Arthur Machen: Die drei Häscher (1895)

Arthur Machen gehört zu den, zumindest im Deutschen Sprachraum, unbekanntesten klassischen Phantastik-Autoren. Einzelne Bücher von ihm erschienen in der Bibliothek von Babel (Edition Weitbrecht), bei Suhrkamp und JMB sowie, 1993/1994 publiziert, eine sechsteilige Werksausgabe bei Piper.

Letztere, von Joachim Kalka damals kongenial ins Deutsche übertragene Edition dient als  Grundlage für die längst überfällige Neuedition, die der Elfenbein Verlag nun in drei Jahren schultert. Joachim Kalka steuert neben den Übersetzungen auch bislang unveröffentlichter Texte jeweils ein informatives Nachwort bei, das die Erzählung einordnet und uns den Verfasser näher bringt.

Vorliegend, bei Piper unter „Botschafter des Bösen“ veröffentlicht und nun um eine inhaltlich wunderbar passende Erzählung ergänzt, erwartet den Leser ein als Roman titulierter Text. In eine lose und eigentlich recht uninteressante Rahmenhandlung hat der Autor dabei diverse Erzählungen zusammengefasst und berichtet uns von einer klassischen Goldmünze, die ihrem jeweiligen Besitzer nicht unbedingt Glück und langes Leben verschafft, von einem britischen Gentleman im Wilden Westen, der beinahe massakriert wird, von einem Professor, der dem alten Volk, besser bekannt unter dem Begriff Elf auf der Spur ist und von einem Mann, der um sein medizinisches Leiden zu kurieren, unbeabsichtigt ein Höllengebräu zu sich nimmt … Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Brigitte Kronauer: Das Schöne, Schäbige, Schwankende

Brigitte Kronauer (Jahrgang 1940) ist tot. Die Schriftstellerin starb am 22. Juli 2019 in Hamburg. Die vielfach Ausgezeichnete gilt als eine der renommiertesten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Einfach zu lesen sind Kronauers Werke nicht. Und das gilt auch für ihr letztes. „Das Schöne, Schäbige, Schwankende“ erschien ein paar Wochen nach ihrem Tod am 9. August 2019 im Klett-Cotta Verlag.

Im Untertitel trägt das Buch die Bezeichnung Romangeschichten. Und so finden die Lesenden fünf Kapitel mit Geschichten vor. Den Anfang mit dem ersten, titelgebenden Kapitel hält Brigitte Kronauer kurz. Hier lässt sie ihre Ich-Erzählerin Charlotte, Schriftstellerin, wie die Autorin selbst, in einem Haus auf dem Land mit blauen Schlagläden, in das sie von einem Ornithologen samt Ehefrau eingeladen wurde, über ein Romanmanuskript mit dem Titel „Glamouröse Handlungen“ brüten. Aber inspiriert von zahlreichen Fachbüchern, Fotos, Zeichnungen und Abbildungen von Vögeln aller Art und langen Spaziergängen in der Natur entdeckt sie in den Vögeln Ähnlichkeiten mit Menschen aus ihrem Leben. Sie entwirft „neununddreißig Porträts zu je dreizehn nach drei Kategorien geordnet…: Das Schöne, das Schäbige, das Schwankende.“ Und schon fließen ihr die Wörter aus der Feder. Die plötzliche und unerwartet verfrühte Rückkehr des Ornithologen-Ehepaares beendet den Schreibrausch. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nina George: Südlichter

Kennen Sie diese klebrigsüßen, zuckergusstriefenden, zahnschmelzzerfressenden englischen Törtchen? Bei denen man genau weiß, dass sie ungesund sind, viel zu viele Kalorien haben und bei denen man eigentlich nach dem ersten Bissen satt ist? Denen man aber nicht widerstehen kann und die man daher immer weiter isst? Weil sie die Seele streicheln.

Dann haben Sie eine ungefähre Vorstellung von Nina Georges neuem Buch. „Südlichter“ ist die Realitätswerdung eines fiktiven Buchs aus einer fiktionalen Geschichte. In ihrem früheren Buch „Das Lavendelzimmer“ – auch ein Seelenstreichler – berichtet der Protagonist von einem Buch, das in der Provence entstand und das für ihn eine große Bedeutung hat.

Dieses Buch legt Nina George nun vor. Und darin erzählt die Liebe von der Liebe.

Marie-Jeanne, zehn Jahre alt, lebt im Jahr 1968 bei ihren Pflegeeltern Francis und Elsa in einem Dorf in der Provence. Es ist Sommer, es duftet nach Lavendel und Thymian, und Francis hat, von Marie-Jeanne angestiftet, die Idee, eine Überlandbibliothek ins Leben zu rufen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Petra Hammesfahr: Das Mädchen Jannie

Petra Hammesfahr ist seit langem bekannt für ihre spannenden und brisanten Kriminalromane, die sich immer wieder mit hochaktuellen und oft verstörenden Themen beschäftigen.

So auch in diesem Fall: Die 10-jährige Jannie flüchtet vor der Brutalität des Anführers der Bettlerbande, an die sie im Alter von vier Jahren von ihrem eigenen Großvater verkauft worden war. Sie landet auf dem abgelegenen Bauernhof von Dieter Leuken, einem Psychopathen, der, um möglichst authentische Thriller schreiben zu können, die Taten, die er in seinem Büchern beschreiben möchte, vorher selbst ausübt. Doch Jannie beginnt, Dieter zu vertrauen, der ihr zu essen gibt, sie einkleidet und ihr Lesen und Schreiben beibringt. Und sie hat Freude daran, seine Mutter, die nach einem Schlaganfall gelähmt und stumm im Bett liegt, zu versorgen. Dass die Frau mit Augenblinzeln versucht, Jannie zu warnen vor dem, was Dieter mit ihr vorhat, erkennt sie nicht.

Parallel ermittelt Kommissar Klinkhammer im Fall einer rumänischen Kinderhandelbande und findet relativ bald heraus, dass zwischen dieser und der Bettlergruppe ein Zusammenhang besteht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ray Celestin: City Blues Quartett 02: Todesblues in Chicago

Chicago, 1928: Seit knapp zehn Jahren haben sich Ida und Michael nun in der Stadt niedergelassen. Sie führen ein kleines erfolgreiches Ermittlungsbüro und können an ihre Erfolge in New Orleans anknüpfen. Ihr neuster Fall führt die beiden in die Reihen der Schönen und Reichen, aber auch ins Drogen- und Alkoholmilieu der Stadt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der jungen Verlobten, die eines Nachts einfach verschwunden ist, und dem Anschlag auf ranghohe Tiere der Unterwelt? Ida und Michael nehmen die Ermittlungen auf und verbünden sich mit neuen Menschen, die ihnen für die Recherchen wichtig sein könnten.

Ray Celestin gelang im Vorjahr mit „Höllenjazz in New Orleans“ in meinen Augen ein wahres Glanzstück. Den vorliegenden zweiten Band kann man auch unabhängig lesen. Er findet zeitlich später und in einer anderen Stadt statt. Es sei allerdings dringend empfohlen, den ersten Band ebenfalls zu lesen – er ist es mehr als wert! Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Amelie Fried: Ich bin hier bloß die Mutter

Ich habe schon viele Bücher von Amelie Fried gelesen und war jedes Mal sehr angetan. Und auch dieses hier hat mich nicht enttäuscht.

Erzählt wird die Geschichte von Carla, der Mutter von Paula, Tim und Willi. Und Frau von Daniel. Und „Bildermalerin“. Und Kuchenbäckerin, Wäschesortiererin, Vorleserin, Streitschlichterin, und so weiter und so weiter. Kurzum, Amelie Fried erzählt die Geschichte von (fast) allen Müttern dieser Welt. Sie erzählt das in kurzen, aber herrlich präzisen Sätzen, in denen wir alle uns wiederfinden. Wie Carla versucht, ihre Berufstätigkeit und die Familie unter einen Hut zu bekommen, was ihr durch ihren ausgeprägten Perfektionismus sehr erschwert wird, wie es ihrem Mann immer wieder gelingt, sich aus allem herauszuhalten, wie ihre Kinder ihr den letzten Nerv rauben und dabei zum Fressen niedlich sind, das ist das wahre Leben. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 02: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast, gelesen von Laura Maire

Ophelia wird zu Faruk bestellt, dem Ur-Ahn des Erdteils Pol. Durch mehrere Missverständnisse wird sie zur Vize-Erzählerin des Hofes ernannt und glaubt sich endlich sicher. Denn nachdem am Ende des letzten Bandes beinahe der gesamte Clan der Drachen, Thorns Clan , ausgelöscht wurde, ist sie mehr denn je gefährdet. Die Sicherheit durch Faruk ist jedoch trügerisch, denn er hat seine ganz eigenen Ansprüche an die Leserin von Gegenständen. Dazu verschwinden nach und nach immer mehr hochgestellte Persönlichkeiten spurlos und Ophelia findet heraus, dass es etwas mit bestimmten Sanduhren zu tun hat. Aber wer steckt dahinter? Und schon ist sie wieder mittendrin in gefährlichen Illusionen und Verwicklungen. Ihrem Verlobten Thorn kommt sie näher und näher, auch wenn beide das überhaupt nicht zugeben wollen.

Ich fand den zweiten Band, wieder herrlich gelesen von Laura Maire, eine Spur spannender als den ersten, Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Leigh Bardugo: Thron aus Gold und Asche 01: King of Scars

Nikolai hat es im Leben nicht einfach gehabt – als Bastard des Zaren aufgewachsen, erklomm er überraschend den Thron Ravkas. Dass sein kleines Königreich hoch verschuldet ist und sich eher mühsam durch die Untiefen der Politik laviert macht es für ihn nicht einfacher. Geschickte Diplomatie, fähige Spione und innovative Erfinder sollen sein Reich vor dem Schlimmsten bewahren. Eigentlich sollte Nikolai heiraten, einen Thronerben zeugen und mit der Mitgift die schlimmsten Löcher im Staatshaushalt stopfen. Dumm nur, dass er seit dem Bürgerkrieg etwas in sich hat, etwas Dunkles, etwas Böses. Nachts verwandelt er sich in einen geflügelten Dämon, der auf der Suche nach Blut die Umgebung unsicher macht.

Nicht unbedingt bestes Schwiegersohn-Material für eine bezaubernde Prinzessin und zukünftige Königin denken sie – nun, Nikolai und seine beste Freundin und Wächterin in Personalunion Zoya, versuchen das Schlimmste zu verhindern. Aber sexy ist ein Dämon im Schlafzimmer, der nichts anderes im Sinn hat, als der Holden die Kehle herauszureissen, nun wirklich nicht. Die Besessenheit darf nicht publik werden, sonst ist es mit dem wackligen Frieden im Land vorbei – das ist allen, die Bescheid wissen, mehr als bewusst.

Während Nikolai sich aufmacht, alte Stätten der Magie aufzusuchen, um sich des Dämons zu entledigen, versuchen seine Freunde und Verbündete, das Staatsschiff flott zu halten – doch nur zu bald geht einmal wieder alles schief, was nur schief gehen kann … Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Thomas Montasser: Eine himmlische Katastrophe

Eine Katastrophe ist diese kleine Buch ganz sicher nicht, weder eine himmlische noch eine irdische. Nein, sondern es ist eine entzückend altmodisch erzählte Geschichte. Ein bisschen Sister Act, ein wenig Soeur Sourire und ein Hauch von „Stadtmaus besucht Landmaus“ (inklusive Besuch der Speisekammer).

Thomas Montasser erzählt eine märchenhafte Culture Clash Komödie, die man im doppelten Wortsinn gut in einem Zug lesen kann.

Die junge Louise, oder Lou, wie sie lieber genannt werden möchte, kommt aus Gründen, die sie ungern an die große Glocke hängt, aus Paris ins Burgund. Ihre Tante Madeleine lebt dort in einem Kloster, eine von den drei letzten überlebenden Nonnen des Klosters Notre Dame de Bleaumont. Das Kloster ist oder besser war berühmt für den dort hergestellten Blauschimmelkäse. Leider hat jedoch eine der Nonnen das Rezept der Käsezubereitung mit ins Grab genommen und nun gehen die Einnahmen des Klosters rapide zurück.

Nachdem Lou die musikalischen Talente der drei Nonnen entdeckt, entwickelt sie schnell einen Plan, wie sich diese zu Geld machen lassen. Dank ihrer Verbindungen in das entsprechende Milieu – sie ist in einem Banlieu von Paris groß geworden, in dem man in diese Verbindungen quasi hineinwächst – gelingt es binnen kürzester Zeit, die drei Nonnen zu einer Band aufzubauen, die in ganz Frankreich vor ausverkauften Häusern spielt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lotte Elstad: Mittwoch also

Die 33-jährige Hedda lebt in Norwegen. Dort hat ihre Affäre eben die Beziehung beendet und Hedda, irgendwie aus dem Lot geraten deswegen, stürzt sich in eine Reise. Über Umwege führt diese Reise sie in die Arme des Berliners Milo. Die beiden haben einen One-Night-Stand, danach sieht Hedda ihn nicht wieder. Doch die Folgen der Nacht reichen weiter als gedacht. Hedda ist ungewollt schwanger. Beim Gynäkologen erfährt sie, dass sie bis zur Abtreibung eine Bedenkzeit in Kauf nehmen muss, um sich ihren Entschluss genau zu überlegen. Mittwoch also wird ihre Abtreibung endlich stattfinden können. Es sei denn, Hedda entscheidet sich dagegen …

Lotte Elstads Roman ist ungewöhnlich und anders. Ihre Protagonistin Hedda lebt minimalistisch und muss sich mit ihren Mitmenschen und der Generation, zu der sie gehört, auseinandersetzen. Gerade befindet sich ihr eigenes Leben in einer Krise. Sie ist 33 Jahre alt, hat keinen festen Job mehr, war sehr verliebt in ihren Verflossenen und Vermögen besitzt sie auch keines. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: