B. Hennen & R. Corvus: Die Phileasson Saga 06: Totenmeer

Ein Gottesurteil soll es bestimmen, wer denn den Ehrentitel „König der Meere“ verdient tragen darf. Wird es der Foggwulf Asleif Phileasson oder inzwischen einäugige Beorn Asgrimmson, genannt Beorn der Blender sein, der die Umrundung des Aventurischen Kontinents und die Bewältigung von zwölf Questen für sich entscheiden kann? Die Zeit und die Abenteuer werden es weisen, das Wohl!

Mittlerweile haben unsere beiden Kapitäne und ihre jeweilige Mannschaft schon einige Abenteuer überstanden. Sie waren in den ewigen Gefilden des Eises, in dem sie einen vergessenen Elfenturm fanden, reisten durch Dschungel und Wüsten. Mittlerweile sind sie wieder in ihrem Element – soll heissen, das Meer, das sie alle lieben, hat sie wieder. Beon hat sich einen Vorsprung erschlichen, auch, weil er sich nie scheut, seinem Konkurrenten zu behindern wo er kann. Tödliche Anschläge sind verboten, doch Überfälle von Banditen oder Gerüchte, die die Obrigkeit dazu anleiten, sich dem Foggwulf und seiner Ottajasko misstrauisch gegenüber zu zeigen ist ein probates Mittel, den Widersacher zu bremsen. Nicht zu vergessen, dass er statt eines Orakels eine uralte Zauberin zu seiner Mannschaft zählen kann, die schon dafür sorgen wird, dass er die Queste heil überstehen wird.

Diese führt unsere beiden Kapitäne ins Saragossameer, das Seefahrer aller Nationen nur respektvoll das Totenmeer nennen. Hier, inmitten eines riesigen Gebiets treibt ein Tangfeld, in das die Strömung seit Jahrhunderten Schiffe hineintreibt. Die havarierten Schiffe und ihre untoten, verfluchten Besatzungen wissen ein Lied vom Schicksal der Seefahrer die hier stranden zu singen. Beon wie Asleif suchen einen Kelch und stoßen dabei auf einen Zauberer, der mittels dunkler Magie seine eigenen Wesen erschafft, auf alptraumhafte Monster, Seebewohner, die hungrig nach ihrem Fleisch sind und nicht zuletzt auf die Chance Rache zu nehmen.

Zidaine, die Frau, die als junges an der Küste gestrandetes Mädchen über Monate missbraucht wurde, jagt einen ihrer damaligen Peiniger …

Vorhang auf zum sechsten von projektierten zwölf Bänden der Saga aus Aventurien. Mittlerweile hat der Zyklus Kultstatus, auch, weil die beiden Autoren nicht nur verflixt gut zu fabulieren wissen, das wohl, sondern auch kräftig bei diversen Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet Werbung für ihre Romanreihe machen. Die optisch sehr gelungene Ausstattung, die Heyne dem Buch angedeihen lässt, wirkt sich an der Kasse der Buchhandlungen sicherlich auch verkaufsfördernd aus. Zu erwähnen ist noch, dass bei Ulisses eine limitierte, teilweise signierte großformatige Liebhaberausgabe der Bücher aufgelegt wird.

Wenden wir uns dem Inhalt des Bandes zu. Es wird düster, fast könnte man in manchen Szenen meinen, man hätte statt eines Fantasy-Schmökers – im positiven Sinne versteht sich – einen Horror-Roman in der Hand. Geister und dunkle Magie, Zauberer und Menschen, die sich zu Göttern aufschwingen, Verfluchte und Untote wohin des Lesers Blick auch schweift. Dark Fantasy stand hier ganz eindeutig Pate, und die beiden Autoren machen das sehr gut. Atmosphärisch dicht fabulieren sie, beleuchten immer wieder andere Figuren der beiden Mannschaften, führen neue Handlungsträger ein und lassen einige Begleiter abtreten. Dabei fiel mir auf, dass, gerade im Vergleich zu den ersten Bänden, Beon inzwischen wesentlich sympathischer angelegt ist.

Das Tempo bleibt hoch, die Faszination angesichts der vielen Gefahren denen unsere Helden ausgesetzt sind auch, so dass man das Buch nach der Lektüre befriedigt zuklappen kann – und ungeduldig auf die weiteren Questen wartet.

Bernhard Hennen & Robert Corvus: Die Phileasson-Saga 06: Totenmeer.
Heyne, November 2018.
672 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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