Leonie Swann: Mord in Sunset Hall

Lillith hat gemeinsam mit Agnes (der das Haus gehört), dem Marschall, Winston, Bernadette, Edwina und der Schildkröte Hettie in der Senioren-WG in Sunset Hall gelebt. Jetzt liegt sie tot im Gartenschuppen. Und als ob das nicht schon aufregend genug wäre, klingelt erst ein Jungspund, der Agnes das neue Seniorenzentrum Lindenhof schmackhaft machen möchte, dann schneit die Polizei herein und zuletzt kommt noch die neue Mitbewohnerin Charlie mit ihrem riesigen Hund Brexit und einer ganzen Menge Gepäck.

Die Polizisten möchten die alten Leute eigentlich nur vor einem Verbrecher warnen, dem im (ein Stück entfernten) Nachbarhaus Mildred Puck zum Opfer gefallen ist. Aber da sie nun schon da sind, erzählt Agnes ihnen auch gleich von der toten Lillith. Außerdem ist sie geschockt. Mildred war eine Jugendfreundin, mit der sie allerdings schon lange nichts mehr zu tun hatte. Zum einen war Mildred nach einem Schlaganfall bereits seit einigen Jahren ein schwerer Pflegefall, zum anderen war sie schon vorher nicht mehr auf Agnes‘ Wellenlänge gewesen.

Auch Lilliths Tochter macht Stress. Sie möchte unbedingt wissen, was genau passiert ist. Aber die Vereinbarungen innerhalb der WG sind so speziell, dass man sie Fremden auf keinen Fall auf die Nase binden möchte. Außerdem sind sich die Bewohnerinnen und Bewohner selbst nicht ganz sicher, was geschehen ist. Es gibt nämlich immer mal wieder Ausfälle im Gedächtnis oder beim Hören (wenn bei Agnes der hohe Ton im Ohr alles andere übertönt). Zum Beispiel weiß der Marschall am Anfang nicht mehr, wo er seine Pistole hingelegt hat. Weiterlesen

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Anne Freytag: Das Gegenteil von Hasen

„Er trägt ein Hasenherz im Wolfspelz. […] Ich wäre gern besser als das. Aber ich bin es nicht. Ich bin ein Hase unter Wölfen, der rennt und Haken schlägt.“ (Kapitel 1382-2)

Marlene und Leonard, Zwillinge und unzertrennlich, gehören mit ihrer besten Freundin Julia zu den beliebten Jugendlichen der Jahrgangsstufe. Einen Knick bekommt ihre Freundschaft, als Leonard und Julia vor ein paar Wochen ein Paar werden. Doch scheinbar sind sie immer noch beliebt und zu dritt unterwegs. Dann verliert die 17-jährige Julia ihren Laptop und mit ihm viele sensible Daten. Sie hat einen Blog geführt, in dem sie Einträge über sich und ihre Mitschüler geschrieben hat. Schonungslos, ehrlich, direkt. Keine Lügen mehr, sondern nichts als die Wahrheit. Als nun der Laptop verloren geht, tauchen wenig später eben diese Einträge öffentlich im Netz auf. Alle Schüler, Lehrer und die Eltern können Julias persönliche Gedanken lesen. Der tägliche Schulbesuch wird zum Spießroutenlauf!

Schonungslos, ehrlich, direkt. So könnte man auch den kompletten Roman beschreiben. Ich halte ihn für Anne Freytags direktestes Werk. Hier wird nichts schöngeredet und alles auf den Punkt gebracht. Julia gehört durch ihre Freundschaft zu den Zwillingen auf die Seite der beliebten Jugendlichen. Sie mobben sich fröhlich durch ihren Alltag, grenzen andere aus, die nicht ins klassische Bild passen. Weiterlesen

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Patricia Briggs: Jäger im Schatten: Mercy Thompsons spannendste Geheimnisse

Die Sagen um Mercy Thompson, ihres Zeichens eine Werkojotin und Alpha & Omega, den Werwölfen gehören zu den am längsten laufenden Urban Fantasy Reihen. Erstaunlicherweise können die Fans und Leser von den Geschichten noch immer nicht genug bekommen, und auch die Autorin ist weiterhin mit Feuereifer bei der Sache.

Nach immerhin bislang elf auf Deutsch publizierten Romanen um die KFZ-Mechanikerin aus Tri-City war es Zeit für eine kleine Pause. Diese füllten Verlag und Autorin mit einer Sammlung von zum Teil Novellenlänge erreichenden Geschichten aus der Welt Mercys. Dass sie selbst – leider – nur in einer Erzählung vorkommt, mindert den Lesespass nicht sonderlich, nutzt die Autorin die Gelegenheit doch, ihr Augenmerk bekannten Nebenfiguren der Serien zu widmen.

Allerdings fiel mir bei der Lektüre auf, dass Briggs eine gewisse Anzahl von Seiten braucht, um richtig in Fahrt zu kommen. Dann aber unterhält sie uns in ihren Serienkosmos sehr vergnüglich, schneidet auch immer wieder durchaus erste Themen wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Diskriminierung von Minderheiten, Ausnutzung und Missbrauch von Schwächeren an und verleiht den Beiträgen so zusätzliche Tiefe. Weiterlesen

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Lilja Sigurðardóttir: Das Netz

Island in Zeiten der Finanzkrise. Dieses Land war sich zu lange sicher in allem, was man so als Bild in der Welt abgab. Thermische Verhältnisse machten die Insel zwischen Amerika und Europa energietechnisch unabhängig und die wilde unberührte Natur lockte jede Menge Touristen an. Hätte alles  gut so weiter gehen können, doch auch in Reykjavik war auf einmal die Gier angesagt. Die Banken verspekulierten sich in dieser unsäglichen Derivaten-  und Spekulationsblase, so dass das Land pleite war.  Nach und nach geht es an die Aufarbeitung und die Suche nach der Schuld.

Arga, eine der Protagonistinnen in diesem  Roman, war eine große Nummer im Bankengewese und hat kräftig mitgemischt und sitzt nun während des ganzen Buches immer in irgendwelchen Verhören. Damit kommt sie klar, sie war und ist in diesen Dingen eiskalt. Womit sie nicht klar kommt, ist die Beziehung zu Sonja, mit der sie im Bett von Sonjas Ehemann Adam und Sohn Tomas erwischt wird. Sonjas Ehe scheitert daraufhin und Sonja hält sich nun mit Drogenkuriergeschäften über Wasser, bzw. sie will das solange machen, bis sie wieder Boden den Füssen hat und ihren Sohn Tomas „zurückholen“ kann. Weiterlesen

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Jörg Scheller: Metalmorphosen: Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal

Die Beschreibung dieses Buches hat mich neugierig gemacht. Liberalismus, Religion, Gender, Stricken, Psychotherapie, Kosmetik – und das alles in Verbindung mit Heavy Metal. Wie kann das funktionieren? Jetzt weiß ich: Es funktioniert großartig. Jörg Scheller, Professor für Kunstgeschichte an der Zürcher Hochschule der Künste, in dessen Leben der Metal schon seit langer Zeit eine große Rolle spielt, verknüpft Bereiche miteinander, die auf den ersten Blick nichts oder wenig gemeinsam haben.

Er nähert sich dem Thema zunächst nicht nur von der musikalischen Seite an, sondern geht auch auf die Ästhetik und die Texte ein. Denn: „Erst durch das mal unisone, mal kontrapunktische Zusammenspiel von Musik und visuellen sowie verbalen Elementen wird Metal zu einem eigenständigen Genre.“ (Intro. Happy Metal? Seite 21)

Er geht auf die prägenden Stilelemente ein, grenzt den Metal aber auch ab, beispielsweise gegenüber dem Hard Rock oder dem Punk. Historisch hat sich der Metal permanent weiterentwickelt und tut es noch. So sind die verschiedensten Subgenres entstanden, die alle „zur Familie“ gehören. Beeindruckt hat mich hier vor allem die Integrationskraft des Metal, bei dem es meist kein „Nebeneinander“ von Stilen oder Elementen (auch aus anderen Genres) gibt, sondern eine gegenseitige Durchdringung, bei der Neues geschaffen wird. Weiterlesen

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Benedict Jacka: Alex Verus 04: Der Wächter von London

Es ist schon eine Krux mit der Vergangenheit – insbesondere dann, wenn es sich um die eigene Historie handelt. Fehler, die man als junger Mensch machte holen einen früher oder später immer ein. Sei es, dass man in der Retrospektive sieht, wie anders das Leben hätte verlaufen können, wenn man nicht wie getan agiert hätte, oder auch auf durchaus drastischere Art. Letzteres muss Alex Verus, Magiermeister und mit der Seher-Gabe ausgestattet schmerzhaft feststellen, als ihn seine lang zurückliegende Lehrzeit einholt.

Einst, fast ein Jahrzehnt ist es her, hatte er sich als Adept einem Schwarzmagier angeschlossen und während seiner Ausbildung Dinge getan, auf die er alles andere als stolz ist. Eine junge Frau, ein Teenager wurde grausam gefoltert, missbraucht und letztlich geopfert – und er hat seine Kommilitonen im Dienst seines Meisters zu dem Opfer geführt. Nun ist der Bruder auf Vendetta aus – und er hat sich Hilfe der magischen Art mitgebracht. Eine ganze Gruppe magisch Begabter heftet sich auf Alex´ Spuren und bringen dazu noch seine wenigen Freunde in Gefahr. Das kann, das muss und das wird Alex Verus sich nicht gefallen lassen – wenn nur dieses lästige Gewissen in seinem Hinterkopf nicht wäre. Doch wie lautet der alte weise Spruch? Nur ein toter Feind ist ein guter Feind – und so macht sich Alex auf, im Kampf dringend benötigte Hilfe zu suchen – ob diese nur freiwillig offeriert wird, oder man sie sich ergaunern muss, das sei einmal dahingestellt … Weiterlesen

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Xavier-Marie Bonnot: Der erste Mensch

Michel de Palma soll in drei Wochen in den Ruhestand gehen. „… Hunderte von Verhaftungen hatte er miterlebt, … Es waren jedes Mal harte Brüche gewesen. Menschenleben, die an Paragrafen zerschmettert waren.“ (S. 343)

Als der Taucher und Archäologe Fortin bei der Erforschung der Unterwasserhöhle an der Küste der Calanques verunglückt, vermutet die Forschungsleiterin darin einen Angriff mit Todesfolge. Und weil viele Indizien für ihre These sprechen, nimmt de Palma seine Ermittlungen auf. Dabei taucht er tief in die Fachgebiete der Archäologie, Mythologie und Psychiatrie ein.

Wenige Wochen darauf flieht Thomas Autran aus der geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Der zu einer lebenslangen Verwahrung Verurteilte sieht an den Umständen des Tauchunfalls ein Zeichen, das auf seine eigene Vergangenheit verweist.

Auch de Palma glaubt an einen Zusammenhang, denn in der Höhle gibt es Handabdrücke, die denen von Thomas Autran ähneln, als dieser seine eigenen als Visitenkarte neben seinen Mordopfern hinterließ.

Ein wertvoller archäologischer Fund und unklare Todesfälle haben de Palmas Augen geöffnet, und er kann nicht mehr wegsehen. Weiterlesen

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Anuradha Roy: Der Garten meiner Mutter

Myshkin ist inzwischen Mitte sechzig. Die Erinnerungen an die vielen Jahre seines Lebens verschwimmen, so wie ihm die Welt vor den Augen verschwimmt, wenn er die Brille abnimmt. Seine Mutter ging fort, als er neun Jahre alt war. Sie hat ihn und seinen Vater in der indischen Kleinstadt zurückgelassen. Das Jahr 1937, in dem er die Mutter verlor, spürt Myshkin noch auf der Haut. An sie kann er sich in allen Einzelheiten erinnern, daran, wie ihr das Haar in einer schwarzen Welle über den Rücken floss, wie sie die Blüten der Bäume im Vorbeigehen streichelte – wie lebendig sie war. Er schreibt seine Erinnerungen auf, um die Jahre seines Erwachsenwerdens in einen stimmigen Zusammenhang zu bringen. Dabei nähert sich der Geschichte seiner Mutter an.

Es ist die Geschichte einer jungen Frau, Gayatri, die Malerin werden wollte. Ihr Vater, ein College-Professor, erkannte ihre Begabungen und förderte sie, was alles andere als selbstverständlich war, interessierten doch sonst bei Töchtern nur die Talente, mit denen sie einen Mann einfangen konnten. Er unternahm große Reisen mit ihr und legte ihr die Welt zu Füßen. Auf einer der Reisen lernten sie den deutschen Künstler Walter Spies kennen, der sie zu Tanzaufführungen und Malschulen mitnahm. Er zeigte ihr ein Leben voller Leichtigkeit und Inspiration. Nach der Heimkehr starb der Vater völlig unerwartet. Gayatris Familie löste das Problem, mit einer unkonventionellen Tochter geschlagen zu sein, indem sie das siebzehnjährige Mädchen kurzerhand an einen ehemaligen Studenten des Vaters verheiratete, zweiunddreißig Jahre alt und konservativ. Er betrachtete Malen, Singen und Tanzen als „Hobby“ und hielt sich für fortschrittlich, weil er seiner Frau Hobbys gestattete. Doch mit der Zeit hörte sie auf zu malen und zu tanzen, sie verblasste immer mehr im Gefängnis der traditionellen indischen Ehe. Weiterlesen

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Chandler Baker: Whisper Network

Ein Buch zur #MeeToo-Dabatte. Vier Juristinnen in einer Sportbekleidungsfirma in Dallas versuchen Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Doch sind es Männer in Schlüsselpositionen, die ihnen den Aufstieg verwehren, beziehungsweise selbigen von gewissen körperlichen Gefälligkeiten und Äußerlichkeiten abhängig machen. Folge: Bald kursiert in den Büros der Stadt die so genannte „BAD-Liste“ mit den Namen von Männern, die durch übergriffiges Verhalten negativ aufgefallen sind. Jede Frau kann entsprechende Namen eintragen, um andere Kolleginnen davor zu warnen.

Auch die drei Freundinnen Sloane, Ardie und Grace erhalten diese Liste. Dabei haben sie bereits alle Hände voll zu tun, sich als moderne Frau zu behaupten. Ardie ist frisch geschieden und alleinerziehend. Als übergewichtige Mittvierzigerin mit lateinamerikanischen Wurzeln muss sie sich gleich mehrfach mit Vorurteilen auseinandersetzen. Grace hat erst kürzlich ein Baby bekommen und fühlt sich nach der Rückkehr in den Beruf überfordert. In den Stunden, die sie im büroeigenen Stillzimmer mit dem Abpumpen ihrer Muttermilch beschäftigt ist, plagen sie Selbstzweifel. Sloane ist auf perfekte Außendarstellung bedacht. Ein dank Botox und Personal Trainer makelloses Aussehen, ein adretter Ehemann, die Tochter auf der Privatschule, ein ansehnliches Eigenheim, Luxusurlaub und Luxustäschchen… das volle Programm. Doch auch sie hat das Gefühl, ihrem Pensum nicht gerecht werden zu können. Noch dazu wo jüngere, hübschere und top ausgebildete Harvard-Absolventinnen wie Katherine in die Firma drängen. Soll sie diese fördern oder sich von ihnen bedroht fühlen? Weder noch. Schnell wird klar, dass die junge Frau vor allem beschützt werden muss. Denn ihr Chef Ames bekundet großes Interesse an Katherine. Mehrfach scheint er sie in persönlichen Meetings oder bei einem Feierabenddrink in unangenehme Situationen zu bringen. Sloane kennt dieses Spiel um Sex und Macht. Sie hat es selbst hinter sich, als sie vor über 10 Jahren mit Ames eine kurze Affäre hatte. Zu allem Übel kommt heraus, dass Ames nach dem Tod des bisherigen Geschäftsführers zum neuen CEO ernannt werden soll. Damit wäre er unantastbar. Weiterlesen

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Cornelia Funke-Special

Keine andere deutsche Autorin ist so erfolgreich wie sie. Niemand sonst begeistert Kinder wie Erwachsene in aller Welt derart mit starken Helden, zwielichtigen Gestalten, authentischen Bösewichten und der Magie der Bücher. Doch wie wurde Cornelia Funke zu der Frau, die inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt berühmt ist?

Nach dem Abitur zog die Autorin nach Hamburg. Dort arbeitete sie als Erzieherin und nebenbei als Buchillustratorin. Das Schreiben war nicht ihre erste Wahl, sie begnügte sich mit dem Illustrieren fremder Texte – bis sie eines Tages anfing, die Geschichten, denen sie Bilder gab, nicht mehr zu mögen. Der Weg zu Büchern, die sie in den Händen der Menschen sehen wollte, stellte einen Umschwung in ihrem Leben dar: Sie begann selbst zu schreiben.

Was langsam anlief und erst 2002 mit „Herr der Diebe“ zum internationalen Erfolg führte, wuchs mit der Zeit zu einem Gesamtwerk, das heute aus den Bücherregalen von Kindern aus aller Welt nicht mehr wegzudenken ist. „Die wilden Hühner“, „Drachenreiter“, „Hände weg von Mississippi“, „Das Labyrinth des Fauns“, „Tintenherz“ und „Reckless“ sind nur einige Beispiele einer langen Liste.

Heute lebt Cornelia Funke in Los Angeles und denkt gar nicht daran, mit dem Schreiben aufzuhören. Wir können uns auch in Zukunft noch auf viele Werke freuen, die unserem Alltag ein wenig Magie schenken und uns in unbekannte Welten führen. Ihre wohl bekannteste Welt soll im Folgenden vorgestellt werden: Weiterlesen

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