Yanis Varoufakis: Die ganze Geschichte

Die eigene Wahrnehmung, die eines anderen oder Dritten müssen in einer Angelegenheit nicht zwangsläufig deckungsgleich sein. Insider sehen anders als Outsider. Denn Wissen ist bekanntlich Macht. Und Nichtwissen … Ohnmacht? Die Insolvenz Griechenlands ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Unter anderem wegen der unzähligen Verträge mit anderen europäischen Ländern. Es entstehen Verbindungen und damit automatisch Interessenkonflikte ihrer jeweiligen Vertreter. Das Ringen um Macht und Einfluss auf dem europäischen und globalen Markt kennt weder Vernunft noch Maßhaltung. Hinzu kommen gelenkte Medienberichte und Repressalien, wenn ein Außenseiter plötzlich auf neue Verhandlungen oder sogar Schuldenschnitt besteht. In diesem Kontext kann die eigene Wahrnehmung auch ein Fels in der Brandung sein. Weiterlesen

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Irene Dische: Schwarz und Weiß

„Schwarz und Weiß“ heißt der große neue Roman der deutsch-amerikanischen Schriftstellerin Irene Dische. Darin geht es um Rassenkonflikte – auch.

Der Leser begleitet das gemischtrassige Paar Lili und Duke durch ihr Leben in New York von den 70er-Jahren bis zum Ende der 90er. Duke ist schwarz, stammt aus einfachsten Verhältnissen, avanciert aber auch dank der stetigen Hilfe seiner Frau, die aus einer Familie von Intellektuellen kommt, zu einem großen Weinkenner. Und auch für die weiße Lili geht es bergauf. Sie wird ein gefragtes Model. Zunächst scheint es für die beiden, die sich ständig ihrer Liebe versichern, stetig bergauf zu gehen. Doch dann tauchen erste Risse auf: Ihr kostspieliges Leben verschlingt Unsummen an Geld, und in Lilis Charakter zeigen sich weniger sympathische Eigenschaften. Weiterlesen

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Carrie Mac: 100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren

Maeve ist 16 und macht sich Sorgen. Ständig. Und genauso ständig bekommt sie von ihrer Umwelt zu hören: Hör auf damit!. Würde sie gerne, aber es geht einfach nicht. Sie leidet an einer Angststörung, die sie nur gerade so eben im Griff hat. Wenn man mich fragt, ist das die schlimmste Variante von allen. Man funktioniert noch für die Umwelt, wirkt vielleicht ein bißchen freaky, aber innerlich ist man die ganze Zeit angespannt. In Erwartungshaltung. Natürlich nützt das nichts, es kommt nie das, was man erwartet. Man hat nur schon unglaublich viel Kraft für das Sorgen machen verschwendet und die fehlt dann in den echten Katastrophen.

Diesen Sommer soll Maeve bei ihrem Vater und seiner neuen Familie verbringen, weil ihre Mutter für 6 Monate in Haiti Gutes tun will. Weiterlesen

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Paolo Cognetti: Acht Berge

Aus der Mitte entspringt ein Fluss! Daran habe ich mich erinnert. Wikipedia schreibt dazu: „Der Film von Robert Redford erzählt die Geschichte zweier Brüder, die charakterlich grundverschieden, jedoch beide in der Liebe zum Fliegenfischen vereint sind. Paul ist ein lebenslustiger und heimatverbundener Naturbursche, Norman ein ruhiger und verschlossener Intellektueller.“ Nur geht es in diesem wunderbar gelassen daherkommenden Roman nicht um Fliegenfischen, sondern um die Liebe zu den Bergen. Pietro und Bruno sind auch keine leiblichen Brüder, aber alles andere kann so durchgehen. Vor allem geht es um die Ruhe, die dieser Text (wie auch der Film) ausstrahlt. Unaufgeregt erzählt der Ich – Erzähler Pietro von seinem Vater der ihm, (nicht ohne persönliche Probleme), die Berge nahebringt und seiner Mutter, die den wilden Gebärden ihres Mannes lange widersteht und ihn weiter liebt, eigentlich bis zu seinem Ende. Weiterlesen

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Philip Kerr: Friedrich der Große Detektiv

Selten habe ich ein Buch gelesen, dass eine so deutliche Erinnerung und Hochachtung spüren lässt. Auf der einen Seite für Erich Kästner, auf der anderen Seite aber auch an die Jugendbücher über den Nationalsozialismus aus den 70ern. An die Bücher von Hans-Peter Richter (Damals war es Friedrich) und Judith Kerr (Als Hitler das rosa Kaninchen stahl, ich glaube die Namensgleichheit ist Zufall). Der Stil des Buches erinnert ganz stark an Hans-Peter Richter, aber auch an Erich Kästner.

Friedrich lebt im Jahre 1933 in Berlin, sein Vater ist Journalist und mit Erich Kästner befreundet. Sein Bruder Rolf wird sehr früh ein überzeugter Anhänger der Nationalsozialisten und Friedrich hört immer wieder den Streit zwischen Vater und Sohn. Zum Beispiel vor der Bücherverbrennung, bei der auch Friedrich Lieblingsbuch „Emil und die Detektive“ verbrannt wird, inklusive der persönlichen Widmung des Autors. Weiterlesen

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Matthew Weiner: Alles über Heather

„Alles über Heather“ von Matthew Weiner ist ein dünnes Romänchen, das man an einem Nachmittag durchlesen kann. In seiner stilistisch hervorragend geschriebenen Geschichte beschränkt sich der Autor auf die allernötigsten Informationen, und dennoch (oder gerade deswegen?) gelingt es ihm, ein Werk vorzulegen, das eine große Intensität entfaltet.

Es geht um die unterschiedlichen Lebensweisen einer sozial hochstehenden Familie mit viel Geld und einem Mann aus schwierigsten sozialen Verhältnissen. Weiterlesen

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Ray Bradbury: Das Böse kommt auf leisen Sohlen (1962)

Oktober, die Zeit, da die Nächte länger und länger werden, in denen das Wetter umschlägt, eine Zeit der Veränderung, eine Zeit in der die Grenzen zwischen dem Hier und dem Dort durchlässig werden, die Zeit des Halloween. In diesem Oktober ist aber alles anders – denn ein Zirkus kommt nach Green Town, Illinois, ein ganz besonderer Zirkus, wie die beiden dreizehn-jährigen Jungs Jim Nightshade und Will Halloway sowie Wills Vater leidvoll feststellen müssen.

Mr Dark, der den Zirkus leitet, hat für seine Besucher ein paar ganz besondere Fahrgeschäfte und Attraktionen im Gepäck. Etwa ein geheimnisvolles Karussell, das einen Menschen jünger oder auch älter machen kann, je nachdem in welche Richtung man darauf fährt, oder ein Spiegelkabinett, das Menschen geradezu in sich aufsaugt. Dann gibt es da noch ein Skelett, einen Lavaschlucker, eine Hexe, und einen Zwerg. Weiterlesen

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Mavis Doriel Hay: Geheimnis in Rot (1936)

Mit „Geheimnis in Rot“ setzt der Klett-Verlag seine nostalgische Weihnachtskrimi-Reihe fort und hat sich wieder einmal ein echtes Juwel herausgepickt. Der 1936 entstandene Roman – mitten in der „Goldenen Ära“ der britischen Kriminalliteratur – punktet mit stimmungsvollem Setting. Der winterliche Landsitz, die adligen Akteure und das Flair der 30er Jahre bereiten klassisches Krimivergnügen der guten alten Schule. Sir Osmond Melbury trommelt seine ganze Familie an Weihnachten zusammen. Ein böser Fehler: Kaum hat die Bescherung begonnen, wird er mit einer Kugel im Kopf aufgefunden. Mord! Colonel Halstock hat bei der Aufklärung des Falles alle Hände voll zu tun: Bei näherer Betrachtung könnten einige Familienmitglieder ein Interesse am vorzeitigen Ableben des Patriarchen gehabt haben … Weiterlesen

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Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Eigentlich ist Joachim Meyerhoff Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Erst im August 2017 wurde er in der traditionellen Kritikerumfrage von „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt. Doch er kann auch verdammt gut schreiben. Wer seine vorangegangenen drei Bücher der autobiografisch gefärbten Romanreihe „Alle Toten fliegen hoch“ kennt, hat auf den neuesten, letzten Band „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ längst gewartet und wird nicht enttäuscht.

Nun schreibt Meyerhoff über seine Zeit als junges, mit mäßigem Erfolg gesegnetes Ensemblemitglied am Theater Bielefeld und Dortmund, denn Kindheit und Jugend hat er bereits literarisch verarbeitet.

Meyerhoff bleibt seinem bekannt witzigen selbstironischen Stil treu. Die neuen, oft wahnwitzigen Eskapaden in seinem Buch handeln von einem Beziehungsgeflecht, in das sich der Erzähler immer tiefer verstrickt: In Bielefeld begegnet er der jungen, reichlich komplizierten und verkopften Studentin Hanna mit den langen Zähnen, in die er sich verliebt. Weiterlesen

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Sergej Lukianenko: Quazi

Russland, 2027: Aufgrund eines nicht näher beschriebenen Ereignisses stehen Tote als Zombies wieder auf. Nachdem sie allerdings eine Weile über alles, was sich bewegt, hergefallen sind, machen sie eine so genannte Erhöhung durch und sind dann wieder vernunftbegabte Wesen, so genannte Quazi. Als Quazi können sie wieder an der Gesellschaft teilnehmen. Denis Simonow ist Polizist und ermittelt besonders in Fällen, die die Zombies, die Aufständischen, betreffen. Als er einen neuen Partner zugeteilt bekommt, ist seine Begeisterung nicht sehr groß. Der neue Mann an seiner Seite ist ausgerechnet ein Quazi namens Michail Bedrenez. Gemeinsam recherchieren sie in einem seltsamen Fall, in dem eine Quazi unter Verdacht steht, ihren Menschenmann umgebracht zu haben, damit dieser ebenfalls als Quazi erhöht werden kann.

In seiner neuen Romanreihe wagt sich Sergej Lukianenko an eine Zombiegeschichte mit vielen Krimielementen. Und das gelingt ihm überraschend gut. Anfangs muss man sich erst in der Welt Russlands im Jahr 2027 hineinfinden. Dort angekommen, entwickelt sich die Geschichte sehr positiv Weiterlesen

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