Walt Whitman: Jack Engles Leben und Abenteuer (1852)

Eine gute Gelegenheit für einen Abstecher ins New York des 19. Jahrhunderts bietet ein Roman von 1852, der erst jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt worden ist: Walt Whitmans „Jack Engles Leben und Abenteuer“. Das Werk ist deshalb interessant, weil es ein Prosawerk eines der größten Dichter Nordamerikas ist. Whitman (1819-1892) ist vor allem durch sein später geschriebenes poetisches Lebenswerk „Leaves of Grass“ (Grashalme) berühmt geworden.

Jack Engle ist ein Waisenjungen, der das Glück hat, bei wohlmeinenden Menschen unterzukommen. Für die erträgt er sogar eine juristische Ausbildung bei einem Anwalt, die ihn so gar nicht interessiert. Später stellt sich heraus, dass der Anwalt ein Betrüger ist. Doch mit Hilfe seiner Freunde weiß sich Jack Engle zu helfen … Weiterlesen

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Simon Packham: Stumme Helden lügen nicht

In nur einer Nacht verändert sich das Leben des 15-jährigen Chris schlagartig. Sein bester Freund Declan kommt bei einem Autounfall ums Leben und nichts ist mehr wie zuvor. Plötzlich bringt Chris keinen einzigen Ton mehr über die Lippen. Er ist verstummt im Angesicht dessen, was er getan hat. Seine Lehrer, Eltern und Mitschüler reagieren mit einer Mischung aus Gelassenheit, Belustigung und Bestürzung. Nur das Mädchen Ariel glaubt, dass mehr hinter Chris‘ Stille steckt und versucht, an ihn heranzukommen.

Simon Packhams Roman ist kurz und knapp gehalten. Man lernt Chris am Tag nach dem Unfall kennen und begleitet ihn in den darauffolgenden Wochen. Die Geschichte wird komplett aus seiner Sicht beschrieben, weshalb man als Leser meist weiß, was in ihm vorgeht. Sein Geheimnis, das dann gar nicht so wild ist, wie es aufgebauscht wird, erfährt man trotzdem erst kurz vor Ende des Romans. Weiterlesen

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Donna Leon: Stille Wasser

Nach 26 Kriminalfällen in 25 Jahren gönnt Bestsellerautorin Donna Leon Guido Brunetti eine Auszeit. Im 26. Krimi, „Stille Wasser“ will der venezianische Kommissar auf der Laguneninsel Sant‘ Erasmo entspannen – allein unter Fischern und in der Natur. Nur das Sterben von Bienen beschäftigt den Ermittler.

Keine Sorge: Brunetti ist nicht krank oder altersschwach. Den Herzanfall täuscht er zu Beginn der Geschichte nur vor, um zu verhindern, dass sein Kollege einem Verdächtigen beim Verhör an die Gurgel springt. Aber dann findet der Kommissar Gefallen daran, sich von den Ärzten im Hospital ein Schonprogramm verordnen zu lassen und zieht auf das verlassene Landgut eines Verwandten seiner Ehefrau Paola. Weiterlesen

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Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

Reinweiße Fingernägel, glänzendes Schuhwerk, viktorianisches Seidentuch in der Brusttasche: Edward Feathers ist „sagenhaft sauber“ und verströmt noch im 21. Jahrhundert die Eleganz des Empire herauf. Als Anwalt Old Filth (failed in London, try Hong Kong) hat er in Fernost Karriere gemacht. Doch nach dem Tod seiner Frau Betty bricht sein tadelloses Leben auseinander. In Rückblenden wird das Bild eines Mannes erzählt, der Perfektionismus als Schutzschild gegen seine schrecklichen Kindheitserlebnisse als „Raj Waise“ kultiviert hat. In unvergleichlich britischer Manier schafft es Jane Gardam, Tragik, Komik, Weisheit und Menschlichkeit miteinander zu verknüpfen. Elegant beschwört sie die Ära der Britischen Kolonialzeit herauf, die uns noch heute so verstört wie fasziniert.

In den noblen Räumen des Londoner „Inner Temple“ diskutieren hochrangige Richter und Anwälte über Old Filth. In dessen Leben habe es nie einen Fehlgriff gegeben. Es sei immer alles glatt gelaufen. Weiterlesen

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Annie Proulx: Aus hartem Holz

Mehr als 10 Jahre sind vergangen, seit die Pulitzerpreisträgerin Annie Proulx ihren letzten Roman veröffentlicht hat. Sie hat so erfolgreich und polarisierende Werke wie „Brokeback Mountain“ geschrieben und auch in ihrem neuen Roman ist wenig so, wie es zu sein scheint.

1693 möchten zwei junge Franzosen in Kanada (Neufrankreich zu dieser Zeit natürlich noch) ihr Glück machen. Beide finden zunächst einmal die Gefangenschaft, weil sie in eine Art Leibeigenschaft geraten und den lieben langen Tag Bäume fällen müssen. Sie gehen damit unterschiedlich um. Der eine wird der beste Baumfäller von allen, der andere flüchtet und scheint in der endlosen kanadischen Wildnis einfach zu verschwinden. Der eine heiratet eine einheimische Indianerin legt damit die Grundlage zu einer Familie von Holzfällern, die sich über das ganze Land verteilen werden. Der andere pflegt seinen Hass und gründet das erfolgreichste Holzunternehmen der nächsten 300 Jahre. Weiterlesen

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Colum McCann: Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist

Der Autor Colum McCann wurde im Sommer 2014 Opfer einer Gewalttat, bei der er niedergeschlagen wurde, wie er in der Nachbemerkung des Buches beschreibt. Dieses traumatisierende Erlebnis hat Colum McCann auch in den Geschichten dieses Buches verarbeitet. Das Vorfeld von zwei Geschichten hat er vor dem gewalttätigen Übergriff verfasst, als hätte er das Später bereits erahnen können. Dabei kommt McCann ganz ohne Effekthascherei aus, denn er legt den jeweiligen Focus nicht auf die Taten selbst, sondern auf die bedrückenden und einschneidenden Nachwirkungen.

Die Geschichte „Dreizehn Sichtweisen“ beschreibt die Lebenssituation mit allen körperlichen Einschränkungen des zweiundachtzig jährigen verwitweten Mendelssohn, der sich in einem Restaurant in Manhattan mit seinem Sohn Eillot zum Essen verabredet. Das Groteske an der Geschichte ist, dass Eillot sich seinem Vater kaum widmet, sondern sich nur mit seinem Handy beschäftigt.  Als Mendelssohn später allein das Restaurant verlässt, wird er überfallen und stirbt. Die Polizei kann das Verbrechen trotz überall vorhandener Videokameras nicht aufklären.

In „Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist“ konfrontiert uns der Autor mit der Geschichte über eine junge Soldatin, die fern der Heimat der Kälte zwischen den afghanischen Bergen ausgesetzt ist. An Silvester denkt sie an ihren Sohn und ihre Geliebte und möchte mit ihnen telefonieren. Weiterlesen

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Jamie Sawyer: Das Lazarus-Spiel

Willkommen im dritten und letzten Teil einer großen intergalaktischen Liebesgeschichte. Moment, da reiben sie sich überrascht die Augen – sollte die Lazarus Trilogie nicht eigentlich lupenreine Military-SF mit jeder Menge Gefahr, Exotik, Kampf und nicht zuletzt Tod sein? Die Antwort lautet wie immer so treffend, ja, aber …

Schauen wir uns zunächst die Grundsituation an. Zwei menschliche Blöcke, das Asiatische Direktorat und die westliche Allianz haben das All koloniert, stehen einander aber misstrauisch, feindlich bis hin zu kriegerisch gegenüber. Mit der Fremdrasse der Krell in ihren biologischen Raumschiffen und mit entsprechenden Waffen führt die Menschheit seit Jahrzehnten einen verlustreichen, ja desaströsen Krieg, den sie rapide zu verlieren droht. Einzig dem Einsatz von Sims, geklonten Kämpfernkörpern in die der Geist der Soldaten transferiert wird, ist es zu verdanken, dass die Menschheit bis dato überlebt hat. Sobald die Soldaten sterben, wacht ihr Bewusstsein in ihrem natürlichen Körper wieder auf. Weiterlesen

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Christoph Schulte-Richtering: 32 Tage Juli

Lagos in Portugal war der am weitesten entfernte Ort, den man mit einem Interrailticket erreichen konnte. Die beiden Freunde und frischgebackenen Abiturienten Jayjay und Tiggy hatten genau dieses  Ferienziel vor Augen, in das sie ihre Wünsche und Träume packten und dabei den Eltern den Rücken kehren konnten. Endlich war es so weit und sie konnten ganz auf sich allein gestellt in eine Welt eintauchen, in der sie die ersehnten Freiheiten und Abenteuer auskosten wollten, was natürlich auch mit so manchen Widrigkeiten und ungeahnten Risiken einherging.

Viele Jahre später, Jayjay und Tiggy sind mittlerweile siebenundvierzig Jahre alt, machen die beiden sich nochmals auf, ihren alten Sehnsuchtsort Lagos zu besuchen. Der Zeitpunkt könnte nicht besser passen, denn beide stecken in einer Krise, der eine beruflich, der andere privat. Weiterlesen

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J. P. Delaney: The Girl Before

Jane hat ihr Baby verloren und versucht einen Neuanfang. Sie kündigt ihren Job und sucht eine neue Wohnung. Mit weniger Geld als zuvor fällt die Wohnungssuche schwer und nach einigen Besichtigungen bewirbt sie sich um ein merkwürdig modernes Haus in der Folgate Street 1 in London, das durch Minimalismus und High Tech besticht. „Bewerbung“ bedeutet, dass sie erklären muss, warum das Haus und sie zusammenpassen, dass sie hundert teils persönlicher Fragen beantworten und dem Architekten und Besitzer des Hauses, Edward Monkford, ein Foto von sich schicken muss.

„The Girl Before“, von dem Jane nach und nach erfährt, ist Emma. Sie ist gemeinsam mit ihrem Freund Simon eingezogen, als auch sie an einem Wendepunkt in ihrem Leben war.

Der Dritte im Bunde mit schmerzlicher Vergangenheit ist der Architekt Monkfort selbst: Das Haus war für seine Familie, Frau und Sohn, konzipiert. Beide sind ums Leben gekommen und Jane findet Hinweise darauf, dass sie unter dem Grundstück des Hauses bestattet wurden. Weiterlesen

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Tiffany Watt Smith: Das Buch der Gefühle

»… Es geht in diesem Buch eigentlich nicht um Ratschläge …« (S.26), vielmehr will die Kulturwissenschaftlerin Tiffany Watt Smith einem nicht wissenschaftlichen Publikum Einblicke verschaffen, die über Kuriositäten aus der Kulturgeschichte hinausreichen. Die unvollständige Sammlung von Gefühlen soll zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge führen.

»… Wenn Emotionen … heute … von Regierungen gemessen werden; wenn sie Gegenstand einer zunehmenden pharmazeutischen Intervention … sind …, dann wäre es schon gut zu wissen, woher die Überzeugungen … kommen.« (S. 26) erklärt die Autorin in ihrer Einleitung. Weiterlesen

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