Astrid Rosenfeld: Die einzige Straße

Ein Roman, der die Leserin nicht unberührt lässt. Der aber auch runterzieht, der wenig Frohsinn versprüht.

Astrid Rosenfeld, in Köln geborene und heute in Texas lebende Autorin, erzählt von einer Gruppe Menschen, die der Zufall in einer Kleinstadt in Virginia zusammenführt. Alle leben in einem, in den USA nicht unüblichen, Bungalowpark. Alle sind Gestrandete, Verlorene, Suchende, Versehrte. Die hier entweder ganz allein, mit ihrer Familie oder auch nur mit einem aus dem Müll geretteten Chihuahua leben.

Die 13-jährige Jackie, die sich so sehr nach Anerkennung und Lob von ihrem Vater sehnt, die zu dick ist und die keine Freunde hat, quält sich durch Tanzübungen, weil ihr Vater es auf den Geldgewinn bei einem Wettbewerb abgesehen hat. Stanley, ihr Vater, trinkt mehr als gut für ihn ist und glaubt, diesen Gewinn schon in den Händen zu halten.

Travis ist 16, wild und aufsässig, an guten Tagen ignoriert er die Verbote seiner alleinerziehenden Mutter Brianna, an schlechten macht er das genaue Gegenteil. Als sie ihm anbietet, sich im Supermarkt einen Gegenstand seiner Wahl auszusuchen, wählt er eine Axt.

Rachel träumt von einem Mann, der sie längst verlassen hat und verträumt dadurch ihr Leben. Die geistig zurückgebliebene Molly entwischt immer wieder ihrer Schwester Carol. Die Beiden leben zusammen, sind aufeinander angewiesen und kommen doch nicht miteinander aus. Und der alte Greg, der einen Chihuahua gerettet hat, um den sich von da an sein ganzes Interesse dreht.

Alle diese Zerrissenen haben trotz ihrer so hoffnungslosen Lebenslagen ihre Träume. Sie kämpfen, sie verzweifeln, aber sie geben sich nicht auf. Als es darauf ankommt, helfen sie einander, finden zueinander. Doch nicht für alle verwirklichen sich diese Träume.

Ein reichlich depressiver Roman, der erst im weiteren Verlauf auch seine positiven Aspekte zeigt, die hoffnungsvollen Seiten des Lebens benennt. Der Schreibstil von Astrid Rosenfeld ist absolut passend zu ihrem Plot und den gut gezeichneten Charakteren ihres Romans. Es gelingt ihr mit großem Geschick, die Gefühle und die Stimmungen der Handelnden in Worte zu fassen. Trotzdem empfand ich die Lektüre geradezu als belastend, war mir die Handlung, waren mir die Figuren zu ausschließlich problembeladen. In all der Tristesse, die sie schildert, fehlte mir ein wenig die Farbe.

Astrid Rosenfeld: Die einzige Straße.
Kampa, März 2021.
160 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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