Anthony Ryan: Das Schwarze Lied: Rabenklinge 02

Und es gibt ihn doch – den Wolf! Und zwar jetzt, in „Das schwarze Lied“, dem zweiten Buch der Rabenklingen-Serie von Anthony Ryan. In meiner Besprechung des ersten Buchs der Reihe „Das Lied des Wolfs“ hatte ich Ryans Fantasygeschichte bereits begeistert gelobt aber am Titel des Buchs konnte ich leider kein gutes Haar lassen. Schließlich gab es weit und breit keinen Wolf zu erlesen. Aber das löst sich in „Das schwarze Lied“ auf.

Vaelin al Sorna, Turmherr der Nordlande, befindet sich in den Königreichen des Fernen Westens und kämpft gegen die Stahlhast unter ihrem barbarischen Anführer Kehlbrand Reyerik. Dieser hat sich selbst zum Gott erklärt und zieht mithilfe seiner Gabe immer mehr Einwohner in seinen Bann. Mit diesen „Erlösten“ und seiner Horde erobert er ein Königreicht nach dem anderen.

Band 1 „Das Lied des Wolfs“, endete mit dem Tod Ahm Lins, eines Freundes von Vaelin, der ihm im Sterben sein „Lied“ übertrug. Das Lied ist eine magische Gabe, die sich bei jedem der Begabten anders zeigt. Auch Vaelin hatte einst ein Lied, hat es aber verloren. Nun erhält er also wieder diese Begabung, aber ganz anders als gedacht. Vaelins neues Lied ist schwarz und böse und überwältigt ihn oft genug vollständig. Mit Hilfe des ehemaligen Schmugglers Cho Ka begibt sich Vaelin auf die Suche nach Hilfe, damit er schließlich seine Freunde wiederfinden und sich gemeinsam mit ihnen Kehlbrand im Kampf stellen kann.

Vaelin hat in „Das schwarze Lied“ diverse Questen zu bestehen was viel Abenteuer und Spannung in die Geschichte bringt. Trotzdem wird aus ihm aber kein klassischer Abenteurer oder Krieger. Er bleibt der faszinierende Held, der sowohl duldsam als auch entschlossen ist und sich eher in Selbstzweifeln zu verlieren droht als den Haudrauf zu geben.

Neben Vaelins Geschichte gibt es einen weiteren Handlungsstrang mit einem tot geglaubten Feind des Turmherrn, der eine zusätzliche, fesselnde Tiefe in die Erzählung bringt. Mir haben die Abenteuer, die Vaelin in diesem Band bestehen muss, sehr gut gefallen. Sie bieten einen großartigen Kontrast zur eher bedächtigen Grundstimmung, die durch Vaelins Charakter das Buch auszeichnet.

Und jetzt komme ich wieder auf den Wolf zurück. Ja: er wird erwähnt. Und er steht in Verbindung mit Vaelin und mit seinem Widersacher – dem Tiger. Aber so richtig wird nicht klar, was diese Beiden genau zur Geschichte beitragen. Die Handlung hätte problemlos auch ohne sie stattfinden können. Sollte ein weiterer Band folgen, in dem sich die Notwendigkeit von Tiger und Wolf erweist, dann nehme ich hiermit vorsorglich meine Kritik schon mal zurück.

In jedem Fall kann ich das Buch nur uneingeschränkt empfehlen. Ryan schreibt seine ganz eigene, einfühlsame Art der Fantasy und schafft es dabei trotzdem die Leser in blutige Schlachten und Indiana-Jones-reife Abenteuergeschichten zu entführen.

Anthony Ryan ist Jahrgang 1970, stammt aus Schottland und lebt als Beamter in London.

Anthony Ryan: Das Schwarze Lied: Rabenklinge 02.
Aus dem Englischen übersetzt von Sara Riffel.
Klett-Cotta, August 2021.
592 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Pia Konle.

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