Brendan Behan: Borstal Boy (1958)

Brendan Behan wurde 1923 im irischen Dublin geboren. Sein Vater war Anstreicher und Gewerkschafter, er wurde mehrfach wegen seiner politischen Aktivitäten inhaftiert. Mit 16 Jahren trat Brendan Behan der IRA bei und wurde beinahe umgehend bei einem Anschlagsversuch mit Sprengstoff in Liverpool verhaftet. Drei Jahre verbrachte er in einer englischen Besserungsanstalt, einem „Borstal“, in Suffolk. Über diese Zeit schrieb er den autobiografischen Roman „Borstal Boy“, der 1958 im Original erschien. In Deutschland wurde er 1963 erstmals veröffentlicht. Kiepenheuer & Witsch haben am 10. Januar 2019 eine Neuauflage des irischen Klassikers in einer Taschenbuchausgabe herausgegeben. Curt Meyer-Clason übersetzte den Roman aus dem Englischen. Behan Brendan starb 1964 mit nur 41 Jahren an jahrelangem Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

Der erste Teil von „Borstal Boy“ beginnt mit der Verhaftung von Brendan Behan in einer Liverpooler Pension. Dort sollte er für die IRA einen Sprengstoffanschlag in den Docks durchführen. Zunächst landet er in Untersuchungshaft. Und schon dort schließt er Freundschaft mit anderen Inhaftierten, wie z.B. Charlie aus Croydon und Rotschopf. Sie versuchen sich den langweiligen Gefängnisalltag angenehmer zu gestalten. Sie teilen ihre Zigaretten, singen Lieder und quatschen. Behan leiht sich Bücher in der Gefängnisbücherei aus, er kauft den „Daily Herald“ und  die „News of the World“, außerdem nimmt er an der sonntäglichen römisch-katholischen Messe teil, obwohl er exkommuniziert wurde. Die Häftlinge nähen Postsäcke. Die englischen Gefängniswärter behandeln Behan, der von nun an „Paddy“ genannt wird, unterschiedlich gut. Manche lassen ihrer Missachtung für die Iren freien Lauf, andere verhalten sich respektvoll. Das Jugendgericht verurteilt Behan zu drei Jahren Besserungsanstalt.

Er kommt mit Charlie und Rotschopf zunächst in das Sammellager Feltham, um dann nach Hollesley Bay verlegt zu werden. Hollesley Bay ist eine offene Anstalt, und die Jungen arbeiten zunächst in der Gärtnerei. Später erhält Behan dann eine Arbeit als Maler. Der dritte Teil von „Borstal Boy“ beschreibt den Alltag in der Besserungsanstalt und das Zusammenleben der Jugendlichen. Am Ende der dreijährigen Anstaltszeit wird Brendan Behan aus Großbritannien ausgewiesen und mit dem ersten Schiff nach Irland zurück geschickt.

„Borstal Boy“ gilt als Brendan Behans bekanntestes Werk und hat in Zeiten eines ungeklärten Brexits und seinen Auswirkungen auf die irisch-nordirische Grenze einen höchst aktuellen Bezug. Befürchtungen über ein Wiederaufflammen der kriegerischen Auseinandersetzungen, wie in Zeiten der „Troubles“, sind nicht erst seit der Explosion einer Autobombe im nordirischen Londonderry im Januar dieses Jahres berechtigt.

Der Roman war in Irland zunächst verboten. Die Darstellung von Homosexualität und die kritische Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche in „Borstal Boy“ waren nicht erwünscht. Heute zählt der Roman zu den Klassikern der irischen Literatur. Brendan Behan brach die Schule früh ab, wurde IRA-Aktivist und arbeitete später, wie sein Vater, als Anstreicher. Seine Texte schrieb er auf Englisch und Irisch. Er ließ Umgangssprache, Dialekte, Liedtexte und die realen Lebensbedingungen in seine Arbeiten einfließen. Sein Stil pägte die neue irische Literatur. Brendan Behan war für seinen Humor, seine Trinkfestigkeit und seine Sangeslust bekannt.

„Borstal Boy“ ist keine traurige oder deprimierende Geschichte eines jugendlichen Straftäters, sondern ein lebensbejahendes, liebevolles Buch über eine raue und harte Zeit. Und das macht es zu einem Leseerlebnis auch noch im Jahre 2019.

Brendan Behan: Borstal Boy (1958).
Kiepenheuer&Witsch, Januar 2019.
496 Seiten, Taschenbuch, 12,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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