißende Handlung.

Aus Sicht dreier Erzähler – der bereits bekannten Vlora – Ex-Frau von Taniel -, des Spions Michel und des riesenhaften Ulanen-Krieger Styke – berichtet er uns vom Leben in Landfall, vom riesigen Greenfire-Ghetto der Palo und von den Intrigen und der bevorstehenden Revolution. Das erinnert vom Figurenkabinett an die erste Trilogie, wobei der Spion kein Ermittler ist, dies auch nicht sein will, wohl aber in diese Rolle gedrängt wird. Auch die anderen Figuren im Zentrum unserer Aufmerksamkeit erinnern ein wenig an das Bekannte. Später gibt es dann noch ein Wiedersehen mit weiteren bekannten Figuren – mehr soll hier der Spannung halber nicht verraten werden. Und es gibt, natürlich wieder eine Schlacht.

Im letzten Viertel des Romans zieht der Verfasser das Tempo aber auch so etwas von an – aber hallo, da ist sie plötzlich wieder, die Faszination, die die ersten Trilogie so ausgezeichnet hat. Auf dem Weg dahin hat der Plot ein wenig an Tempo verloren, so manche Abzweigung genommen, die sich letztlich als unnötig erwies, meine Geduld ein klein wenig strapaziert. Doch dann macht McClellan alles wieder wett. Zusammen mit unseren magische Begabten geht es in die eigentlich kaum zu gewinnende Schlacht – und wieder verblüfft er mit intelligenten Wendungen, jeder Menge überraschender Offenbarungen und Schlachten, in denen nicht das Leid und der Tod im Mittelpunkt stehen, sondern die Figuren, ihre Interaktion und der letztlich clevere Kniff, mit dem der Autor seine Erzähler überleben lässt – ein Sieg sieht anders aus, aber das war bei Brian McClellan ja schon seit jeher so.

Leser, die die Powdermage-Chroniken genossen, werden auch diesen Roman, nach einer gewissen Durststrecke lieben, Neueinsteigern ins Universum des Brian McClellan sei auf jeden Fall die erste Trilogie vorab zu empfehlen.

Brian McClellan: Die Götter von Blut und Pulver: Sünden des Imperiums.
Aus dem Englischen übersetzt von Johannes Neubert.
Cross Cult, März 2022.
784 Seiten, Taschenbuch, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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