Clemens Fuest: Wie wir unsere Wirtschaft retten

Wenn im Badezimmer ein Wasserrohr bricht und man – wie es der Zufall erlaubt – dies schon nach Stunden und nicht erst nach einem Urlaub bemerkt, dann hilft in der Not der Absperrhahn. Doch was ist, wenn dieser so fest sitzt, dass er beim sehr kräftigen Losdrehen abbricht und auch der Absperrhahn im Keller, seit Ewigkeiten nicht gewartet, nur eingeschränkt funktioniert. Wie es weiter geht, mag sich jeder alleine vorstellen.

Seit dem Ausbruch der Corona Pandemie gibt es unterschiedliche Vorstellungen, wie es weiter gehen könnte. Viele Meinungen prallen aufeinander. Darüber hinaus geben die Prognosen der Fachleute aus dem Bereich Finanzen und Wirtschaft Anlass für weitere Diskussionen.

Clemens Fuest gilt als renommierter Ökonom und ist Präsident des Ifo Instituts. In seinem Buch analysiert er die aktuelle Wirtschaftslage und nimmt seine Leser mit auf eine informative Reise. Umfassend erfährt man bei der kurzweiligen, aber auch anspruchsvollen Lektüre, wie eng verzahnt Bildung, Konsum und Globalisierung geworden sind. Unterbrochene Produktionsketten, wegbrechende Steuern, erhöhte Ausgaben zeigen eine unglückliche Asymmetrie. Denn in dem Moment, in dem der Finanzbedarf am größten ist, müssen alle mit einem Minimum auskommen. Am Beispiel der Lufthansa, die in jeder Stunde eine Millionen Euro verlor und über Monate hinweg extrem wenig verdient, zeigt sich, wie wichtig Rücklagen sind. Weiterlesen

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Nancy Vo: Ranger

Annie ist ein Ranger. Tagelang streift sie alleine durch die Wälder und kundschaftet die Gegend aus. Eines Tages kümmert sie sich um einen Fuchs, der in einem Fangeisen eingeklemmt ist. In der Regel bedeutet so eine brutale Falle das Todesurteil. Doch der Fuchs lebt. Noch. Für mehrere Tage kümmert sich Annie um ihn, bis es ihm wieder besser geht. Danach beschließt der Fuchs, Annie zu folgen. Und es zeigt sich, dass dies eine richtig gute Idee war.

Nancy Vo wuchs in der Prärie auf. Nach einem Studium in Kunst und Architektur wollte sie Kinderbücher schreiben und illustrieren, suchte und fand Gleichgesinnte. Heute arbeitet sie als Städteplanerin in Vancover BC in Kanada.

Die Autorin hat aus ihrem zweiten Kinderbuch wieder ein Kunstwerk geschaffen, in das sie Bildelemente auf das Wesentliche konzentriert. Tusche, Zeitungsmaterial, Stoffe und Holz verbindet sie zu einem dezenten Augenschmaus. Weniger ist bekanntlich mehr.

Der von Richard Rosenstein übersetzte Text integriert sich so angenehm in die liebevoll gestalteten Bilder, dass hieraus eine harmonische Einheit entstanden ist. In den Vordergrund drängeln sich die orangerote Farbe der Liebe im Halstuch und Fuchsfell sowie die Schattenbildung der helfenden Hand. Weiterlesen

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Shinobu Amani: Liebe auf den ersten Biss

Kanade ist siebzehn. Dank ihrer zierlichen Statur sieht sie aber aus wie eine Grundschülerin. Von den Jungs auf der Schule wird sie nicht beachtet und auch ihr Schwarm Shi scheint sie keineswegs als Frau wahrzunehmen. Kanade wünschte sich, endlich ein Liebesgeständnis zu bekommen. Doch daran, das wünsche auch wahr werden können, hat sie nicht gedacht. Sie bekommt ihr Geständnis, doch statt ihrem Schwarm Shi, ist es der Vampir Kuro, der ihr mit den Worten ‚Werde meine Nahrungsquelle‘ seine Liebe gesteht und sie von nun an stalkt. Doch Kanade hat nicht vor, ihr Blut an einen dahergelaufenen Vampir zu verschenken. Mit Kuros Hartnäckigkeit hat sie aber ebenfalls nicht gerechnet!

Kanade und Kuro sind schon zwei Charaktere für sich. Kuro ist geheimnisvoll, emotionslos und zeigt kein Gespür für Distanz. Kanade ist aufgeweckt und sagt was sie denkt. Die Kombination, der beiden ließ mich oft schmunzeln und sorgte für eine heitere Grundstimmung. Beide waren mir von der ersten Seite an sympathisch. Weiterlesen

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Etgar Keret: Tu’s nicht: Storys

In seiner neuen Kurzgeschichten-Sammlung gelingt dem israelischen Autor Etgar Keret das Kunststück, ernste und oft tieftraurige Inhalte mit sehr viel – natürlich oft schwarzem – Humor zu verknüpfen. Gutes Beispiel ist dafür bereits die erste Geschichte, die so heißt wie das gesamte Buch: „Tu‘s nicht“.

Ein Selbstmörder droht, sich vom Dach eines Hochhauses zu stürzen. Die Geschichte beschreibt, welche Schwierigkeiten der Ich-Erzähler hat, mit einem quengelnden Sohn auf dem Arm die Stufen des Hauses zu erklimmen, um den Mann von seinem Tun abzuhalten. Am Ende geht‘s nach dramatischen Minuten nur um die Süße des Eises, das die Beteiligten verspeisen, und ob der Sohn vom Schokomilchshake einer unbekannten Frau kosten darf. Weiterlesen

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Laura Fröhlich: Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles

In der Ratgeberecke wirkt der beschwingte Titel von Laura Fröhlichs Buch wie ein Glühwürmchen im diesigen Alltag. Er spricht vermutlich Legionen von „Frauen fürs Leben“ aus der Seele. Mir auch.

Nach näherem Hinsehen kann ich inzwischen Folgendes dazu sagen: Frau Fröhlich schildert im ersten Teil „Das Problem mit dem Mental Load“, was sie persönlich bei dem verzweifelten Versuch erlebt hat, drei Kinder, ihre Ehe, die Organisation des Haushaltes und ihren Beruf unter einen Hut zu bringen. Sie legt offen, welcher Horror es ist, dem gängigen Mutterbild in allen Facetten entsprechen zu müssen und zu wollen.

Anzumerken ist an dieser Stelle, dass die Autorin die Leser*innen direkt und sehr vertraut mit „Du“ anspricht. Nunja… wer`s mag…

„Mental Load“ meint die mentale Belastung, an alle Familienangelegenheiten, welcher Art auch immer, denken zu müssen. Frauen leisten unbezahlt einen kaum bewältigbaren Anteil an „Care“-Arbeit. Sie pflegen Kinder oder Angehörige, wissen immer, wo im Haushalt was zu finden ist, halten Kontakt zu Freunden und Verwandten, gestalten Feste (Weihnachten, Geburtstage, Ostern,…) mit allen anfallenden Vorbereitungen, versorgen die Kinder mit allem Nötigen wie der Jahreszeit angepasster Kleidung, Schuhen, Schulsachen und sind natürlich Ansprechpartner für alle Familienthemen. Weiterlesen

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Lydia Davis: Es ist, wie’s ist: Stories

In dem dünnen Bändchen sind 34 Geschichten der preisgekrönten amerikanischen Autorin versammelt. Darunter Geschichten mit einer Länge von wenigen Zeilen, die dafür mit großer Prägnanz ihre Botschaft vermitteln.

Leider jedoch blieben mir bei der Lektüre die meisten Botschaften in den Texten von Lydia Davis verborgen. Es ist, wie es so oft ist: die von Feuilletons, Kritikern und Jurys renommierter Buchpreise hochgelobten Werke sind für die „normalen“ Leser unergründlich, unverständlich, ja manches Mal gar unlesbar. Ich habe die Erzählungen in diesem Buch gelesen und mich am Ende gefragt, was die Autorin damit sagen will. Dabei schließe ich natürlich gar nicht aus, dass dieses Unverständnis vollkommen an mir liegt. Nur ändert das nichts an der Tatsache, dass mir Stil, Inhalt und Botschaft der Erzählungen fremd blieben. Weiterlesen

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Hilmar Klute: Oberkampf

Nach Hilmar Klutes Romandebüt „Was dann nachher so schön fliegt“, kann auch „Oberkampf“ mit einer außergewöhnlich feinen, bildhaften Sprache überzeugen, was der resolute Titel nicht unbedingt vermuten ließe. Ein Buch voll von französischem Lebensgefühl, erschütterndem Terror und großen Fragen.

Mit Mitte vierzig noch mal von vorn anfangen. Alle Zelte abbrechen und ein neues Leben beginnen –  selbstbestimmt und frei von alten Mustern und gesellschaftlichen Konventionen. Jonas Becker lässt sein Leben in Berlin komplett hinter sich: Seine langjährige Beziehung, die eigene Agentur und sogar den Großteil seiner Bücher. In Paris will er eine Biografie über den alternden Schriftsteller Richard Stein schreiben und damit seinen eigenen Schriftsteller-Traum verwirklichen.

Der Neuanfang scheint zu glücken, der Verlag zahlt Jonas eine kleine Wohnung in der Rue Oberkampf und die endlosen Interview-Gespräche mit Stein können beginnen. Durch Christine tritt schon bald eine neue Liebe in Jonas Leben, an deren Seite er sich vom besonderen Flair der Stadt verzaubern lässt: Ausgiebige Essens- und Weingelage, stolze Chansons und natürlich die unverwechselbare französische Eleganz in Sprache und Stil.

Zeitgleich erreicht jedoch auch der Terror die Stadt. Das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo ist der Beginn einer Reihe von Anschlägen, die die Hauptstadt der Freiheit nachhaltig erschüttern – und damit auch Jonas neues Leben. Was verbirgt sich hinter Paris’ schönem Glanz? Hin- und hergerissen zwischen Genuss und Kritik am französischen Hedonismus, beginnt Jonas sein Leben im Dunstkreis der Rue Oberkampf in Frage zu stellen. Liegt das Buchprojekt wirklich noch in seiner Hand oder hat der egomane Stein nicht längst die Zügel an sich gerissen? Und will Jonas wirklich die Verbindlichkeiten einer neuen Beziehung eingehen? Weiterlesen

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Rio Youers: Westlake Soul – Im Griff des Todes

Was geht in einem Menschen vor, der im Wachkoma liegt. Wie muss er sich fühlen, wie erlebt er seine Umwelt und wie stellt er sich zu seinem Dasein? Fragen, die für Westlake Soul, einem jungen, gesunden Surfer Marke Sonnyboy ganz weit weg sind. Für ihn besteht sein Leben aus Liebe zu seiner Freundin, seiner Familie und seinem Hund und seiner Erfüllung – die Welle zu reiten. Eines Morgens will er fast allein am Strand die perfekte Welle reiten – eine Monsterwelle, die sich als ein wenig zu groß für ihn herausstellt. Die Sauerstoffversorgung seines Gehirns setzt zu lange aus, es kommt zu irreparablen Schädigungen des Hirnstamms.

Alles, was er je im Leben wollte, alles was er sich erträumte, auf das er hingearbeitet hat – perdu. Jetzt liegt er in seinem Körper gefangen zu Hause im Bett, einer Pflegerin kommt jeden Tag, um ihn zu waschen und die Windel zu wechseln. Die künstliche Ernährung überwachen seine Eltern.

Doch Westlake ist geistig voll da in seinem Gefängnis Körper – mehr noch, er entdeckt Kräfte, zu denen ein gesunder Mensch keinen Zugang hat. Er löst den Geist aus dem Körper, begibt sich auf die Reise. Celeberties wird beim Duschen zugeschaut, dann besucht er die Schönheiten der Welt, taucht mit den Walen in die Tiefen der Ozeane und fühlt sich wie Superman – nur dass auch auf ihn ein Gegenspieler lauert. Weiterlesen

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Lily Brett: Alt sind nur die anderen

In diesem kleinen, nur 84 Seiten starken Buch sind 24 Kolumnen von Lily Brett versammelt, die bis auf zwei Geschichten alle bereits im Magazin „Brigitte Wir“ abgedruckt waren.

Lily Brett ist eine dreiundsiebzigjährige australisch-amerikanische Schriftstellerin, die seit dreißig Jahren in New York lebt. Die pulsierende, nie zur Ruhe kommende Metropole scheint ihre Dynamik auch auf Lily Brett zu übertragen und deren  Sicht auf das Altern angenehm milde zu stimmen. Allen ihren Geschichten liegt eine Prise Humor und eine gesunde Portion Eigenironie zugrunde: So liest man von peinlichen Themen im Wartezimmer oder von einem Speeddating-Dinner, das die Autorin zufällig beobachtet und darüber gänzlich ihre Sorge um ihre Nierenarterienstenose vergisst. Die Augenoperation beschert ihr wieder besseres Sehvermögen, gleichzeitig erkennt sie beim Blick in den Spiegel aber auch plötzlich die vielen Falten, die sie vorher nicht bemerkt hatte. Weiterlesen

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Thomas Hettche: Herzfaden

Eine gemeinsame Kindheitserinnerung ganzer Generationen von Deutschen geht so: Man liegt an einem vertrödelten Sonntagnachmittag auf dem Sofa und verfolgt auf der Mattscheibe gebannt, wie Urmel aus dem Eis, Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, die haarsträubendsten Abenteuer erleben.

Aus den Anfängen der Augsburger Puppenkiste, die längst zum deutschen Kulturgut gehört und auch Erwachsene fasziniert, hat der 1964 geborene Schriftsteller Thomas Hettche einen Roman gemacht, der reale Geschichte mit Fiktion verknüpft.

Es waren der Schauspieler und Theaterdirektor Walter Oehmichen und seine Familie, die mitten im Zweiten Weltkrieg die ersten Gehversuche mit einem Puppentheater unternahmen. Weiterlesen

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