Antonia Michaelis: Das Institut der letzten Wünsche

wunschMathilda arbeitet in einem besonderen Institut. Es erfüllt sterbenden Menschen letzte Wünsche und so hat sie allein in diesem Jahr schon etwa 55 Mal Weihnachten gefeiert, 23 Heißluftballonfahrten organisiert und etliche Male Unmögliches möglich gemacht. Doch als der schwerkranke Birger Raavenstein an ihrem Tisch sitzt, kann es ihr gar nicht schnell genug gehen. Er sucht seine Freundin, die er vor 15 Jahren auf wundersame Weise aus den Augen verloren hat, und ihr damals noch ungeborenes, gemeinsames Kind. Mathilda setzt alles daran, diesen Herzenswunsch in die Realität umzusetzen, denn sie fühlt sich zu Birger hingezogen und möchte, dass er glücklich ist, notfalls auch mit einer anderen Frau.

Antonia Michaelis‘ neuer Roman sprüht vor tollen Tönen, schönen Ideen und herrlich-schrägen Figuren. Die 25-jährige Mathilda hat kurz vor Ende ihres Medizinstudiums doch noch umgesattelt auf die andere Seite des Bettes und erfüllt den Patienten nun Herzenswünsche. Immer an ihrer Seite ist ihr Mischlingshund Eddie, der für zahlreiche komische Situationen sorgt. Auch die Nebenfiguren, die mal wichtigere, mal unwichtigere Rollen haben, möchte man einfach nur ins Herz schließen. So hat das Institut beispielsweise einen neuen, kranken Kunden, der früher beruflich Uhren repariert hat. Ingeborg, Mathildas einzige Kollegin im Institut, organisiert bei sich zu Hause, in der Nachbarschaft und schließlich bei Ebay zig kaputte Uhren, die der Mann in seiner Langeweile wieder gangbar machen kann.

Bei all dem Lob sei aber auch eines angemerkt: Der Roman ist leider viel zu lang geraten. Die Suche nach der Vermissten nimmt nur etwa ein Drittel ein, dann geht es um andere Dinge, die zwar auch mit Birger zu tun haben, aber wesentlich kürzer gehalten werden könnten. Auch spürt man von der Liebe, die Mathilda wohl für Birger empfindet, immer nur am Rande etwas. Es wäre schön gewesen, mehr von ihren Gefühlen zu erfahren.

Aber dennoch: „Das Institut der letzten Wünsche“ bleibt lesenswert und amüsant mit einigen tollen Zitaten und Szenen!

Antonia Michaelis: Das Institut der letzten Wünsche.
Knaur, April 2015.
496 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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