Barbara Kunrath: Geteilt durch zwei

Als die 40-jährige Nadja in einer Radiosendung die Stimme einer Steuerberaterin hört, kann sie ihren Ohren kaum trauen: Die Frau klingt haargenau wie sie und ihre Tochter Lena! Nadja meldet sich bei dem Sender und darf zu Pia Kontakt aufnehmen und tatsächlich stellt sich Pia als ihre Zwillingsschwester heraus. Bei wurde von verschiedenen Familien adoptiert und um ihre leiblichen Eltern ranken sich viele Geheimnisse. Gemeinsam begeben sich die beiden Frauen auf die Suche nach ihren Wurzeln und stellen bald fest, dass es um viel mehr geht als um diese.

Zu Beginn des Romans lernt man eine Nadja kennen, der ein Stück ihrer eigenen Persönlichkeit fehlt. Schon immer fühlte sie sich seltsam leer und auf der Suche nach etwas, ohne genau zu wissen, worum es sich dabei handelt. „Ich war ein Zwilling.“, stellt sie dann bald nach Beginn des Romans fest, „Etwas Halbes. Ein Teil von einem Ganzen. Ich allein war so unvollständig, wie ich mich immer gefühlt hatte.“ (Zitat 2. Kapitel) Man spürt ihre Erleichterung, dass die Suche nach dem Unbekannten mit dem Auftauchen von Pia ein Ende hat. Wobei mir das Finden von Pia fast zu leicht ging. Nadja hört Pia in einer Radiosendung, ruft beim Sender an und darf sie schließlich kontaktieren. Und schwupps, da ist Pia! Zum Glück macht die Autorin es ihrer Protagonistin, aus deren Sicht die Geschichte auch nicht einzig und allein erzählt wird, im weiteren Verlauf der Geschichte nicht mehr ganz so einfach. Nadja sucht schnell nach Gemeinsamkeiten mit ihrer von ihr seit 40 Jahren getrennten Schwester. „Wo waren unsere Schnittmengen? Was hatten wir noch, außer einer gemeinsamen DNA?“ (Zitat Kapitel 2) Also geht die Suche weiter, die Suche nach Gemeinsamkeiten, nach Verbindungen und schließlich nach Wurzeln und Vergangenheit.

Die Suche nach der Wahrheit über die Vergangenheit der Schwestern bestimmt die zweite Hälfte des Romans und hier wird „Geteilt durch zwei“ dann so richtig gut. Szenen aus der Vergangenheit werden von anderen Personen aufgegriffen und nacherzählt. Dadurch wurde der Roman in meinen Augen erst richtig lebendig und stark aufgewertet. Die Tante der Schwestern, die Vermieterin ihrer Mutter (Post mortem) und schließlich ihr Vater kommen unter anderem zu Wort.

Nach ruhigem Beginn ein richtig guter Roman über Wurzeln und Gemeinsamkeiten in Familien. Schön zu lesen!

Barbara Kunrath: Geteilt durch zwei.
Ullstein, Dezember 2019.
400 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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