Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London 11: Die Silberkammer in der Chancery Lane

Eigentlich ist Peter Grant ja nun wirklich mit anderen Sachen beschäftigt. Dingen wie etwa in die Geburtsvorbereitung zu gehen, zu lernen, wie man – besser gesagt Flussgöttin – bei Wehen richtig atmet, schließlich steht die Geburt ihrer Zwillinge kurz bevor. Doch dann kommt es wieder einmal ganz anders als gedacht.

Menschen werden ermordet. Nun ist die bedauerlicherweise nicht wirklich etwas, das sonst nie vorkommt. Doch vorliegend scheint die Täterin ein Engel komplett mit Heiligenschein und blitzschleudernder Lanze zu sein. In den Körpern, deren Wunden kauterisiert sind – ich erwähnte den Blitz aus dem Speer? – fehlt das Herz und irgendwie scheinen Platinringe auch eine Rolle zu spielen. Nach und nach kommen unsere Ermittler in Sachen magischer Verbrechen bei der Suche nach der Täterin und dem Motiv weiter. Dabei geht es tief in die Vergangenheit – ich sage nur der zweite Weltkrieg und die Spanische Inquisition -, es geht um einen kirchlichen Studentenkreis und eine den magischen Schmieden entwendete Lampe. Den Rest dürfen Sie mal selbst nachlesen – einmal mehr lohnt es sich …

Mit vorliegendem Band setzt Ben Aaronovitch seine Reihe um den dunkelhäutigen Ex-Bobby und Neu-Detective Peter Grant vom Folly, der Spezialeinheit für magische Verbrechen fort. Schon im vorhergehenden Band hat der Verfasser seine Reihe auf ein neues Grundgerüst gestellt. Nicht länger ist Peter Grant nur der Stichwortgeber und Steigbügelhalter für Nightingale, lang schon hat er eine tragendere Rolle übernommen. Dank seines Studiums hat er sich Wissen und Fähigkeiten angeeignet, kann sowohl bei den Ermittlungen als auch als Ausbilder glänzen.

Und Aaronovitch fährt auf, was bekannt, beliebt und erprobt ist. Das Folly selbst spielt eine gewisse Rolle, es geht in die Historie der magisch Begabten in England, Nightingale greift auch wieder mehr ins Geschehen ein und auch andere alte Bekannte – die sprechenden Füchse, der Goblinmarkt und seine Ex-Kollegin Lesley – sorgen für Dramatik. Neuleser aber werden sich ein wenig schwer tun. Vieles wird inzwischen vorausgesetzt, immer wieder kommt es zu Verweisen und Rückschauen auf frühere Geschehnisse und auch die Kenntnis um die magische Welt per se sowie die Geschichte des Folly sollte bekannt sei. Fans der Serie werden den Roman lieben. Temporeich erfahren wir hier mehr von Nebenfiguren, machen einen Ausflug nach Manchester, lernen die Söhne – vorliegend eigentlich Töchter – Wielands, die magischen Schmiede kennen.

Die Handlung verlässt immer wieder London, was dem Plot gut tut. Allerdings packt der Autor fast zu viel zwischen seine Cover. Man hat bei der Lektüre das Gefühl, dass Aaronovitch von seinen eigenen Ideen mitgerissen wurde. So manches wurde angerissen, ohne, zumindest in diesem Roman, dann letztlich wirklich genutzt zu werden, so mancher Schlenker war letztlich unnötig. Auch die sozial-kritischen Untertöne treten vorliegend ein wenig in den Hintergrund, müssen sich den vielen Ideen und der rasanten Handlung voller unerwarteter Wendungen beugen.

Dennoch, ein neuer Peter Grant Titel ist immer ein Grund sich als Leser (m/w/d) zu freuen. Die Lektüre ist gerade für Kenner der Serie wegen der viele Reminiszenzen und Gastauftritte ein Selbstläufer. Man wird ebenso tempo- wie abwechslungsreich unterhalten, findet sich als erfahrene Leserin und Leser in der Welt gut zurecht und möchte natürlich wissen, wie es weitergeht. Doch da wird es noch ein klein wenig dauern, erscheint dieser Roman in der dtv Ausgabe doch dankenswerterweise zeitgleich mit dem britischen Original.

Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London 11: Die Silberkammer in der Chancery Lane.
Aus dem Englischen übersetzt von Christine Blum.
dtv, April 2022.
416 Seiten, Taschenbuch, 15,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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