Dave Eggers: Der Mönch von Mokka

Dave Eggers‘ neuestes Buch ist kein Roman. Es ist vielmehr die äußerst spannende (bisherige) Lebensgeschichte von Mokhtar Alkhanshali. Der heute 30-jährige Amerikaner mit jemenitischen Wurzeln hat sich im Jahre 2013 in den Kopf gesetzt, Kaffee aus dem Jemen in die USA zu importieren.

Das war damals (und ist es heute wohl immer noch) ein fast unmögliches Unterfangen. Alkanshali hatte kein Geld, der Jemen galt wegen des Krieges und der instabilen politischen Verhältnisse als extrem gefährlich, und die Kaffeefarmen dort liegen erstens abgelegen und waren zweitens teilweise auf einem niedrigen Standard – verglichen zum Beispiel mit denen in Äthiopien auf der anderen Seite des Roten Meeres.

Im Grunde ist die Geschichte in diesem Buch die typische amerikanischer Erfolgsgeschichte „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Weiterlesen

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Timur Vermes: Die Hungrigen und die Satten, gelesen von Christoph M. Herbst

Deutschland, Europa, hat seine Grenzen geschlossen. Weit weg, in Nordafrika befinden sich Läger mit Asylsuchenden, die zum Teil schon seit Jahren dort auf eine Entscheidung warten.  So lange, dass sich die Menschen in den Lagern eingerichtet haben. In Deutschland dagegen nimmt das Leben den Gang, den wir kennen. Das neueste Sternchen am Moderatorenhimmel heißt Nadeche Hackenbusch und sucht gerade einen Weg, sich dem Publikum als mitleidende, ernstzunehmende Moderatorin zu präsentieren. Unter anderem deswegen plant sie eine Sendung direkt aus einem der Flüchtlingslager. Der Sender ist begeistert.

Lionel befindet sich schon eine ganze Weile in diesem größten Flüchtlingslager, das Nadeche aussucht. Er erkennt in der deutschen Moderatorin eine Chance, die er so nicht erwartet hätte. Gemeinsam brechen sie auf. Zu Fuß. Nach Europa, genauer: nach Deutschland. Und mit ihnen ein Zug von 150.000 weiteren Flüchtlingen, live dabei immer Nadeches Sender.

So ein Zug läuft nicht ohne Probleme, aber sie kommen Europa näher und näher. Timur Vermes hat das Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass Europas, auf den der Zug Tag für Tag zurückt in Kleinigkeiten eingefangen. Zum Beispiel in der Exkrementeentsorgung. Weiterlesen

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Eva-Maria Altemöller: Herzblut: Eine Liebeserklärung an den kleinen Laden

Nach ‚Der Club der Idealisten‘ ist mit ‚Herzblut‘ im September ein neues Buch von Eva-Maria Altemöller bei Sanssouci erschienen. Geziert wird es von einem hübschen Coverbild, das eine Frau vor dem Schaufenster eines Hutladens zeigt. Es liest sich sehr angenehm, da die Sprache, der sich die Autorin bedient in so einem netten Plauderton daherkommt, dass man beim Lesen fast das Gefühl hat, Frau Altemöller würde einem alles persönlich erzählen.

Wie der Untertitel bereits aussagt, geht es um die kleinen Läden. So erfährt man vieles von den zahlreichen schönen und einzigartigen Geschäften, die es in Lindau gibt. Dort, am Bodensee, lebt und arbeitet die Autorin selbst und kennt sich dementsprechend gut aus. Und so erzählt, nein schwärmt sie, etwa von dem Spielzeugladen, in dem man noch Dampfmaschinen und Kaleidoskope kaufen kann, von den wunderschönen Buchhandlungen, den Papier- und Schreibwarenläden und dem großartigen Hutgeschäft, das eine ganz besondere Auswahl bietet.

Ein Lobgesang auf die noch von Inhabern betriebenen und mit Herzblut geführten Läden. Und auch ein wenig ein Stadtführer für Lindau, da man doch den einen oder anderen Insidertipp erhält. In ihrer leichten und eingängigen Sprache vermittelt Frau Altemöller wunderbar ihre Begeisterung über das, was solche noch mit Enthusiasmus und Ideen betriebenen Geschäfte von den großen Ketten und dem Internethandel abhebt. Weiterlesen

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Sabine Kornbichler: Der letzte Gast

Mia kennt die alte Frau Kiening schon seit vielen Jahren. Die Frau hat ALS und möchte in vier Wochen Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch nehmen. Bei ihrer Familie löst dies allerdings verschiedene Gefühle aus. Als Mia nach einem unguten Gefühl zu Frau Kienings Wohnung kommt, findet sie diese nur noch tot vor. Hat Frau Kiening ihren Tod vorgezogen oder ist etwas Schlimmes passiert? Die Polizei geht schnell von Mord aus und Mia wird zur wichtigsten Zeugin. Damit wird sie auch für den vermeintlichen Täter hochinteressant …

Dass der Täter vermeintlich zur Familie von Frau Kiening gehört, ist schnell klar. Doch innerhalb der Familie gibt es mehr als eine Person mit Motiv. Mia und die anderen jüngeren Mitglieder der Familie sind miteinander aufgewachsen und haben als Kinder gemeinsam gespielt, sich als Jugendliche ineinander verliebt. Weiterlesen

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Charlaine Harris: Midnight, Texas 03: Nachtschicht

Willkommen zurück in Midnight, Texas, einer kleinen Ortschaft im Nirgendwo inmitten der Texanischen Wüste. Hier, wo sich Fuchs und Hase im wahrsten Sinn des Wortes gute Nacht sagen haben sich einige Wesen zurückgezogen, die nicht auffallen wollen.

Nein, nicht was sie jetzt denken! Es handelt sich bei den Ortsansässigen weder um Terroristen noch verrückte Wissenschaftler, sondern um Lebewesen mit besonderer Abstammung. Seien es Engel, Werwölfe, eine Hexe, einen Hellseher oder Vampire, sie alle tummeln sich in dem kleinen Kaff. Die Situation spitzt sich zu, als Menschen und Tiere beginnen, sich auf der einzigen Kreuzung das Leben zu nehmen. Was steckt hinter den Suiziden, was, oder wer regt sich hier wieder und wie kann das drohende Unheil aufgehalten werden?

Charlaine Harris ist eine der Southern Grand Dames der Urban Fantasy. Mit ihrer unter dem Serientitel True Blood verfilmten Reihe um die gedankenlesende Kellnerin Sookie Stackhouse hat sie einen Mega-Treffer landen können, und auch die Geschichten um Midnight werden in voraussichtlich drei Staffeln fürs TV umgesetzt. Weiterlesen

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Sarah Perry: Nach mir die Flut

Ein Mann namens John muss an seinem Auto Kühlwasser nachfüllen und schellt mit der Bitte um Hilfe an einem einsamen Haus. Dort wird er freudig begrüßt. Die Bewohner kennen nicht nur seinen Namen, sondern scheinen ihn erwartet zu haben.

Klingt nach einem schon fast klassischen Anfang für einen Horrorroman, ist aber etwas anderes: ein durchgehend düsterer, vielleicht ein wenig an Kafka erinnernder Roman um ein Haus und seine seltsamen Bewohner.

John gelingt es seltsamerweise nicht, einfach nur Wasser zu holen und dann wieder zu verschwinden – stattdessen bleibt er und wird nach und nach Teil dieser Lebensgemeinschaft.

Wenn man es positiv ausdrücken will: Der 1979 geborenen britischen Autorin Sarah Perry gelingt es in ihrem Debütroman hervorragend, eine leicht transzendente, schwer fassbare Atmosphäre durchzuhalten, Weiterlesen

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Anne Youngson: Das Versprechen, dich zu finden

„Lieber Professor Glob, wir sind uns zwar nie begegnet, aber Sie haben mir einmal ein Buch gewidmet: mir, dreizehn von meinen Klassenkameradinnen und Ihrer Tochter. Das war vor über fünfzig Jahren, als ich jung war.“

So beginnt Anne Youngsons Briefroman „Das Versprechen, dich zu finden“, den Wibke Kuhn einfühlsam übersetzt hat. Nun ist Tina Hopgood, die Schreiberin dieser Zeilen, über 60 und hat vor Kurzem ihre beste Freundin Bella verloren. Mit ihr wollte sie ihr ganzes Leben lang von ihrer Heimat England nach Dänemark reisen, um den Tollund-Mann mit eigenen Augen zu sehen – eine vermutlich über 2000 Jahre alte, perfekt konservierte Leiche, um die es in Professor Globs Buch geht.

Doch diesen Traum konnten die beiden nicht verwirklichen. Nie schien der richtige Zeitpunkt, dafür gekommen zu sein. Nun sitzt Tina auf ihrem Bauernhof in East Anglia und beginnt, über ihr Leben und die verpassten Chancen nachzudenken. Sie schreibt darüber an Professor Glob, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Doch nur wenige Wochen später erhält sie einen Brief vom Kurator des Silkeborg Museums Anders Larsen, der ihr nicht nur mitteilt, dass Professor Glob schon vor einiger Zeit verstorben ist, sondern auch tatsächlich auf ihre Fragen und Gedanken eingeht. Weiterlesen

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Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Der Kleinkünstler und sein Mitbewohner, das kommunistische Känguru, sind zurück. Witzig und absurd wie gewohnt, spießen die beiden Klischees auf, geben ihre politische Meinung zum Besten und streiten sich darum, wer das Bad putzen muss. Sie stellen Zusammenhänge her, wo keine sind (oder wo zumindest kaum einer welche vermuten würde) und zitieren lässig aus der weltweiten Kulturgeschichte (von Batman und Starwars über die Bibel und Adam Smiths „Wohlstand der Nationen“ bis zum Wackeldackel und der Winkekatze).

Leserinnen und Leser lernen, dass man sich im Berliner Tiergarten verlaufen kann (und wie lebensbedrohlich das ist), dass beim Open-Schnick die Kettensäge die Giraffe schlägt und wie man Nazis (unter Mithilfe von Schnapspralinen mit unbekannten Zusatzstoffen) an die Wand quatscht. Wir erfahren, woher die Angst des Kleinkünstlers vor Handwerkern rührt und was sich so alles in Matratzen tummelt (Hypochonder seien gewarnt).

Immer wieder treffen wir Figuren aus den anderen Känguru-Bänden: Friedrich-Wilhelm, Otto-Von, Herta, Krapotke, sogar der Pinguin kommt kurz vor, wenn auch nicht persönlich. Weiterlesen

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Viola Shipman: Weil es dir Glück bringt

Sam ist Mitte 20 und hat den großen Schritt von Michigan nach New York gewagt. Hier arbeitet sie in einer hippen Patisserie für einen furchtbar unsympathischen Chef. Dann beschließt sie, den Job hinzuschmeißen und muss erstmal nach Hause, nach Michigan, auf den Obsthof, den ihre Familie seit fast 100 Jahren führt. Doch Sam ist sehr zwiegespalten, denn sie weiß, dass ihre Mutter und ihre Großmutter nichts lieber wollen, als dass Sam den Hof weiterführt. Doch Sam ist das zu wenig, sie will erfolgreich sein, das Großstadtleben um sich haben. Und an dem Lieferanten Angelo, der ebenfalls in New York lebt, liegt ihr auch mehr, als sie zugeben möchte.

Viola Shipmans neuer Roman hat eine ganze Familie im Mittelpunkt, in ihr besonders, aber nicht ausschließlich die Frauen. Jede von ihnen hat eine Geschichte zu erzählen, die mit dem Obsthof eng verbunden ist. Weiterlesen

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Juli Zeh: Neujahr

Die Geschichte spielt auf Lanzarote. Hier hat der junge Familienvater Henning für sich und die Familie über Weihnachten und den Jahreswechsel ein Ferienhaus gemietet. Aber dieser Urlaub ist trügerisch.

Hennings Frau Theresa steht mit beiden Beinen im Leben, genauer gesagt erfolgreich im Arbeits- wie auch im Familienleben – im Gegensatz zu Henning.

Die Aufgaben des Familienlebens teilen Henning und Theresa sich untereinander auf. Theoretisch zumindest, denn Henning wird immer wieder von Panikattacken heimgesucht, unter denen er beruflich wie auch privat leidet.

Während Henning sich am Neujahrsmorgen von der Familie abkoppelt und kurzentschlossen mit dem Fahrrad unter Qualen eine Bergstrecke bezwingt, erfahren wir von all seinen Konflikten. Dabei leidet er körperlich mindestens ebenso wie seelisch, denn die Streckenführung zum Atalaya-Vulkan verlangt alles von ihm und seinen Muskeln ab. Weiterlesen

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