Benedict Mirow: Die Chroniken von Mistle End 01: Der Greif erwacht

Cedrik hat es nicht leicht gehabt, in seinem Leben. Seine Mutter ist bei seiner Geburt verstorben, der Vater fand das Baby in einem Korb vor der Haustür. Seitdem zieht er seinen Sohn in einer etwas chaotischen, aber liebevollen Männerwirtschaft auf. Als der Vater seinen Job im „Königlichen Museum für Fabelwesen“ verliert, muss er sich einen neuen Broterwerb suchen. Er nimmt eine Stelle als Grundschullehrer im Schottischen Mistle End an – einem Ort, der kaum auf einer Karte verzeichnet ist, an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Kaum in dem abgelegen situierten Dorf angekommen, merkt Cedrik sofort, dass es hier etwas komisch zugeht. Zwar findet er in einem Geschwisterpaar schnell Freunde, ein Junge, der ihn mobbt, ist leider auch mit von der Partie – aber irgendetwas stimmt hier nicht. Nachts, in seinen Träumen begegnet ihm ein Greif, ein Wolf verfolgt ihn – bis er merkt, dass er in einem Dorf gelandet ist, in das sich die magischen Wesen vor der Inquisition zurückgezogen haben.

Gestaltwandler, Hexen und Elben geben sich hier ein Stelldichein – und Cedrik ist mittendrin. Als „normaler“ Mensch, wie er zunächst meint, doch dann entpuppt sich sein Traum Greif als höchst real und verlangt, dass er eine Prüfung ablegt. Mit dieser soll geprüft werden, ob er in die friedliche Gemeinschaft passt und was seine magischen Fähigkeiten sind.

Dass es just, als Cedrik und sein Vater sich der Dorfgemeinschaft anschließen zu Angriffen und Unfrieden kommt, ist verdächtig. Als Cedrik sich bei der Prüfung als Druide erweist, ist das Erstaunen groß. Die Druiden haben sich vor Generationen aus der magischen Gemeinschaft zurückgezogen – ihre überragenden Kräfte können in einem Konflikt entscheidend für den Ausgang sein. Als es zum Unfrieden im Dorf kommt, sich die Dornenhexen aus der Gemeinschaft lösen, liegt der Verdacht nahe, dass der Neue dafür verantwortlich ist. Wenn es da nicht noch …

Lassen Sie mich beim Äußeren beginnen – Max Meinzold, seines Zeichens einer der beständigsten Cover-Illustratoren im phantastischen Jugendbuchbereich, hat sich selbst übertroffen. Das Cover hat vom Verlag einen runden Ausschnitt gespendet bekommen, durch den man einen Einblick in die farbenprächtige Darstellung des Greifen erhält. Das ist ein Hinschauer erster Güte, wirkt toll und weckt das Interesse des potentiellen Käufers.

Inhaltlich wartet wenig Neues auf den Rezipienten. Vergleichbare Geschichten haben wir über die Jahre viele gelesen. Marke, Junge kommt in magisches Dorf, muss sich zunächst zurecht finden, entdeckt dann seine Fähigkeiten und greift entscheidend in einen Konflikt ein. Dabei schreibt Benedict Mirow aber sehr flüssig zu lesen und nimmt uns mit seinen – wenigen – Figuren für sich und seinen Plot ein. Die Beschreibung des Dorfes ist gelungen, man sieht sich förmlich durch die Gassen streichen, die alten Gebäude bewundern. Auch die Darstellung der Gestalten ist gelungen. Wir haben hier Heranwachsende, die sich altersgerecht verhalten. Sie sind überschwänglich, dann wieder unsicher, es gibt Konflikte mit den Erwachsenen aber auch untereinander – hier finden sich die jugendlichen Leser gut wieder. Sprachlich bietet sich der Roman eher einfach an, eben der Zielgruppe angemessen.

Als Fazit bleibt, dass das Äußere des Buches ein echter Hingucker ist, inhaltlich den Leser bekannte Kost erwartet, die sich ansprechend und handwerklich solide anbietet.

Benedict Mirow: Die Chroniken von Mistle End 01: Der Greif erwacht.
Thienemann Verlag, Juli 2020.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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