Karl Olsberg: Boy in a Dead End

Stephen Hawking hatte die Krankheit und wurde über siebzig Jahre alt. Manuel hat sie auch, und sie zersetzt seinen Körper systematisch. Nur viel, viel schneller. Die Ärzte geben ihm noch ein halbes Jahr Lebenszeit. Was macht ein überdurchschnittlich kluger Junge von 15 Jahren, wenn für ihn nichts mehr eine Rolle spielen soll?

Als sein Vater mit der Idee nach Hause kommt, er könne sein Gehirn scannen und alle gelesenen Informationen auf einen Hochleistungscomputer übertragen lassen, klingt dies wie eine Verheißung. Manuel würde als Datenpaket in einer virtuellen Welt überleben. Der Firmeninhaber und Milliardär spricht sogar von dem ewigen Leben. Seine Firma, die ihm dieses Angebot scheinbar selbstlos unterbreitet, verkauft gerade das beliebteste Onlinespiel aller Zeiten. Die Forschungsabteilung lädt Manuel ein, als Proband die neue Version auszuprobieren und alle Tools zu testen. Wenn er den Spezialanzug trägt, fühlt Manuel seinen Körper wie früher, als er noch laufen und seine Arme bewegen konnte. Ohne Vorwarnung werden seine letzten Lebensmonate zu einem Abenteuer, das nicht nur angenehme Überraschungen für ihn bereit hält. Weiterlesen

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Lucas Vogelsang & Joachim Król: Was wollen die denn hier?: Deutsche Grenzerfahrungen

Ich kann mir nicht helfen, aber so langsam komme ich auch zu der Überzeugung, dass es vor 30 Jahren nichts anderes war als eine Art feindliche Übernahme, oder auch eine Annektion der DDR. Heute im Rückblick bleibt mir fast die Spucke weg, wenn ich darüber nachdenke, wir wenig ich selbst darüber nachgedacht habe, was das alles für die Menschen dort bedeutete. Mir war „Dunkeldeutschland“ eigentlich immer relativ egal, auch die Maueröffnung habe ich, soweit ich mich noch erinnere, relativ emotionslos erlebt. Am 9. November 1989 saß ich in einem Konzert von (ausgerechnet) Franz Josef Degenhardt, der, wie wir alle wissen, sicherlich sprachlos ob der Entwicklung in „seiner“ DDR war und trotzdem eisern seine Nummern spielte und sich wahrscheinlich abends mit Valpolicella zugedröhnt hat. In der Nachwendezeit hatte ich jahrzehntelang Mühe, die „neuen Bundesländer“ aufzählen zu können und erst heute kann ich sie fehlerfrei geographisch zuordnen. Ebenso die Städte, deren Lage ich aber schlimmer Weise nahezu ausschließlich über die Neonazi – und Pegida Beklopptheiten zu finden lernte. Warum diese lange Einleitung? Es geht doch um dieses wunderbare Buch „Was wollen die denn hier?“ Diese, sagen wir Reportage, glänzt schon allein durch seine Produktion: der eine ein Schauspieler, der sich einen Wunsch erfüllt, der andere der leise, lyrisch Beobachtende der jeweiligen Szenerie. Und die führt uns über das Ruhrgebiet bis an die Ostsee. Thema ist die Begegnung mit Menschen, die allesamt in der DDR aufgewachsen sind, aber die den Mauerfall und ihre Zeit davor und danach aus unterschiedlichen Perspektiven bewerten. Weiterlesen

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Jennifer Estep: Elemental Assassin 12: Spinnenfunke

Die Fehde zwischen den Monroes und den Biancos schwelt schon lange – sehr, sehr lange. Mab Monroe, hat nicht nur die Verwandten von Gin gnadenlos mit Hilfe ihres Feuerelementars ermordet, sie hat über Jahrzehnte auch das organisierte Verbrechen in Ashland beherrscht.

Erst als Gin Bianco, vielleicht besser bekannt als die legendäre Auftragskillerin die Spinne, sie ermordete, kehrte wieder ein wenig Ruhe ein. Jetzt ist Mabs Tochter zurück und macht sich auf, das Erbe ihrer Mutter anzutreten. Um die Herrschaft über die Verbrechersyndikate und die korrupten Polizisten an sich zu reißen, verfolgt sie einen perfiden Plan. Zunächst schaltet sie alle Freunde Gins aus, dann soll Gin selbst endlich und endgültig von der Oberfläche verschwinden. Um zu überleben und ihre Freunde zu retten bleibt Gin nur ein Mittel übrig – sie muss sterben, auch wenn dies heißt, dass ihr geliebtes Restaurant zerstört wird und sie selbst in den Flammen verbrennen wird .

Das Dutzend ist voll. Zwölf Urban Fantasy-Romane um die Attentäterin Gin Bianco und ihre Entourage liegen mittlerweile vor, in den USA sind bereits siebzehn Titel erschienen und zwei weitere Bücher in Vorbereitung. Die Frage bei solch lang laufender Reihen ist immer, ob sich der mehr oder minder gleich verlaufende Plot nicht irgendwann einmal totläuft, ob nicht, ob der ständig sich wiederholenden Handlungsschemata, Langeweile einkehrt. Weiterlesen

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Sigrid Undset: Viga-Ljot und Vigdis (1909)

Die Norwegerin Sigrid Undset (1882 – 1949) erhielt 1928 den Nobelpreis für Literatur. Sie wurde berühmt für ihre eigenständigen Island-Sagas, in denen in erster Linie Bauern und nicht Könige oder Adelige eine Rolle spielen. Schauplatz ist das mittelalterliche Norwegen, in dem die Christianisierung langsam vorangeht, Wikinger auf Beutezug sind und auf dem Allting Unstimmigkeiten und Verstöße gegen allgemeines Recht verhandelt werden.

In ihrem frühen Werk aus dem Jahr 1909 erzählt Sigrid Undset von der Begegnung eines Mannes und einer jungen Frau, die sich spontan mögen und ein Paar werden könnten. Viga-Ljot, der aufbrausende, ungezügelte Isländer, ist der Ziehsohn eines Handlungsreisenden. Auf ihrer Reise nach Norwegen trifft er auf die selbstbewusste Vigdis, als Viga-Ljots Ziehvater mit Vigdis reichem Vater Geschäfte machen will. Die Geschäfte gehen ihren Weg, die Gastfreundschaft könnte für die beiden jungen Leute eine gute Basis für eine gemeinsame Zukunft sein, doch Viga-Ljots ungebührliches Benehmen zerstört für immer Vigdis Gefühle. Ernüchtert und verletzt gehen beide getrennte Wege. Der eine trauert um den Verlust, die andere sinnt auf ewige Rache. Weiterlesen

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Rhiannon Navin: Alles still auf einmal

Zachs Klasse ist in hellem Aufruhr. Die Lehrerin hat sie angewiesen, sich alle leise im Wandschrank zu verstecken. Dort kauern sie nun, als die Schüsse zu hören sind. Peng. Peng. Peng. Immer wieder. Keines der kleinen Kinder traut sich, auch nur einen Laut von sich zu geben. Und dann ist alles vorbei. Niemand von ihnen ist verletzt. Zach findet im Tumult seine Mutter und ist glücklich. Doch das bleibt nicht lange so. Schnell wird klar, dass sein größerer Bruder Andy zu den Opfern des Attentats gehört. Super, denkt sich Zach, dann kann er mich endlich nicht mehr ärgern. Doch was es wirklich heißt, dass Andy tot ist, wird ihm erst nach und nach bewusst.

Rhiannon Navins Roman geht von der ersten Zeile an mitten unter die Haut. Es beginnt mit der Versteck-Situation im Klassenzimmer. Dem ungewissen Bangen, was dort draußen los sein könnte. Man hört im Halbdunkeln nur Geräusche. Geräusche, die nicht sonderlich gut klingen, vor allem aus Sicht eines Erwachsenen nicht. Weiterlesen

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Raymond Federman: Der Pelz meiner Tante Rachel

Diese erstmals illustriert erscheinende Romanausgabe soll an das 10. Todesjahr des 2009 verstorbenen jüdischen Autors Raymond Federman erinnern, der wie kaum ein anderer den amerikanischen Roman durch vielfache Experimente bereichert hat.

Das gesamte Buch ist eine fiktive Unterhaltung des Erzählers mit seinem Freund Samuel Becket in Pariser Cafés, wobei nur die Stimme des Erzählers zu hören, bzw. zu lesen ist. So monologisiert dieser sich mit seinen häufigen Eingangsworten: Ah, du willst wissen oder Okay, also ich mache weiter immer aufs Neue durch die Zeilen.

Nach zehn Jahren ist der Protagonist aus den USA wieder in seine Heimat nach Frankreich zurückgekommen. Er hat einen Roman geschrieben, der sein eigenes Leben in Amerika thematisiert.

In diesem Roman gibt es einen Erzähler mit seinem Helden und eine Person, die das alles festhält.

Seine Zeit und das Leben in Amerika vergleicht er mit einem Zeichentrickfilm für Erwachsene, die er mit der Mentalität Vierjähriger gleichsetzt.

Die jüdische Herkunft des Erzählers und die Geschichte seiner Familie, die den Holocaust nicht überlebt, sind sein eigentliches erzählerisches Anliegen. Weiterlesen

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Karoline Walter: Guten Abend, gute Nacht: Eine kleine Kulturgeschichte des Schlafes

Ich schlafe gerne und meistens gut. Die nächtliche Zeit im Bett ist für mich nicht verschwendet. Böse Träume machen mir nur sehr selten zu schaffen. Deshalb habe ich mich bisher mit dem Thema Schlaf nur wenig beschäftigt. Allerdings mag ich Schlaflieder und Gute-Nacht-Geschichten sehr. Deshalb hat mich Karoline Walters „kleine Kulturgeschichte des Schlafs“ mit ihrem Titel „Guten Abend, gute Nacht“ sofort angesprochen und neugierig gemacht. Schon der Klappentext zeigt, wie vielfältig der Inhalt ist: Da ist von Schöpfungsmythen genauso die Rede wie vom Teilen des Bettes mit Familienmitgliedern und Nutztieren oder von Mittagsschlaf und „Powernappen“. Und das ist noch lange nicht alles, was dieses Buch zu bieten hat.

Sehr schön steckt die Autorin bereits im Vorwort den Rahmen ihres Buches ab (Seite 7): „Vom unbewusst verbrachten Schlaf lässt sich kein Zeugnis ablegen. Kann der Schlaf also überhaupt so etwas wie eine (Kultur-)Geschichte haben? Zwar entzieht er sich unserem bewussten Erleben, doch ist der Schlaf für uns indirekt erfahrbar – in seinen Grenzen zum Wachleben …“. Es geht also nicht nur um den Schlaf an sich, sondern auch um das Einschlafen, Aufwachen und die (gewollte und ungewollte) Schlaflosigkeit, es geht um die Struktur, die der Schlaf den Tagen gibt, um guten und schlechten Schlaf und seine Auswirkungen und natürlich geht es auch um Träume. Das alles ist eingebettet in Geschichte und Geschichten aus den verschiedensten Kulturen. Weiterlesen

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Jennifer L. Armentrout: Dark Elements 04: Glühende Gefühle

Trinity lebt seit ihrer frühsten Kindheit bei den Wächtern, doch sie ist keine von ihnen. Die meisten gehen davon aus, sie sei ein ganz normaler Mensch, aber sie hütet ein viel tieferes Geheimnis. Sie kann sich niemandem anvertrauen, kann die Siedlung nicht verlassen und wird ständig bewacht. Trinity weiß, dass das alles zu ihrem eigenen Besten ist, doch je älter sie wird, desto unerträglicher wird der Schutz. Besonders da sie besser als jeder anderer weiß, dass sie nicht beschützt werden muss.

Als eine kleine Gruppe des Wächterclans aus D.C. in die Siedlung kommt, trifft Trinity zum ersten Mal auf Zayne, einen Wächter mit besonders hellen Augen, von dem es heißt, er habe einen Teil seiner Seele verloren und es sei besser, sich von ihm fernzuhalten. Kurz nachdem ihr Beschützer und bester Freund diese Warnung ausgesprochen hat, wird er von einem Dämon entführt.

Kurzentschlossen verlässt Trinity ihr gewohntes Umfeld und folgt Zayne nach D.C. um ihren Freund zu retten. Das Problem ist, dass Zayne selbst mehr Geheimnisse verbirgt, als ihr lieb ist. Kann sie ihm vertrauen, auch wenn ihm nachgesagt wird, Kontakt zu Dämonen zu haben? Und ist sie überhaupt in der Lage, sich auf ihre Mission zu konzentrieren, wenn der Zayne sie mehr fasziniert, als gut für sie ist? Weiterlesen

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Sharlene Teo: Schöne Monster

Singapur, 2003: Szu ist 16 Jahre alt und eine Außenseiterin in der Schule. Über die Berühmtheit ihrer Mutter, die einst in einem bekannten Horror-Film namens „Ponti“ mitspielte, versucht sie die Aufmerksamkeit ihrer Mitschülerinnen zu erlangen. Doch das klappt nicht wirklich gut. Erst als sie Circe, einem Mädchen aus ihrer Jahrgangsstufe, hilft, entwickelt sich zwischen den Mädchen ein Freundschaftsband, das seltsamer nicht sein könnte.

Sharlene Teos Geschichte entwickelt sich durch drei Figuren auf verschiedenen Zeitebenen. Begleitet wird Amisa, Szus Mutter, in den 1970er und 1980er Jahren, Szu selbst im Jahr 2003 und schließlich ihre Freundin Circe, als diese bereits erwachsen ist, im Jahr 2020. Der Schauplatz der Geschichte bleibt dabei meist gleich und man erlebt Singapur im Wandel der Zeit. Selbst der Sprung von 2003 bis 2020 ist wirklich eindrucksvoll, denn Circe ist erfolgreich, frisch geschieden und geht ihren Weg, undenkbar beispielsweise für Amisa im Jahr 1975. Weiterlesen

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Roy Jacobsen: Die Unsichtbaren

Fast ein Kilogramm wiegt das Buch, aber nicht nur deshalb ist der Roman ein schweres, ein gewichtiges Werk.

Die Unsichtbaren erzählt von den Bewohnern der kleinen norwegischen Insel Barrøy, dem verwitweten Martin, seinem Sohn Hans mit seiner Frau Marie und ihrer gemeinsamen Tochter Ingrid sowie Barbro, Hans‘ Schwester.  Die Handlung setzt ein, als Ingrid drei Jahre alt ist, einige Jahre vor Beginn des ersten Weltkriegs.

Es geschieht nicht viel im Leben der Inselbewohner und doch ist jedes Ereignis überlebens-entscheidend. Jede Neuerung kommt einem Sakrileg gleich, alle Veränderungen müssen lange überdacht werden. Vor allem vor sich selbst gerechtfertigt werden. Wenn Hans ein Gebäude von außen streichen möchte, eine Idee, auf die noch niemand vorher kam, wenn er ein Pferd auf die Insel bringen möchte, dann spricht er nicht mit den anderen darüber, macht es mit sich allein aus und entscheidet dann. Nicht immer ist er dann hinterher glücklich mit seiner Entscheidung.

Es wird kaum geredet in diesem Roman, die Menschen sind wortkarg, jedoch ohne gefühlskarg zu sein. Die Gefühle brodeln in den Männern und Frauen und der innere Druck findet keinen Ausdruck. Es gibt wenig Dialoge im klassischen Sinn, die meisten der Gespräche, die überhaupt so genannt werden können, werden in indirekter Rede dargestellt. Ein überaus wirkungsvolles Stilmittel, um die Sprachlosigkeit der Menschen plastisch zu machen. Weiterlesen

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