Benjamin Monferat: Der Turm der Welt

turmFrankreich, 1889: Die in Paris stattfindende Weltausstellung neigt sich dem Ende zu. Besucher und Teilnehmer aus aller Welt versammeln sich in Scharen am Fuße des Eifelturms. Doch der Pariser Geheimdienst betrachtet dies mit gemischten Gefühlen. Nur wenige Tage zuvor wurden zwei ihrer Agenten inmitten der Ausstellung tot aufgefunden, beide auf die Zeiger einer riesigen Uhr aufgespießt. Fünf vor zwölf. Das war die Uhrzeit, die die Zeiger zu diesem Zeitpunkt anzeigten. Fünf vor zwölf ist es auch für Paris. Etwas Erschütterndes steht bevor, das spüren zumindest die Eingeweihten. Und je näher die Abschlussveranstaltung der Weltausstellung rückt, umso nervöser wird die Stimmung …

Wer Benjamin Monferats „Welt in Flammen“ kennt, der weiß bereits Bescheid, wie der Hase in seinen historischen Romanen läuft. Ähnlich wie beim ersten Titel ist auch hier die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven der handelnden Personen beschrieben und in meist sehr kurze, aber knackige Kapitel verpackt. Einmal folgt man der Grand Dame des Pariser Adels oder deren Tochter, dann einem Deutschen, der nicht nur in offizieller Mission unterwegs ist, einem Pariser Fotograf, einer Art Edelprostituierten … die Liste der Handelnden ist lang, aber dennoch nach einigen Kapiteln übersichtlich. Monferat, der sonst unter dem Namen Stephan M. Rother Thriller verfasst, gelingt es dabei, die Fäden perfekt zu spinnen. Es entsteht in teils verwirrendes, aber ebenso geniales Netz, das am Ende Sinn ergibt und die Verbindungen zwischen allen Figuren perfekt zieht.

Hinzu kommt eine wirklich tolle Atmosphäre, in der das Paris der Vergangenheit lebendig wird. Durch die sehr unterschiedlichen Positionen der verschiedenen Figuren lernt man Dinge über jede Gesellschaftsschicht und auch über die Machtspiele der Länder untereinander. Es entsteht ein fesselnder, sehr gelungener Mix an Unterhaltung und Spannung. Das 700 Seiten starke Werk lässt die Zeit wie im Flug vergehen und es ist kaum möglich, es auch nur einen kurzen Moment aus der Hand zu legen.

Mal wieder ein genialer Streich des talentierten Autors! Bei „Der Turm der Welt“ ist für jeden Geschmack etwas dabei und Fans ungewöhnlicher historischer Romane werden dieses Werk lieben.

Benjamin Monferat: Der Turm der Welt.
Wunderlich, August 2016.
704 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

 

 

 

 

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