Brian Flynn: Die Morde von Mapleton (1929)

Wie überaus entspannend, wie wohltuend geruhsam. Ein Krimi ohne ständige Handytelefonate, ohne hektische Facebook-Postings, ohne Schießerei und Autojagd. Und ohne einen physisch oder psychisch angeschlagenen Ermittler.

Dieser im Original 1929 erschienene Weihnachtskrimi ist einer aus einer Reihe von Kriminalromanen von Brian Flynn (1885-1958) um die Ermittlerfigur Anthony Bathurst. Ein klassischer whodunnit im Agatha-Christie-Stil. Das heißt mit all den Stereotypen: arroganten Angehörigen der upper-middle-class, undurchschaubaren Geistlichen, ehemaligen Soldaten, entlassenen Sträflingen und zartbesaiteten Damen und Dämchen.

Während der Weihnachtsfeier auf dem Landsitz von Sir Eustace Vernon wird erst der Butler und danach auch noch der Gastgeber ermordet aufgefunden. Der zufällig gemeinsam mit dem Polizeichef vorbeikommende Ermittler – eben jener Anthony Bathurst – folgt daraufhin seiner offensichtlich stets erfolgreichen Spürnase. Diese führt ihn auf all den unübersehbar ausgelegten Spuren und dank seiner genialen Kombinationsgabe natürlich am Ende zum Täter. Hierbei bleibt, auch das ein typisches Stilmittel jener Zeit, in der der Roman entstand, vieles, was der Ermittler herausfindet, für den Leser lange verborgen. Am Ende, wie in so vielen Kriminalromanen dieser Epoche, versammeln sich alle am Tatort und der Ermittler präsentiert den Täter auf dem Silbertablett.

Man muss sich einlassen auf diesen Roman, das Tempo ist beschaulich, die Beschreibungen und Begebenheiten wirken aus dem heutigen Blickwinkel teilweise geradezu amüsant. Aber es macht Spaß, den Krimi von Brian Flynn zu lesen. Man kann sich an der Sprache ergötzen, über die geschraubten Dialoge schmunzeln und die vornehmen Ausdrucksweisen bewundern. Der Roman wirkt wie aus der Zeit gefallen, wie nicht so wirklich in unsere Zeiten passend.

Die Übersetzung stammt von Barbara Först. Ein paar Kleinigkeiten, wie Bezeichnungen, die zur Zeit der Handlung (und der Entstehung) des Romans noch nicht verwendet wurden, haben mich ein wenig gestört, ohne aber das Lesevergnügen wirklich zu mindern.

Brian Flynn: Die Morde von Mapleton (1929).
DuMont Buchverlag, September 2019.
318 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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