Sarah Crossan: Nicu & Jess

Der Teenager Nicu lebt erst seit wenigen Wochen in Großbritannien, aus Rumänien ist er mit einem Teil seiner Familie hergezogen, um schnell Geld zu verdienen. Von dem Geld soll eine Braut für Nicu in seiner Heimat gekauft werden. Dabei hat niemand Nicu gefragt, ob er eine haben will! Nicu würde viel lieber hierbleiben, in der Schule lernen und einen guten Job haben. Doch dann lässt er in einem Laden einen Schokoriegel mitgehen und wird zu Sozialstunden verdonnert.

Jess und ihre Clique sind cool. Ladendiebstähle sind ihr täglich Brot. Doch diesmal wird Jess erwischt, zum wiederholten Mal. Ihre Mutter und der Stiefvater sind von den Sozialstunden sofort begeistert, Jess eher weniger. Sie und Nicu treffen bei dem Kurs, der Jugendlichen helfen soll, wieder auf die richtige Bahn zu finden, aufeinander – und es ist, als prallten Welten aufeinander.

Sarah Crossans Bücher sind etwas Besonderes und es sei jeder Leserin, jedem Leser ans Herz gelegt, zumindest eine kleine Leseprobe zu konsultieren, bevor man sich für den Kauf entscheidet. Weiterlesen

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Ali Smith: Die ganze Geschichte und andere Geschichten

„Ich habe mich in einen Baum verliebt. Gegenwehr war zwecklos. Er stand in voller Blüte.“

Ladies and Gentleman: Willkommen in der Welt von Ali Smith! Ihre Prosa erinnert an „Alice im Wunderland“ für Erwachsene und ist so mehrdeutig wie mysteriös. Die ganze Geschichte setzt sich aus einer Summe von Puzzleteilchen zusammen, welche die Autorin zusammenfügt. Oder offenlässt. Sie wechselt zwischen Personen, Zeiten und Realitäten. Gekrönt mit viel Humor und einem Faible für das Absurde wird schnell ersichtlich: In diesen Stories ist alles möglich. Mann oder Frau, real oder surreal, Ende oder Anfang – Ali Smith löst Grenzen auf. Die Geschichten fordern ihre Leser. Falsche Fährten, Erinnerungen, Traumbilder und abrupte Perspektivwechsel lassen das Geschriebene plötzlich in einem ganz neuen Kontext erscheinen. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis belohnt.

Das Besondere: Ali Smiths zwölf Geschichten sind wie ein Kalender aufgebaut und begleiten uns Leser durch ein Jahr. Bereits die erste Geschichte, die selbstredend nicht wie erwartet im Januar, sondern im Februar einsetzt, zeigt, wohin die Reise geht. In „Allzweckgeschichte“ landen wir nach mehreren Anläufen in einem Antiquariat, nehmen nacheinander die Perspektive einer Angestellten, einer Fliege und eines Buches ein, um schließlich bei einer exzentrischen Künstlerin zu enden. Lange werden wir Leser darüber im Unklaren gelassen, um was es hier geht. Am Ende schließt sich der Kreis wieder rückwirkend. Was übrigens auch für den Anfang und das Ende des Buches gilt. Weiterlesen

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Karen Hamilton: Perfect Girlfriend – Du weißt, du liebst mich

SIE ist davon überzeugt, den perfekten Mann gehabt zu haben. ER dagegen fand es Zeit für eine Beziehungspause. Aber was weiß er schon? Bestimmt nicht, was gut für ihn ist, findet Juliette. Aber da er nun einmal ein eigenständiger Mensch mit einem Recht auf eigene Meinung ist, muss ein Plan her. Zunächst einmal muss er davon überzeugt sein, dass sie seine Entscheidung akzeptiert hat. Dann muss sie ihm UNAUFFÄLLIG näherkommen. Was eignet sich besser, als ein Arbeitsplatz, auf dem man noch dazu auf engstem Raum aufeinander angewiesen ist und in der Freizeit in unbekannten Orten festhängt und nur einander kennt? Nate ist Pilot, also wird Juliette Flugbegleiterin. Sie gibt sich viel Mühe, vor Nate zu verbergen wie nahe sie ihm immer wieder kommt. Aber sie freundet sich mit seinen Freunden an, betritt seine Wohnung, wenn sie ihn unterwegs weiß und verfolgt sein Handy heimlich. Das wäre an sich schon perfide genug, aber ihr eigentlicher Plan haut den Leser dann vom Stuhl.

Am Anfang war ich von dem Roman eher gelangweilt (äh, ja, schon wieder ne Stalker-Story). Das änderte sich aber nach und nach, je tiefer Karen Hamilton dem Leser Einblick in Julies Inneres verschafft. Weiterlesen

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Maile Meloy: Bewahren Sie Ruhe

Eine Kreuzfahrt über die Weihnachtsferien, eine super Idee nach dem anstrengenden Jahr, das hinter ihnen liegt. Die Cousinen Liv und Nora gehen begeistert mit ihren Ehemännern Benjamin und Raymond an Bord. Mit dabei sind auch ihre Kinder, June (5), Marcus (11), Sebastian (8) und Penny (11). An Bord sind sie mit Abstand die jüngsten Reiseteilnehmer, genießen die Fahrt aber dennoch. Als die Mütter mit den Kindern in Argentinien einen Ausflug an Land machen, kommt es allerdings zur Katastrophe. Die Kinder sind wie vom Erdboden verschluckt und wenig später wird eine Leiche ausgegraben. Liv, Nora, Benjamin und Raymond sind in höchster Alarmbereitschaft und schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Bei Maile Meloys Roman muss man erstmal sortieren, wer wer ist und wie alt diese Menschen sind. Damit habe ich einen Großteil der ersten Kapitel verbracht. Dann wird die Geschichte (erstmal) gut. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Den Toten verpflichtet

Es gibt genug Gründe, Fiona den Polizeidienst zu verweigern. Zum einen verdient ihr Vater, ein polizeibekannter ‚Verbrecher‘ ohne Verurteilung, sein Geld mit Stripteaselokalen. Darüber hinaus hält Fiona ihre psychische Erkrankung geheim, die sie unter der Maske der verschrobenen Einzelgängerin mit Verstand verbirgt. Jeden Tag könnte dieses Geheimnis entdeckt werden.

Seit vier Jahren arbeitet DC Fiona Griffith bei der Polizei in Wales, als sie in die Ermittlung eines Doppelmordes eingebunden wird. Der Anblick der toten Mutter und Tochter in dem verwahrlosten Haus lässt sie nicht los. Vor allem die ungewöhnlich brutale Ermordung des sechsjährigen Mädchens treibt Fiona zu unzähligen Überstunden. Statt sich nur auf den einen Ermittlungsauftrag zu konzentrieren, betreibt sie noch eigene Recherchen, die mehr in Gang setzen, als sie ahnen kann. Und dann werden noch mehr Menschen ermordet. Tote schweigen bekanntlich für immer. Weiterlesen

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Hala Alyan: Häuser aus Sand

Heimat – was ist das? Der Ort, in dem du geboren wurdest, wo du aufgewachsen bist oder den du dir selbst ausgesucht hast? Oder ist es ein Ort, an dem du nie warst, in dem aber die Familiengeschichte tief verwurzelt ist? Der in Liedern, Gebräuchen und der eigenen Trauer weitergetragen wird? Denn es gibt Menschen und Orte, die hinterlassen generationenübergreifend hinweg ihre Spuren. Hala Alyans Buch erzählt auf berührende Weisen von einer entwurzelten Familie aus Palästina, die gezwungen durch zahlreiche Nahostkonflikte versucht, in Kuweit, Beirut, Amman, London, Boston und New York eine Art von Heimat zu erschaffen.

Nablus, Palästina 1963: Vor der Hochzeit ihrer jüngsten Tochter Alia liest Salma aus deren Kaffeesatz. Sie weiß, dass sie ihr nicht die ganze Wahrheit sagen darf. Ein unstetes Leben steht ihrer Tochter bevor. Was sich nur bald bewahrheiten soll. Vier Jahre später, nach dem Sechstagekrieg mit Israel, ist alles verloren. Die israelische Armee zerstört Olivenhaine und Häuser, tötet junge Männer, darunter auch Alias Bruder Mustafa. Die Familie Yacoub ist heimatlos. Hala Alyan begleitet ihre Nachfahren bis zum heutigen Tag. Kriegerische Konflikte holen die Yacoubs in Kuweit und Beirut ein. Im Westen kämpfen ihre Nachfahren gegen sich selbst, gefangen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Weiterlesen

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Cath Crowley: Das tiefe Blau der Worte

Drei Jahre ist es her, seitdem Rachel ihrer australischen Heimatstadt den Rücken zukehrte, um bei ihrer Großmutter in einem Küstenstädtchen zu wohnen. Drei Jahre, seitdem sie ihrem besten Freund Henry in einem Brief ihre Liebe gestand. Drei Jahre, in denen er das mit keinem Wort erwähnt hat. Nun ist Rachel zurück, der Schulabschluss liegt hinter den jungen Menschen, aber Rachels letztes Jahr war von schlechten Nachrichten gekennzeichnet. Ihr Bruder Cal, nur wenig jünger als sie, ertrank im Meer und Rachel zog sich in ihre Trauer zurück und schaffte deshalb den Schulabschluss nicht. Muss sie nun wirklich jeden Tag an Henrys Seite im Buchladen arbeiten, jeden Tag erinnert werden, dass er die hübsche Amy liebt und nicht sie?

Cath Crowleys Roman braucht ein paar Kapitel Anlaufzeit, dann wird er aber richtig gut. Es ist ein Buch für junge Leser und Leserinnen, all jene, die gute Literatur zu schätzen wissen, die Tiefe zwischen den Zeilen suchen. Weiterlesen

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Ivo Pala: Dark World Saga 03: Schwarzes Blut

Zum wiederholten Male versinkt die Welt in Dunkelheit. Weltendonner, so nennen es die Barden treffend, wenn Menschen, um zu überleben, zu Bestien werden. Dichte Wolken verschleiern die Sonne, die ewige Nacht bricht an. Tiere wie Pflanzen sterben, der Mensch hungert und beweist einmal mehr, dass er in Zeiten der Not, und solche herrschen, das gefährlichste Raubtier der Welt ist. Wer überleben will, der hat keine andere Wahl als zu kämpfen – mit allem was er oder sie hat. Für Rücksichtnahme, für Freundschaft und Loyalität bleibt kein Raum – es gilt die nächsten Stunden, den nächsten Tag zu überleben.

Doch selbst in dieser Welt gibt es Bündnisse, die eingehalten werden. Und es gibt Liebe. Einst waren sie Verbündete, dann ein Paar. Doch die Idylle auf einer einsamen Insel dauerte nicht lang. Die Rede ist von Szuma und Lambes. Der Commodore, ein weißhaariger Mann, ein Verräter und Schlächter, hat sie gefangen genommen, köpft den Mann und vergewaltigt und foltert die Frau.

Dass Szuma die Marter überlebt hat er nicht gedacht. Nun hat sich die Kriegerin mit der nachtschwarzen Haut, den Zeichnungen auf ihrem Körper und dem unbändigen Willen auf Rache auf seine Fersen geheftet. Sie hat nur noch ein Lebensziel – blutige, schmerzhafte Rache für den Mord an ihrem Geliebten zu nehmen. Ihr Weg führt sie tief hinein in die nordische Wildnis – einer Gegend, in der die Ripper, blutgierige Bestien ebenso lauern, wie drei gefallene Göttinnen und Sklavenhalter der besonderen Art …. Weiterlesen

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Nicole Trope: Das Finkenmädchen

Birdy und Rose erzählen aus ihrem Leben. Früher kannten sie sich, waren Nachbarinnen und haben sich dann aus den Augen verloren. Damals war Birdy ein Kind und Rose schon erwachsen. Jetzt berühren sich ihre Geschichten wieder: Heute sind sie sich – wie vor 25 Jahren – ganz nah.

Birdy ist anders als andere. Langsamer. Sie kann sich nicht viel merken. In ihrem Gehirn ist eine Tür offen, durch die Vieles, was dort ankommt gleich wieder entwischt. Sie muss alles ganz oft hören, bis es sich darin festsetzt. Nur ein paar wirklich schlimme Dinge sind auf Anhieb dringeblieben und wollen nicht verschwinden. Diese Dinge hängen mit den früheren Nachbarn zusammen. Deshalb erinnert sie sich auch so gut an Rose.

Rose ist im ganzen Land bekannt. Ihr Mann Simon war ein Fernsehstar und sie war oft mit ihm gemeinsam in den Zeitungen. In über 40 Ehejahren hat sie immer zu ihm gehalten, hat alles für ihn getan, hat sich ihm ganz und gar unterworfen. Ihr Lebenszweck war, ihn glücklich und zufrieden zu machen. Dann kommen Gerüchte auf und sie beginnt zu zweifeln: Hat Simon Mädchen belästigt oder gar missbraucht? Kennt sie diesen Mann überhaupt? Hat sie jemals hinter seine attraktive, charmante Fassade geblickt? Weiterlesen

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Philip Teir: So also endet die Welt

Der Roman erzählt von einem Konflikt zwischen den Eheleuten Julia und Erik, der sich immer weiter verstärkt. Anstatt die Ferien in ihrem Sommerhaus, das nur wenige hundert Meter von der finnischen Küste entfernt ist genießen zu können, schaukelt sich ein Familiendrama auf. Julia ist Autorin und flüchtet sich ins Schreiben um der Einsamkeit zu entfliehen. Von ihrem Mann Erik fühlt sie sich schon längst nicht mehr verstanden. Erik seinerseits verheimlicht ihr, dass ihm sein Job als Informatiker gekündigt wurde. So ertränkt er seine Probleme immer wieder im Alkohol. Er hat keinen Plan, wie es mit seinem Leben weitergehen könnte.

Im Nachbarhaus, in dem Julias einstige Jugendfreundin Marika mit ihrem Partner und dem gemeinsamen Sohn Leo wohnt, ist das Zusammenleben ein ganz anderes. Unkonventionell und alternativ unterscheidet sich die Lebensform der Nachbarsfamilie, die sich dem Umweltaktivismus verschrieben hat und sich auf den Weltuntergang vorbereitet, bzw. zu einer Art vorindustrieller Welt zurückkehren will, gravierend von Julias Familienleben. Aber auch Marika hat ihre ureigenen Probleme mit ihrem Partner. Weiterlesen

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